Bruce Willis spielt einen ausgebrannten Privatdetektiv, der von seiner Tochter gehasst wird und seinen alten Job als Bodyguard verloren hat. Von einem Freund, der kurz darauf getötet wird, erhält er den Auftrag, eine Stripperin zu schützen, deren Tod er aber nicht verhindern kann. Zusammen mit deren Freund, einem ehemaligen Football-Star, gespielt von Damon Wayans, versucht er nun die Mörder zu finden.
Seinerzeit von den Kritikern eher zerrissen und im Kino nicht gerade erfolgreich avancierte "Last Boy Scout" mit der Zeit zum Kultfilm des Action-Genres und verständlich ist dies allemal, denn "Last Boy Scout" ist definitiv ein guter Actionfilm, verwendet aber zu viele Klischees und macht zu viele Fehler, um seine Vorbilder "Stirb langsam" oder "Lethal Weapon" zu erreichen.
Zunächst einmal ist es Bruce Willis, der den Film über das Mittelmaß hebt und ordentliche Unterhaltung über die volle Laufzeit garantiert. Anders als seine Kollegen Schwarzenegger, Stallone und Segal zeigt Willis einmal mehr, dass er nicht nur in den Action-Szenen überzeugt, sondern auch als Charakterdarsteller einige Ambitionen hat, so bringt Willis eine hervorragende Schauspiel-Leistung und stieg nach "Stirb langsam" und "Stirb langsam 2" schließlich zum Kult-Darsteller auf. In diesem Film ist es aber vor allem sein Zynismus, der seine Leistung für immer Unvergessen machen wird. Willis bringt einen Spruch nach dem anderen, die wegen seiner trockenen Art überhaupt nicht aufgesetzt wirken und somit zum Großteil zünden können. Am Ende folgt schließlich ein genialer und dreister One-Liner auf den nächsten und der Film unterhält wegen seines Humors fast noch besser als wegen seiner Action, zumal sich der bestens aufgelegte Damon Wayans hervorragend an Willis` Spiel anpasst und ebenfalls einige hervorragende Sprüche vom Stapel lässt.
Im Großen und Ganzen handelt es sich bei "Last Boy Scout" um Tony Scotts persönlichen Abgesang auf das Action-Kino der 80er und verglichen mit eben diesen Werken, die sich vor allem durch hirnlose Storys und menschenverachtende Schießereien auszeichneten, wobei "Rambo 2" und "Phantom Kommando" so ziemlich den traurigen Höhepunkt darstellten, ist "Last Boy Scout" definitiv einer der besten seiner Zunft. Beachtlich ist unter Anderem die Story, deren Handlung die eine oder andere Finte enthält und damit durchaus teilweise überraschen kann, was aber auch nicht weiter wundert, da es sich beim Drehbuchautoren um keinen geringeren als Shane Black handelt, der bereits mit "Predator", "Zwei stahlharte Profis" und "Brennpunkt L.A." drei Drehbücher zu Kultfilmen des Genres verfasste, wobei der grobe Verlauf natürlich vorhersehbar bleibt. Was jedoch stört und vor allem bei mir einen sehr bitteren Nachgeschmack hinterlassen hat, sind die Genre-Klischees, die Black trotz seiner guten Handlung verwendet.
Einmal mehr setzt er bei der Charakterkonstruktion auf das Schema F und lässt zwei offensichtlich komplett unterschiedliche Charaktere aufeinander los, die notgedrungen zusammen arbeiten müssen, wie es schon bei Millionen anderen Actionfilmen der Fall war. Jedes Mal, wenn die Ganoven, natürlich nach dem typischen 0815-Feindbild des Genres konstruiert, also grausam, sadistisch, abgrundtief böse, die beiden Hauptfiguren scheinbar in der Hand haben, beginnen sie wieder mit ewig langen Ausführungen, bis sich Willis und Wayans doch wieder befreien können. Vor allem diese Momente ziehen sich ewig in die Länge, zumal ab einem gewissen Punkt sowieso absehbar ist, wie der Film endet. Und wo wir schon mal beim Ende sind: Auch dieses entspricht komplett dem Klischee, Willis und Familie versöhnen sich und Wayans wird mehr oder weniger in die heile Familienwelt integriert und beim Happy End wird so definitiv zu dick aufgetragen. Diese Klischees, die den Film des Öfteren ausbremsen hätte er definitiv nicht nötig gehabt, auch wenn einige Fans des Films behaupten, dass Scott die Klischees absichtlich verwendet, da es sich ja um einen Abgesang auf das Genre handelt, unnötig ist es trotzdem.
Nach "Top Gun", "Tage des Donners" und "Beverly Hills Cop 2" hat Tony Scott sicherlich einiges dazu gelernt und das sieht man dem fertigen Film auch an. Optisch ist der Film absolut typisch für Scott, zu jedem Zeitpunkt hervorragende bebildert und perfekt beleuchtet. Die Filmmusik ist eher unauffällig, angesichts, der meist düsteren und dreckigen Kulisse ist dies aber auch nicht weiter wichtig, da Scott auch ohne größere Ton-Effekte eine gespannte Atmosphäre aufbauen kann, auch wenn diese durch die zahlreichen Gags teilweise getrübt wird. Der Spannungsbogen ist solide, wird aber durch die Verwendung der Genre-Klischees des Öfteren ein wenig ausgebremst. Zudem ist der Film sehr kurzweilig geworden und wirkt teilweise gehetzt, was bei der geschnittenen Fassung natürlich noch extremer auffällt.
Die Action-Szenen sind ebenfalls dem 80er-Jahre-Actionkino nachempfunden, so sind sie durchaus sehenswert, von Scott perfekt in Szene gesetzt und sehr brutal. Einerseits stört die Brutalität nicht weiter, da sie sehr gut in diesen, mit seinen zynischen Sprüchen relativ dreckigen Action-Film passen, andererseits geht Scott mit der Gewalt gegen Frauen und Kinder vielleicht ein bisschen weit, womit "Last Boy Scout" schließlich eine, in meinen Augen durchaus gerechtfertigte Indizierung erhielt. Da Scott eine gelungene Abwechslung aus rasanten Verfolgungsszenen, brutalen Schusswechseln und aufwendiger Pyrotechnik findet, hält der Action-Film definitiv was er verspricht und unterhält damit sehr gut und hat auch mir, obwohl ich überhaupt kein Fan des 80er-Jahre-Actionkinos bin, gut gefallen. Mit "True Romance" blieb Scott seiner Linie weiterhin treu, bevor er schließlich zu eher braven Action-Thrillern überging.
Fazit:
Zynisch, brutal, menschenverachtend, unterhaltsam und kurzweilig ist er, der Abgesang von Tony Scott auf das Action-Kino der 80er. Mit den zynischen One-Linern, die Willis im Minutentakt einbringt, den rundum überzeugenden Action-Szenen und der, im Vergleich zu anderen Filmen des Genres, ordentlichen Handlung kann "Last Boy Scout" so hervorragend unterhalten, krankt aber an seiner Kurzweiligkeit und an den, in meinen Augen zu häufig verwendeten Genre-Klischees, wird den Fans des Genres aber auf jeden Fall zusagen und hat seinen Kultstatus sicherlich nicht zu Unrecht erlangt.
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