Review

Leichte Spoiler !


Der wohlhabende Architekt Félix (Andoni Gracia) befindet sich nach der Trennung von seiner Freundin in einer schweren Lebenskrise. Bis eines Abends ein mysteriöser Fremder vor seiner Tür steht und ihn bittet, sein Telefon zu benutzen. Félix gewährt dem Fremden Einlass und zieht sich während des Telefonats in ein Nebenzimmer zurück. Als er ins Wohnzimmer zurückkehrt, scheint der Mann wie vom Erdboden verschluckt. Anfangs hält er es nur für Gehirngespinste, doch nach und nach geschehen merkwürdige Dinge in seiner luxuriösen Stadtvilla: Nachts hört er Schritte, findet eingedrückte Kopfkissen vor, und alles sieht so aus, als habe er einen ungebetenen Gast…

Es fällt mir eigentlich verdammt schwer, den ganzen Film ohne Spoiler zu beschreiben, also hab ich mir hier und da kleine Spoiler erlaubt, ohne dass Spannung flöten geht.

Mit "The Uncertain Guest" liefert Spanien mal wieder einen guten Beitrag zum subtilen Horror-Genre ab. Mit wenig Budget ausgekommen, dafür ein gut durchdachtes Drehbuch (Wer hat Angst vorm Schwarzen Mann?), kommt schaurige Atmosphäre auf. Und trotzdem fährt der Film ab einem gewissen Punkt gegen die Wand. Warum? Lest einfach weiter.

Das Haus hat an reiner Wohnfläche 500 qm (im Film sieht das eher nach 100 qm aus, aber egal), das bietet natürlich sehr viel Platz zum Versteck spielen. Bei Felix machen sich durch die Ereignisse immer mehr Paranoia breit und so bittet er seine Exe, bei ihm zu bleiben, was natürlich im Popperl endet. Leider erwischt er sie in dieser Nacht in der Küche und lauscht, wie sie scheinbar mit dem "ungebetenen Gast" redet. Steckt sie etwa auch unter einer Decke mit ihm?
Nach der Auseinandersetzung verlässt sie ihn wieder, und die Geräusche im 2. Stock nachts wollen einfach nicht aufhören, Hirngespinste? Wird Felix wahnsinnig? Er schläft lieber im Auto als im Haus und tagsüber läuft er mit ´nem großen Küchenmesser durch die Wohnung um sich zu "ernähren".

Tja, alles ist beim Plot bisjetzt drin an Lösungen, der Zuschauer tappt dabei im Dunkeln. Sehr gute Arbeit, Regisseur Morales!

Als tagsdrauf die alte Nachbarin in seinem Haus tödlich verunglückt (was übrigens sehr nett verfilmt wurde), verstärkt sich sein Verdacht und beim darauffolgenden Verhör bei der Polizei stiebitzt er sich ´ne Knarre. Fest entschlossen, dem Spuk ein Ende zu bereiten, sucht er erneut sein ganzes Haus ab und wird fündig. Er erschießt das sich im Dunkeln bewegende Etwas, verriegelt das Haus, fährt mit dem Auto davon und beschließt, diesen "Psycho" einfach in seinem Haus verrecken zu lassen.

Bis zu dieser Stelle hat man einen wirklich guten Grusler gesehen, und "The Uncertain Guest" schlägt dann mal einen ganz anderen, leckeren Weg ein, auch, wenn es ab hier schon leicht auf Kosten der Logik geht.
Felix findet heraus, dass der "ungebetene Gast" sein Nachbar Martin gewesen sein muss, also schleicht er sich in sein Haus hinein, in der nur die an den Rollstuhl gefesselte Ehe-Gattin wohnt, die sich verzweifelt fragt, wo denn nun ihr Mann abgeblieben ist. Nun spielt Felix das Spiel des unsichtbaren Eindrings tagelang, bis er auf das grauenvolle Geheimnis stoßen soll...

Dieser Rollentausch fällt schaurig so wie unterhaltsam, manchmal sogar witzig und auch voyeuristisch aus. Selbst vor einer Selbstbefriedigungs-Szene der gelähmten Claudia schreckt man nicht zurück.
Nur die Beweggründe von Felix (Warum verrecken lassen und nicht gleich zur Polizei? Warum schleicht er jetzt selber tagelang als unsichtbarer Einbrecher durch ihre Wohnung, nur um rauszufinden, wer Martin wirklich war?) wollen mir dabei nicht in den Kopf kommen. Gut, da kann man noch ein Auge zudrücken, es unterhält leidlich und wie gesagt, ein recht ungewöhnlicher Weg, dass der Drehbuch-Autor da zurecht geschrieben hat.

