Olaf Ittenbach ist der Mann, der sich vom ambitionierten Amateurfilmer zum angesehenen Independent-Regisseur entwickelt hat. Bereits „Garden of love“ merkt man seine eigentliche Herkunft kaum noch an, ähnlich nun auch „Chain Reaction“.
Handwerklich hat er wieder eine saubere Arbeit abgeliefert, doch leider kann die Story nur zum Teil überzeugen, - nämlich genau bis zur Hälfte der Laufzeit…
Nach einem etwas wirren Vorspann und einigen, zunächst unverständlichen Flashbacks, offenbart sich folgende Situation: Der Arzt Doug kollidiert auf der Landstraße mit einem Gefangenentransporter. Vier der Knastbrüder überleben und nehmen den Arzt als Geisel mit durch den Wald. Nach einer Weile Fußmarsch gerät die Gruppe in einen plötzlich aufkommenden Nebel und landet bei einer altertümlichen, recht großen Hütte. Die Bewohner des Hauses entpuppen sich als Dämonen und töten alle bis auf den Arzt Doug, der kurz darauf von der Polizei aufgegriffen wird und dessen Aussage kein Glauben geschenkt wird. Deshalb soll er ins Gefängnis wandern, doch ein Auto kollidiert abermals mit dem Gefangenentransporter…
Bis hierher ist die Geschichte durchaus ideenreich und unterhaltsam. Leider bietet die zweite Hälfte eine fast exakte Kopie des Vorangegangenen ohne Überraschungen. Die gute Grundidee wurde überhaupt nicht weiterentwickelt, nur andere Gefangene, die sich mit ihrem Overacting teilweise um Kopf und Kragen reden, was die Dämonen anschließend auch visuell quittieren…
Man wartet sehnsüchtig auf derbe Bluteffekte, da spannende Momente aufgrund ausladender Dialoge - besonders in der zweiten Hälfte - ausbleiben. Dabei sind die Darsteller gar nicht mal so übel, teilweise sogar gut, wie Dan van Husen als Knasti mit philosophischer Weltanschauung und Christopher Kriesa als Arzt, den mit der Dämonenfrau Alice eine entscheidende Gemeinsamkeit verbindet. Alice wiederum wird von Ittenbach´s Frau Martina verkörpert. Für ein Debüt nicht schlecht, auch wenn sie an der Vielseitigkeit ihrer Mimik noch arbeiten muß.
Ittenbach hat ein Faible für drastische Effekte und setzt diese auch hier wieder gekonnt und zahlreich ein. Literweise fließt Blut und Körper werden zersägt, amputiert, zerschlagen, deformiert und auseinander genommen, so dass der Gorehound kein Grund zur Beschwerde haben wird. Mann wird bei einigen Szenen vielleicht aus Reflex die Beine übereinander schlagen…
Auch die Kameraführung kann mit ein paar schönen Schwenks in die Vogelperspektive aufwarten, zudem sind die Schnitte treffend gesetzt und der unaufdringliche Score weiß zu gefallen.
Doch leider, leider zieht die inkonsequente und einseitige Geschichte viel Negatives mit sich.
Und Ittenbach macht fast haargenau dieselben Fehler wie bei seinem „Legion of the dead“: Schwache Story, kein Held zum Mitfiebern und der bösesten Figur wird mal wieder die Stimme runtergepitcht…
Vielleicht sollte sich Ittenbach mal nach einem talentierten Schreiberling umsehen, denn das technische Know-How für einen ansehnlichen Film bringt er allemal mit.
„Chain Reaction“ ist zwar keine Gurke geworden, aber ein überdurchschnittlicher Beitrag leider auch nicht.
5 von 10 Punkten