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„Die Männer sind auf der Jagd“ so die Aussage eines weiblichen Vampirs oder ist sie nur ein angehender Vampir? Das Wie, Weshalb, Warum wird innerhalb des Films beantwortet. Im Vergleich zu anderen Rollin-Filmen, in denen meist viele Fragen offen bleiben, wird bei „Requiem pour un Vampire“ das Meiste offenkundig erklärt.

Marie und Michelle sind auf der Flucht, welche sie u. a. durch eine beeindruckende Landschaft mit einem wunderschönen Friedhof führt. Nach einiger Zeit gelangen sie in ein verlassenes Schloss, allerdings trügt der erst friedliche Anschein…

Somit auch erst einmal genug zur Rahmenhandlung. Marie und Michelle sind die zentralen Figuren des Films. Aus ihrer Sicht nimmt der Zuschauer Augenkontakt mit den weiteren Geschehnissen auf. Die beiden Mädchen verbindet eine enge Freundschaft welche im Verlauf auf die Probe gestellt wird. Schließlich sind sie auserwählt um die vor dem Aussterben bedrohte Rasse der Vampire am Leben zu halten. Während Michelle sich mit der Rolle abgefunden hat, weigert sich Marie, sich dem Zwang der Untoten zu unterwerfen. Rollin zeigt bereits zu Beginn des Films das die beiden Mädchen zwar durchaus in der Lage sind sich selbst zu helfen, aber dennoch von einer starken Schüchternheit bzw. Unsicherheit geprägt sind. Diese Labilität ist nicht ganz unwichtig für den Verlauf des Films und erklärt das Verhalten von Michelle. Ganz wichtig ist hierbei die Szene in der Michelle, Marie auspeitscht um zu erfahren wo sich Frederique versteckt hält. Sie kommt hier zwar dem Auftrag des weiblichen Vampirs nach, allerdings ist jeder Peitschenschlag auch ein schmerzhafter Hieb für ihre Seele, so dass sie in Tränen ausbricht.

Rollin zeigt in seinem Film drei Bezugspunkte, zum einen die beiden Mädchen, zum anderen die Vampire und die so genannten „Männer“, deren Ziel die Fleischeslust ist. Die Szene mit den angeketteten Frauen, an denen sich die „Männer“ vergehen, ist meines Erachten viel zu lang ausgespielt worden. Es kann allerdings auch in der Absicht des Regisseurs liegen, auf diese Weise eine „Antipathie“ für die „Männer“ auszulösen. Jedenfalls ist diese Absicht, wenn es denn eine war, bei mit voll und ganz gelungen. Als dritte Partei treten die Vampire oder angehenden Vampire in Szene. Das Oberhaupt der Vampire ist bestrebt seine Rasse zu erhalten und diese zu beschützen. Hier baut Rollin bewusst einen Charakter auf, der gegenteiliges auslöst. Erwartet der Zuschauer den Ursprung des Bösen, so wird er hier gegenteilig und eines Besseren belehrt. Was ein keines Happy End zur Folge hat. Die Mädchen werden aus dem Bann der Untoten entlassen, die „Männer“ werden von ihnen erschossen und das Oberhaupt der Vampire lässt sich zusammen mit seiner „Nachfolgerin“ in seiner Gruft auf ewig einschließen. Es lässt wieder daraus schließen, dass das Böse nicht immer das Unbekannte, das Übernatürliche ist. Alles ist tief in der Seele verankert und kann kontrolliert werden. Die Bestie ist nicht das Übernatürliche, nicht der Vampir, die Bestie ist der Mensch selbst…

„Requiem pour un Vampire“ hat nicht ganz die Klasse von „Le Frisson des Vampires“ und auch nicht von dem, in allem erhabenen „Levres de Sang“, zeigt sich trotzdem als ein brillantes Kinomonument. „Requiem pour un Vampire“ ist einfach gesagt Kunst. Eine Kunst die allerdings von den Wenigsten verstanden und akzeptiert werden wird. Was der Film an Bildern liefert ist einfach nur erschlagend, die Farben und das gesamte Ambiente sind von einer morbiden und gleichzeitig faszinierenden Schönheit gezeichnet. Die Außenaufnahmen sind reine Perfektion und lassen über die ein oder andere zu lang ausgespielte Szene im Film hinwegsehen. Dieses ist ein sehr wichtiger Bestandteil des Films, da sehr wenig Dialog verwendet wurde. Es ist halt immer möglich mit wenig Worten viel zu sagen.

Wichtig ist, wie in jedem Rollin-Film, sich auf seine Bilder einzulassen und in diesen zu versinken. Sollte man dazu nicht in der Lage sein, wird man Rollins Filme nie verstehen.

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