Warum der Film dann dennoch ins Mittelmaß rutscht, ist der an den Haaren herbeigezogene, ärgerliche Schluss, bei dem die Logik komplett flöten geht, wobei "The Uncertain Guest" fast schon solche Dimensionen wie "High Tension" erreicht, jedoch ohne wie dieser Slasher ins Schizzophrene abzudriften.

Achtung! Folgende Spoiler enthalten die komplette Auflösung und sollten keinesfalls gelesen werden, wenn man den Film noch nicht gesehen hat !!!


********SPOILER************

-Dass Felix´ Freundin schwanger ist und nicht mit dem Fremden sondern mit ihrem Baby im Bauch redet, ist einfach zu offensichtlich. Und dann wird aufgrund dem Drive noch blöd bei der Auseinandersetzung zurückgehalten, dass sie schwanger ist. Lieber den Arm aufschlitzen lassen. Jawoll!

- Da Felix seine Ex-Freundin erschießt und nicht den "ungebeten Gast", frag ich mich die ganze Zeit, warum sie bei dieser Szene keinen einzigen Laut oder Schrei von sich gegeben hat (Achtung: Frauenstimme!), dafür aber minutenlang am Türknauf rumzappelt. Und drei Tage später ist sie ja immer noch am Verbluten, hauptsache da geht wimmern,sprechen und Laute von sich geben noch.

- Es war zu keiner Zeit ein "Gast" in Felix Haus, die Geräusche waren nur Klopfzeichen oder der Versuch, mit der Hacke durch die Wand zu brechen. Aber das hört sich natürlich nach "Da oben geht doch einer!" an. Zumindest auf irgendwelchen Drogen eventuell.

- Dafür, dass der Ehemann Martin im Kellerloch verreckt ist, ist als Gegenmauer für das Nachbarhaus die zweite Etage extrem niedrig gebaut. Krasse Architekten gibt´s schon in Spanien. Hauptsache genug Taccos werden geraucht. Dann funktioniert das auch mit der Bau-Zeichnung in Villa Bacho.

- Der verstorbene Ehemann hat es bis zu seinem Tod tagelang nicht gepackt, sich ein Loch in die Freiheit zu hauen, Felix langt mit der Hacke dreimal zu, und hat ein Loch in der Wand erschaffen, durch das Dirk Bach passen würde.

- Was soll denn nun bei so einer Auflösung der Anruf des Fremden anfangs? Einbildung? Oder ´nen Gammel-Fleisch-Döner zuviel gegessen?

- Claudia hat wohl etwas zu viel sich einen von der Stange geölt, fällt ihr doch dann mal passend zum Finale ein, was sie drei Tage vorher angestellt hat (OK, drei Tage ist schon ´ne verdammt lange Zeit, solche unwichtige Sachen vergisst man schon mal gerne, wenn man den eigenen Ehemann zum Sterben wegsperrt...)

- Was soll das mit dem Rasierer und den Stoppeln im Waschbecken? Das passt überhaupt nicht, oder ist das so eine Genialität des Regisseurs, bei der ich mir jetzt mein Hirn zerbeulen muss?!?



************ SPOILER ENDE **********************



Fragen über Fragen, Logiklöcher, die dem Fass den Boden ausschlagen. Und ich könnte noch weiter machen.

Mit so ´nem Brain-Fuck am Schluss kann man als Zuschauer nur noch beleidigt die Arme verschränken und den Stinkfinger Richtung Fernsehen zeigen.
Wenn ich´s mir recht überlege, das Ende zieht den Film genauso runter, wie es "High Tension" bei mir erreicht hatte.

Mit ´nem cleveren oder schon 1000mal gesehenen Ende wäre der Film locker an die 8er bzw. 9er Bewertung rangekommen. Aber so nicht, Herr Drehbuchautor, da brummt mir der Schädel.
Trotzdem soll man "Uncertain Guest" mal unbedingt gesehen haben. Jeder interpretiert das hier mit Sicherheit anders...

5/10

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