Review

SPOILERWARNUNG!


HANDLUNG:

In der amerikanischen Küstenstadt Miami geht das Grauen um. Die Nachrichtensender warnen vor einer anhaltenden Mordserie. Die Opfer sind ausschließlich junge, hübsche Frauen, die auf grausame Weise verstümmelt und zerstückelt werden. Obendrein fehlt jedem Opfer ein Körperteil oder ein Organ. Die Polizei tappt im Dunkeln, denn der Mörder hinterlässt nie irgendwelche Spuren. Der Druck der Presse auf den Polizeichef Frank und Detective Pete Thornton wächst stetig. Der unbekannte Täter ist der betagte und körperlich eingeschränkte Fuad Ramses, der einen exotischen Catering-Service betreibt.

Ramses ist obendrein Anhänger eines jahrtausendealten Ischtar-Kults. Um die Göttin wieder ins Leben zurückzuholen, bedarf es eines altägyptischen Festmahls, bei dem Menschenfleisch auf dem Speiseplan steht. In seiner Küche bereitet er alles für den wörtlichen Leichenschamus vor und beschwört das Götzenbild der hohen Göttin. Als krönenden Abschluss fehlt ihm schließlich nur noch ein letztes weibliches Opfer, das sich freiwillig der Göttin hingeben muss. Da kommt ihm der Auftrag der ahnungslosen Mrs. Fremont wie gerufen, die eine Party für ihre Tochter organisiert. Suzette Fremont interessiert sich nämlich sehr für ägyptische Geschichte und Kultur und besucht regelmäßig die Kurse des Ägyptologen Dr. Flanders. Während einer solchen Vorlesung über den Pharao Ramses und den Ischtar-Kult, lernt Suzette auch Det. Thornton kennen, der sich ebenfalls für das Thema interessiert. 

Zwischen Suzette und Pete Thornton entwickelt sich eine Romanze und sie lädt ihn zu ihrer Party ein. Als die beiden sich näher kommen, kriegt Thornton die Meldung über ein weiteres Opfer, das den Angriff unerwarteterweise schwer verletzt überlebt hat. Zusammen mit dem Captain eilt Thornton ins Krankenhaus und kann der Zeugin noch ein paar Informationen zum Überfall und dem Täter entlocken, bevor sie ihren Verletzungen erliegt. Als Thornton erfährt, dass für Suzettes Party ein gewisser Fuad Ramses ein ägyptisches Festmahl bereitet, holt er weitere Informationen zum Kult über Dr. Flanders ein. Von ihm erfährt er auch, dass Ramses ein Buch über altägyptische Rituale geschrieben hat, das bei allen Opfern eine Rolle gespielt zu haben scheint. Nun dämmert dem Detective der Zusammenhang zwischen den Morden und dem geheimnisvollen Ischtar-Kults. 

Einen Tag vor der Party verschwindet Suzettes Freundin Trudy Sanders spurlos. Die Kriminalbeamten geraten in Alarmzustand. Sie stürmen Ramses Catering-Laden und machen dort eine schreckliche Entdeckung. Neben der Statue der Göttin Ischtar finden sie auch Trudys grausam verstümmelte Leiche und Überreste von anderen Opfern. Ramses weilt indessen in dem Anwesen der Fremonts, wo er die Partygäste schon mal auf das Festmahl einstimmt. Als Mrs. Fremont zufällig in der Küche nach dem Rechten sieht, überrascht sie Ramses dabei, wie er Suzette töten und sie der Göttin als finales Opfer darbieten will. Ramses’ Plan ist vereitelt und der Wahnsinnige verlässt den Schauplatz fluchtartig. 

In diesem Moment trifft auch die Polizei ein und nimmt die Verfolgung auf. Diese endet auf einer naheliegenden Mülldeponie, wo Ramses sich in einem Müllabfuhrwagen versteckt. Doch als der Fahrer nichtsahnend die Presse des Fahrzeugs bedient, findet Ramses seinerseits ein grausames Ende. Die Mordserie ist vorbei und die Bevölkerung kann aufatmen. Aber wie wahrscheinlich ist es, dass noch mehr Kultanhänger in Fuad Ramses Fußstapfen treten?


KRITIK:

Wir schreiben das Jahr 1963. Der unabhängige Filmemacher Herschell Gordon Lewis und sein befreundeter Produzent David F. Friedman sahen sich gezwungen, neue Ideen für günstige und publikumswirksame Filme zu entwickeln. Die beiden waren zunächst auf Nudistenfilme, sogenannte “nudie cuties”, fokussiert, in der die Darsteller mehr oder weniger nackt in Erscheinung treten, ganz gleich, welchem Genre die Handlungsabläufe zuzuordnen sind. 

Aber die Schaulust des Publikums für diese Art von Unterhaltung ebbte immer stärker ab. Etwas anderes, nie Dagewesenes musste her - etwas, das die großen Hollywood-Studios nicht bieten würden. Und wenn Eros als Unterhaltungszweck nicht mehr zog, dann mit Sicherheit Thanatos als Gegenstück. So konzipierten Lewis und Friedman einen filmischen Grundsatz, dessen Schauwert allein auf der Darstellung von Blut und Gewalt liegen sollte.

