Review

"Gore-Effekte machen Filme besser". Was unter Filmfreaks meist nur als ein leicht ironisch gemeinter Kommentar zu werten ist, schien für Herschell Gordon Lewis Anfang der 60er wohl der volle Ernst gewesen zu sein. Denn er war es, der das Gematsche mit Blut und Gedärm als erster auf die Leinwand gebracht hat. Kein anderer vor ihm traute sich bis damals so richtig, die abgründigsten Unterhaltungsperversionen der Menschheit auf Zelluloid zu bannen. Jeder Splatterfreak leckt sich deshalb auch gerade zu die Finger nach "Blood Feast" und natürlich erst recht, seitdem einige findige deutsche Anwälte sich gedacht haben, diesen Uraltsplatter doch noch zu beschlagnahmen. Auch ich konnte mich deshalb vor kurzem nicht dem Film verweigern, als ich ihn in einer Videothek, ganz offen in den Regalen, liegen gesehen habe. Doch wenn man ehrlich ist, ist Herrschells Film eigentlich Trash pur, der wirklich nur aufgrund seiner Gore-Szenen etwas zu bieten hat.

Denn im Grunde ist der Streifen eigentlich relativer Dünnpfiff. Story, Machart und Umsetzung lassen eigentlich eher auf einen Ed Wood-Film schließen, zumindest wenn man nicht ganz genau wüsste, dass der "Godfather of Splatter" dahinter steckt. Die Geschichte handelt im Grunde von einem verrückten Delikatessenhändler, der immer wieder Menschen auf bestialische Art und Weise umbringt und diesen ihrer Körperteile entledigt, um damit später einen ägyptischen Gott zum Leben zu erwecken. Als er eines Tages für die Ausrichtung einer großen Party verpflichtet wird, sieht er seine große Chance, die letzten noch fehlenden Teile "aufzutreiben", sowie seine teuflischen Riten auszuführen... Klingt hohl und das ist auch. Wie schon eingangs erwähnt ist "Blood Feast" wirklich Trash pur und zwar von Anfang bis Ende. Hanebüchene Ideen wechseln sich mit unglaublichen Dämlichkeiten ab und immer wieder wird es wirklich deutlich spürbar, dass die Filmstory im Grunde ein absolutes Nichts ist, das nur als purer Aufhänger, für das Blutbad auf der Leinwand, zu gebrauchen ist.

Und im Grunde sind es auch wirklich nur die Blutszenen, die den Streifen einigermaßen interessant machen. Denn das erste Blutbad der Filmgeschichte einmal mitzuerleben, ja das hat schon was. Da werden Körperteile (wenn auch noch nicht wirklich sichtbar) abgetrennt, mit Innereien und Gedärm nur so rum gematscht, Schädeldecken und die Haut bei lebendigem Leib abgezogen und so weiter und so fort. Alles für was das Splattergenre bekannt ist und damals in der Drastigkeit Tabu war, hat Lewis eigentlich in seinem ersten Gore-Movie schon eingebaut, wenn man es auch mit seinen späteren Werken, sowie dem heutigen, ja fast schon Standard, noch kaum vergleichen kann. Deshalb dürften filmhistorisch interessierte Genre-Freaks aus dem Lechzen mitunter gar nicht mehr herauskommen, zumal die Goreszenen auch durch die Bank weg wirklich gut gemacht sind und genauso aussehen, wie man sich solche Szenen in aller Regel vorstellt, zumindest bei Bedacht aus welchem Jahr der Streifen stammt. Und bei seiner Erstaufführung ist einigen Zuschauern mit Sicherheit sogar regelrecht schlecht geworden, von all dem Matsch. Heutzutage dürfte der abgebrühte Genrefan davon aber sicher kaum noch geschockt sein.

Eher wird er es von der gar billigen Aufmachung und Umsetzung des ganzen Rest sein. Denn außerhalb der Goreszenen hat "Blood Feast" aber auch wirklich gar nichts zu bieten. Die Kulissen sind schauderhaft billig, die Kameraarbeiten und die Ausleuchtung nicht der Rede wert und der Score so derartig aufdringlich, dass man manchmal regelrecht den Ton wegdrehen möchte. Hinzu kommen dann auch noch die furchtbaren Leistungen der Darsteller, die über absolutes Amateur-Niveau mitunter kaum herauskommen. Emotions- und Lustlos spulen die Herrschaften hier ihre nichtssagenden Dialoge ab, ohne dabei wirklich eine Mime zu verziehen oder sonst wie zu überzeugen. Das hätte dann doch sicherlich, selbst für die sicher äußerst geringen Budget-Verhältnisse, besser aussehen können.

Fazit: Der Urstein des Splatterfilms entpuppt sich unterm Strich als Trashfilm, so wie er im Buche steht. Die Story ist Müll, die Umsetzung dilettantisch und die Darsteller so grottenschlecht, dass es einem die Fußnägel hochrollt. Einzig und allein die Goreszenen, auf die es hier, zugegebenermaßen, eigentlich als einziges ankommt, können vollauf überzeugen, ansonsten aber ist an dem ersten Blutbad der Geschichte nicht wirklich viel Wertvolles zu finden. Da "Blood Feast" aber als filmhistorisches Dokument, trotz aller Trash-Aspekte, dennoch sehr interessant ist und man dem Film und seinem Macher auch einfach irgendwo großen Mut zusprechen muss, will ich mal nicht so sein und dem Streifen trotzdem noch in den leicht überdurchschnittlichen Bereich hieven. Wirklich objektiv ist das aber mit Sicherheit nicht.

Wertung: 6/10 Punkte

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