Ach, was waren das doch noch für goldene Zeiten, als in Hollywood noch richtig schön 80er-Jahre-like geballert und gekillt wurde und sich Bruce Willis noch nicht für einen unbedingt kinderfreundlichen Schauspieler hielt.
Der Film, der den 80ern schließlich den Fangschuß gab, ist sicherlich „Last Boy Scout“, Tony Scotts Abgesang auf die überzeichnete Härte.
Heute präsentiert sich der Film dem Publikum im TV meistens in einer so stark gekürzten Version, daß man gar nicht verstehen kann, wieso man als Teenager bei diesem Streifen mal ordentlich ein Faß aufmachen konnte.
Willis‘ Charakter, Joe Hallenbeck, ist der Urtyp des gebeutelten Underdog, der Looser mit der harten Schale, vom Schicksal und der Umwelt gebeutelt. Die Frau ein Verhältnis, das Kind keinen Respekt, meistens unrasiert, ständig quarzend und immer schlechter Laune.
Mit gesenktem Haupt gießt er ein paar Drinks in sich rein und dennoch ahnen wir alle, daß wir hier einen schlafenden Dinosaurier wecken, der notfalls für Ehre oder Gerechtigkeit oder seinen Sinn von beidem eine ganze Stadt plattwalzen würde.
Das ist so stark überspitzt, daß es schon zum Lachen reizt, bevor Willis beginnt, gnadenlose One-Liner vom Stapel zu lassen, was dann noch stärker forciert wird, als der Buddy-Movie-Faktor durch das Hinzufügen von Damon Wayans Footballspieler betont wird. Daß die beiden sich erwartungsgemäß nicht leiden können, um dann natürlich doch immer mehr zusammenzuwachsen, ergibt sich ganz von selbst und gibt den Auseinandersetzungen mit Gangstern und Killern zusätzliche verbale Würze.
Auf der Pro-Seite ist natürlich die schiere Brutalität noch anzumerken, denn die Fieslinge haben ins Gras zu beißen, gehen sie doch genauso rücksichtslos vor, erschießen Frauen und Polizisten, fädeln Fallen ein, legen Bomben und versuchen sonstwie Joe und seinen Kumpan um die Ecke zu bringen.
Willis selbst steckt bereitwillig ein, um dann später nonchalant zurückzugeben, wenn es nötig wird. Die berühmte (und im TV komplett geschnittene) Sequenz, in der er mit einem Schlag auf die Nase einen der Killer tötet (obwohl er ihn vorgewarnt hat), ist schon so ein Klassiker.
Inszeniert hat das Tony Scott in bewährtem Stil: viel Gegenlicht, Grauschleier, strahlende Helligkeit am Tag, betontes Dunkelblau in den Nachtszenen. Wenn mal Ruhe einkehrt, dominieren die pointierten Dialoge, ansonsten wird geballert und geprügelt, was das Zeug hält und das hat es durchaus in sich.
Äußerst platt angehängt wirkt die Familienzusammenführung am Ende getreu dem amerikanischen Prinzip von der zurückkriechenden Ehefrau, die an ihrem Mann endlich wieder Anerkennenswertes (Potentes) findet. Und leider ein Totalausfall ist die überbetonte Tochter, ein affiges Blag, das man die ganze Zeit prügeln möchte und die auch nicht sympathischer wird, wenn sie am Ende kuschen muß. (Sie stellte übrigens auch das Jammergirl in Halloween 4 und 5 dar und mußte sich in „Düstere Legenden“ als tablettenabhängiger Gothic im Bett ermorden lassen.)
Willkommen also im Paradies für testosterongeschwängerten Actionbruch, mit Finesse und Schwung erzählt und absolut menschenverachtend inszeniert. Wirklich herrliche Zeiten. (9/10)