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Selten ist ein Film, der aus einer simplen Idee geboren und dabei geblieben ist, so gelungen wie "Dead Men don't wear plaid", einer filmischen Rarität, selbst für das an Skurilitäten reiche Comedy-Genre. "Machen wir doch einen Film, in dem ohne Ende Ausschnitte aus Filmen der Schwarzen Serie unterbringen, so daß man mit den Stars der 40er und 50er Jahre agieren kann." So oder ähnlich müssen es sich Carl Reiner und Steve Martin gedacht haben, als sie sich an das Script für "Tote tragen keine Karos" gemacht haben. Und dieses Vorhaben wurde 1:1 umgesetzt.

Selbstverständlich inszeniert in schwarz-weiß, wird uns eine klassische Detektivgeschichte präsentiert, in der Rigby Reardon (Steve Martin) von einer hinreissenden jungen Dame einen Auftrag bekommen, der nach und nach immer verzwickter wird.
Geradezu wahnwitzig konzipiert und konstruiert folgt Reardon den seltsamsten Spuren und begegnet auf seinem Weg den seltsamsten Gestalten, die allesamt mit ihren Szenen alten Film-Noir-Klassikern entnommen sind. Dabei sieht man Martin niemals per Computertrick mit ihnen zusammen, sondern er interagiert via Zwischenschnitt mit seinen Gegenübern. Für Abwechslung sorgen Schnitte, in denen man die "alten" Schauspieler von hinten oder nur teilweise im Bild vor Martin erscheinen läßt. Zur vollständigen Übereinstimmung studierte man die alten Filme und baute die Sets detailgetreu so nach, wie sie in den Klassikern vorgekommen waren.

Auch die Szenen und Texte sind gut ausgewählt und passen sich mal rational, mal irrational, aber immer witzig in den Fall Reardons ein.
Dabei geben sich die Stars die Klinke in die Hand: Ingrid Bergman, Lana Turner, Bette Davis, Ava Gardner, Cary Grant, Charles Laughton, Vincent Price, Burt Lancaster, Alan Ladd, Kirk Douglas und und und... nicht zu vergessen Humphrey Bogart, der als Philip Marlowe Reardons niedriger gestellten Partner abgibt, der niemals Krawatten tragen mag.

Folglich treibt das Drehbuch die absurdesten Blüten, wenn Martin mit den Stars in den Dialog geht, doch es gibt auch noch genug anderes zu lachen, wenn er Rachel Ward z.B. mehrfach die Brüste richtet, weil die außer Form gerutscht waren oder sie ihm im Gegenzug ständig Kugel aus der Schulter saugt, in die er andauernd getroffen wird. Der Plot ist, wie es sich für einen Film noir gehört, ordentlich kompliziert und weist ständig neue Wendungen auf, verliert aber seine Comedy-Elemente nicht für einen Moment aus den Augen.

Für den kundigen Zuschauer und Filminteressierten wird es überdies ein munteres Rätselspiel, wen man jeweils vor sich hat und aus welchem Film die jeweilige Szene entnommen wurde.

Leider funktioniert der Film nur in der klassischen Fassung als Original mit Untertiteln, die dem Witz eine größere Wirkung geben, vor allem dem "Cleaning Woman"-Gag, der insgesamt dreimal vorkommt und nur im Original (und dort in Deutsch) letztlich eine wichtige Pointe verursacht. Die deutsche Synchronfassung ist zwar relativ akurat, doch Martins ungewohnte (und eher klassisch "harte") Stimme ist sowohl ungewohnt als auch ungewollt. Natürlich kann der Film auch komplett synchronisiert noch Spaß machen, ein wahrer Kult sind jedoch die Originaltöne auf den Originalfilmschnipseln.

Wer also die frühen Martin/Reiner-Filme mag (Der Mann mit den zwei Gehirnen, Solo für 2) und filmgeschichtlich ein wenig interessiert ist, wird hier reichlich Brüller der absurdesten Sorte finden. In Zeiten von "Forrest Gump" wirkt das sicher tricktechnisch etwas veraltet, aber dafür hat dieser Streifen die originellere Idee.
Ach so, und ein Kultfilm ist das natürlich reinsten Wassers. Brilliant! (9/10)

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