Trotz der Unterstützung von Alison Louise Downing hatten Lewis und Friedman zunächst keine passenden Ideen für ein Drehbuch. Daher konzentrierten sie sich anfangs auf die Ausarbeitung der Mordszenen. Die Rahmenhandlung sollte sich spontan Stück für Stück ergeben. Dass dadurch der Streifen inszenatorisch, als auch inhaltlich recht holprig und konstruiert erscheint, sollte nicht verwunderlich sein. Mit den Blut- und Ekel-Effekten war es aber auch nicht weit her, zumindest rückwirkend aus heutiger Sicht betrachtet. Der Akt des Tötens und die Zerstörung menschlicher Körper werden zwar bis auf eine Ausnahme am helllichten Tag zelebriert. Aber detaillierte Aufnahmen sucht man dennoch vergeblich. 

Herschell Gordon Lewis in seiner Funktion als Kameramann bleibt immer im Rücken des Mörders und fängt mit seiner Linse schließlich nur die bluttriefenden Resultate ein. Diese reichen von abgetrennten Gliedmaßen bis hin zu entfernten Organen und anderen Verstümmelungen. Was das bescheidene Budget von schätzungsweise 25.000 US-Dollar nicht zulässt, wird mit dem ausgiebigen Einsatz von knallig roter Farbe wettgemacht. Andere Quellen reden zwar von einer deutlich höheren Summe von um die 60.000 Dollar, aber anhand der Schauwerte sind die 25.000 wahrscheinlicher.

Dramaturgisch hat BLOOD FEAST ebenfalls kaum nennenswerte Anzeichen, denn alles ertrinkt in einem Minimalismus, der zwischen Langeweile und unfreiwilliger Komik schwankt. Der Mörder ist von Anfang an in Großaufnahmen bei der Arbeit zu sehen und auch abseits davon gibt es keine überraschenden Momente. Viele Szenen wirken statisch, die Darsteller ragen kaum über ein Laienspiel hinaus und die Kulissen sind spartanisch ausgestattet. 

Auch technische Mängel sind unübersehbar. Die starke Beleuchtung an der nächtlichen Strandszene bspw. ist ein Graus und viele Außenaufnahmen, insbesondere die mit fahrenden Autos, haben größtenteils keinen Ton. Um die Aufnahmen besser in den Kasten zu bekommen, wurden vorwiegend Cabriolets verwendet, die den Umgang mit Licht und Ton vereinfachten.

Herschell Gordon Lewis zeichnete sich aber nicht nur für die Regie und die Produktion, das Drehbuch und die Kamera verantwortlich, sondern auch für die musikalische Untermalung seines Films. Leider wabert eine sich ständig wiederholende wummernde Klangcollage durch den Film, die das Erlebnis nicht aufregender gestaltet. Insgesamt schleppt sich das Machwerk durch seine recht kurze Laufzeit von weniger als 70 Minuten. 

Nach nur neun Tagen Drehzeit im sonnigen Miami war mit BLOOD FEAST der erste Gore- bzw. Splatterfilm der Filmgeschichte im Kasten. Um damit auch ordentlich abkassieren zu können, musste dieses reine Kommerzprodukt dem Titel gebenden Blutfest entsprechend beworben werden. David Friedman ließ sich nicht lumpen und hatte ein paar gute und wirksame Ideen an den Start gebracht. 

Zum einen ließ man extra hergestellte Kotztüten an die Kinobesucher verteilen, die mit einer verheißungsvollen Warnung die Notwendigkeit dieses Utensils versprachen. Zum anderen ließ sich Hauptdarsteller William Kerwin nicht lumpen, für den Trailer eine eindringliche Warnung an Frauen mit Kindern und Menschen mit Herzproblemen auszusprechen, den Vorführsaal zu verlassen. Noch mehr Interesse weckte zusätzlich eine einstweilige Verfügung gegen den Film in Sarasota, einer Stadt im Bundesstaat Florida. Darüber hinaus weigerten sich diverse Tagesblätter, Werbung für den Film zu machen.

Diese Anti-Werbung stieß auf fruchtbaren Boden, denn der Film kam beim schockierten, aber sensationslüsternen Publikum erstaunlich gut an, so dass Lewis und Friedman über die Jahrzehnte viele Millionen Dollar verdienten. Trotz aller unübersehbaren Schwachpunkte hat BLOOD FEAST zurecht seinen Platz in den Annalen der Filmgeschichte. Dafür sorgen immer wieder Äußerungen von Genre-Größen wie z.B. Stephen King, der den Film als schlimmsten Horrorfilm bezeichnet haben soll, den er gesehen hat. (Ob das gut oder schlecht gemeint war, sei mal dahingestellt.) 

Die öffentliche Filmkritik hatte selbstredend kein gutes Haar an dem Film gelassen. Und filmwirtschaftliche Kontrollsysteme zögerten auch nicht, BLOOD FEAST an den Pranger zu stellen. Im Vereinigten Königreich landete der Film als ältester Titel auf der Liste der sogenannten “video nasties”. Hierzulande wurde er sogar bundesweit beschlagnahmt, und das erst im Januar 2004, keine zwei Jahre nach der ersten Veröffentlichung auf DVD im deutschsprachigen Raum durch cmv-Laservision. Aber es gibt auch positive Beispiele: Das TIME Magazine zählt BLOOD FEAST zu den 25 besten Horrorfilmen aller Zeiten.

Der Erfolg, den Herschell Gordon Lewis mit BLOOD FEAST hatte, beflügelte ihn nicht nur dieser Masche treu zu bleiben, sondern begünstigte ihn dazu, weitere Filme ähnlichen Kalibers zu drehen: TWO THOUSAND MANIACS, COLOR ME BLOOD RED, THE GORE GORE GIRLS und THE WIZARD OF GORE. Sein Output bescherte Lewis nicht nur zurecht den Titel “Godfather of Gore”, sondern auch den Status Quo als wohl wichtigsten Wegbereiter des Splatterfilms.


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