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Angeblich haben ja viele Sagen einen wahren Kern. Fraglich ist nur, wieviel Realismus fantasy-geeichte Zuschauer sehen wollen; wenn aus vermeintlich furchterregenden Monstern kindheitsgeschädigte Familienväter werden, aus hochberühmten Helden vom Meer angespülte Grübler und aus grandiosen Duellen schäbige Gemetzel, die durch selbst ausgerupfte Arme entschieden werden, droht massive Publikumsverweigerung.

Hier also die Beowulf- und Grendel-Sage. Bevor Hollywood-Routinier Zemeckis uns demnächst eine vermutlich hochglanzpolierte, für die übliche dreistellige Millionensumme produzierte Fassung dieser alt-angelsächsischen Legende auf die Leinwände knallt, erreicht diese krass minimalistische Version hierzulande zumindest die Videotheken. "Held" Beowulf (Gerard Butler) reist zum Dänenkönig (Skarsgard), um dem gegen einen "Troll" beizustehen, doch der ist eigentlich nur ein gestörtes Kind. Und auch die Liebesbeziehung mit der "Hexe" Selma steht aus verschiedenen Gründen unter keinem guten Stern.

Wer bislang nur die unsägliche Techno-Variante der Sage mit Lambert kannte oder irgendetwas Herr-der-Ringe-mäßiges erwartet, wird sicher heftig enttäuscht. Den üblichen Erwartungen an einen Fantasy-Film entsprechen allenfalls die mal wieder sehr attraktiven Landschaftsaufnahmen (Island), der Rest ist nach heutigen Sehgewohnhieten ein mittlerer Schock. Langsam, weitgehend unter freiem Himmel oder in sparsamen Kulissen spielend, ohne wirklichen Höhepunkt, hart, karg. Wenn man sich darauf einlässt, hinterlässt der Film aber schon eine gewisse Wirkung, vor allem weil die Gut-/Böse Grenze so völlig anders verläuft, als man das anfänglich oder genreüblich denkt. Ein wirklicher Knaller ist der Film naturgemäß nicht, dafür fehlt es dann doch an ein wenig mehr Budget. So gesehen ist ist die Entscheidung, auf Spezialeffekte und Action-Szenen weitgehend zu verzichten, nur folgerichtig, besser gar keine als schlecht gemachte. Die wenigen Kampfszenen sind Gemetzel, nichts anderes, vor allem der "Showdown" gegen Grendel und die Szene mit dem Arm gehören zum unangenehmsten, das ich seit langem gesehen habe (auch wenn medizintechnisch irgendwie nicht ganz plausibel).

Das mäßige Budget, die schönen Landschaften und der Versuch, eine uralte Sage für ein heutiges Publikum neu aufzuarbeiten, lassen Vergleich zum jüngst in den Kinos gefloppten Tristan & Isolde aufkommen. Für die Nordmänner-Variante sehe ich zumindestens mal einen Riesenpluspunkt: Die Schauspieler. Wo dorten ein paar vermeintlich angesagte Teenie-Idole krampfhaft, aber glücklos auf Mittelalter machen, stehen bei Beowulf & Grendel Typen zur Verfügung, die in die Landschaft und die Zeit wie angegossen passen. Neben Skarsgard, der immer gut ist und wie für einen Dänenkönig geschaffen wirkt, sollte man besonders Sarah Polley erwähnen, die als selbstbewusste Hure/Hexe eine wunderbare Rolle spielt. Und selbst Butler, den ich bislang eher in mauen Filmen der Preisklasse Timeline gesehen habe, fällt nicht nennenswert ab.

Fazit: Karger Anti-Fantasy-Film, der die Beowulf-Sage auf erstaunliche und sicher nicht für jedermann besonders erfreuliche Weise auf den Kopf stellt. Schöne Landschaften und gute Schauspieler sorgen für ein paar Höhepunkte, andere gibt es mangels Budget nicht. Knappe 6 Punkte für Leute mit etwas Geduld, die übrigen sollten Abstand nehmen.

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