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Ein Kind von Traurigkeit war das Hongkong-Exploitation-Kino ja schon seit den 1970er-Jahren wahrlich nicht. Man denke nur an Filme wie The Kiss of Death (1973), The Bamboo House of Dolls (1973), The Killer Snakes (1974), The Oily Maniac (1976), oder Corpse Mania (1981). Doch was unsere Freunde aus der - damals noch - britischen Kronkolonie in den frühen 1990ern auf geduldiges Zelluloid bannten, ließ selbst vergangene Großtaten auf diesem Gebiet verblassen. Was uns zu Robotrix bringt, einem Paradebeispiel für einen spekulativen Genremix, der sein wirres Programm ohne Rücksicht auf Verluste durchzieht und die Grenzen des guten Geschmacks auch schon mal geflissentlich ignoriert.

In der wohl berüchtigtsten Szene des wilden Streifens, die in vielen Veröffentlichungen durch Abwesenheit glänzt, vergewaltigt und würgt ein bösartiger Cyborg eine Nutte so lange, bis Blut ihr Bein hinabläuft und sie das Zeitliche segnet. Damit nicht genug, wirft sie der so kräftige wie potente Killer durch ein Fenster aus dem zweiten Stock, wonach die nackte Frau auf ein parkendes Auto kracht. Na bumm! Glücklicherweise ist Jamie Luks Robotrix trotz der eingestreuten Sex- und Gewalteskapaden kein Film, den man ernst nehmen kann bzw. sollte. Zu comichaft übertrieben sind die diversen Set-Pieces, zu uneinheitlich ist der Ton, zu verspielt die Dramaturgie, zu hanebüchen die simple Handlung.

Die Polizistin Linda Lin (Aoyama Chikako, The Rape-Man of Edo 1 & 2) wird bei einem Einsatz kaltblütig erschossen, findet sich danach jedoch - sehr zu ihrem anfänglichen Mißfallen ("Why didn't you let me die?") - im Körper des nach ihrem Ebenbild gestalteten Roboters Eve R27 wieder. Verantwortlich für dieses kleine Wunder ist die geniale Wissenschaftlerin Dr. Sara (Hui Hiu-Daan), zusammen mit ihrer Robotergehilfin Anna (Amy Yip Ji-Mei, Sex and Zen) die Koryphäe auf diesem Gebiet. Und dann ist da noch der böse und ziemlich durchgeknallte Japaner Yamamoto (Lam Chung), der vor laufender Kamera Harakiri begeht, um seinen Verstand in den von ihm konstruierten Superroboter (Billy Chow Bei-Lei) zu transferieren. Grund für diese abstruse Aktion ist sein unbändiger Wunsch nach Rache, da er es einem reichen, roboterbesessenen Scheich heimzahlen will, der ihn mehrmals hat abblitzen lassen. Deshalb entführt er flugs dessen Sohn und bohrt im Bein des Prinzen auch schon mal nach Öl. Eve R27 soll dem Spuk ein Ende machen, muß aber bald feststellen, daß mit Yamamotos Roboter nicht gut Kirschen essen ist. Denn der ist eine sadistische, hemmungslose Fick- und Tötungsmaschine, die erst Ruhe gibt, wenn sie in ihre Bestandteile zerlegt ist. Und an unbändiger Kraft mangelt es dem Maschinenwesen auch nicht; wo es hinschlägt, birst Fleisch, brechen Knochen, spritzt Blut... da wächst garantiert kein Gras mehr.

Die erste Hälfte von Robotrix hat einige Längen und irritiert zudem mit dem gefürchteten Klamauk Hongkong'scher Prägung, der einfach nicht lustig ist. So wird man z. B. Zeuge, wie sich Anna als Prostituierte tarnt, um den Killer zu sich zu locken. Der sexy Roboter in Gestalt der großbrüstigen Amy Yip geht in seiner Rolle dermaßen auf, daß die mit der Beobachtung beauftragten Polizisten zu debilen, nasenblutenden Voyeuren mutieren. Bei Szenen wie diesen kommt der an und für sich temporeiche Streifen völlig zum Stillstand, da sie für die Handlung nicht relevant sind. Nett ist immerhin die Einführung der Robotrixen in Form einer Robotermesse. Erst wird voller Überschwang ein deutscher Roboter (Mark King) präsentiert, der sich danach mit seinem amerikanischen Pendant (Ken Goodman) prügelt und prompt den mechanischen Löffel abgibt, während der beschädigte US-Bot durch den Saal amoktaumelt. Bevor es zu Schlimmerem kommt, hat Eve R27 ihren famosen Auftritt und neutralisiert das amerikanische Ex-Technikwunder auf spielerische Weise. Erst gegen Mitte des Filmes, wenn Jamie Luk auf humorige Einlagen weitgehend verzichtet, zündet Robotrix so richtig und gewinnt an Momentum. Und die letzten fünfzehn, zwanzig Minuten bieten explosive, energiegeladene Action von der Art, die das Hongkong-Action-Kino dieser Zeit so unwiderstehlich mitreißend macht.

Bedient haben sich die Macher, wie unschwer zu erkennen ist, vor allem bei James Camerons The Terminator und Paul Verhoevens RoboCop, aber auch Re-Animator mußte für eine schöne Szene herhalten. Aufgepeppt wurde das Ganze dann mit viel Sex, etwas Gore, (zu) viel "Humor", diversen Kung-Fu-Einlagen, und einigen expliziten nackten Tatsachen, was diesen kleinen, groben Trash-Kracher natürlich schwer unterhaltsam macht. Erwähnenswert ist noch, daß die deutsche Videoveröffentlichung von UFA/BMG Video nur ca. neunzig Prozent des Filmes enthält... etwa zehn Minuten fielen der flinken Zensurschere zum Opfer. Etwas besser hatten es da die Engländer; dort wurden "nur" knapp dreieinhalb Minuten geschnitten.

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