Review

Willkommen in der einzigartigen Welt des Jean Rollin...


Eine wilde Verfolgungsjagd, untermalt durch verschiedene Schusswechsel. Zwei Autos rasen einer Landstraße entlang. Im ersten Auto sitzen zwei als Clowns verkleidete Damen und ein Kerl. Im Verfolgerauto, dass sieht man nicht genau und es wird einem nicht erklärt vor wem oder was die drei flüchten. Sie können zwar entkommen, aber der Mann wird tödlich verwundet. Die Mädels verbrennen die Leiche samt Auto, um deren Spuren zu verwischen. "Peng", und mittendrin steckt der Zuschauer in einem weiteren Jean Rollin-Filmchen!

Ich war erst einmal leicht perplex, denn die Filme von Rollin sind nicht wirklich für ihre begnadeten Action-Szenen bekannt. Okay, begnadet waren diese Szenen auch nicht. Man merkt sofort, dass die Schauspieler mit Platzpatronen schießen und die Fahrkünste der Protagonisten würde Bruce Willis mit 80 Jahren noch übertreffen. Aber in einem Rollin-Film dürstet es mir nicht nach ansprechenden Actionszenen. Nach diesem "Einstand nach Maß" beruhigt sich der Film wieder. Und dann fangen sie an, die typischen Rollin-Merkmale. Plötzlich fühle ich, wie mich der traumhafte surreale Stil dieses Regisseurs vollends in den Bann zieht.

Die Mädchen (natürlich traumhaft schön, allen voran Marie-Pierre Castel) gelangen an einen Friedhof, der es gekonnt schafft, eine faszinierende Mischung aus leichtem Grusel und Romantik zu bieten. Dann kommen sie zu dem (vermeintlich) verlassenen Schlösschen. Und ab da zieht Rollin wieder alle Register seines Könnens! Er baut diese besondere Atmosphäre auf, zeigt dem Zuschauer "seine" Kameraperspektiven, garniert mit wunderschönen Bildern. Die Farbgestaltung ist ihm nicht ganz so hervorragend gelungen wie noch bei "Sexual-Terror der entfesselten Vampire", jedoch stellt sie noch fast jeden heutigen Hollywood-Mainstream-Film in den Schatten. Das Bemerkenswerte an der ganzen Chose ist, dass die ersten 45 Minuten fast ganz ohne Dialog auskommt. Rollin war nie ein Meister der "Worte", aber das finde ich schon klasse. Er lässt nur die Bilder für sich sprechen. Dies werden vermutlich viele "Horrorjünger" der Neuzeit als viel zu lahm und langweilig ansehen. Auch der Torso, der sich die "Geschichte des Films" nennt, dürfte vielen aufstoßen. Rollin stellt die eigentliche Geschichte in den Hintergrund. Er erklärt nicht mehr als nötig und wenn, gibt er höchtens Andeutungen, keine richtigen Erklärungen.
Da ich mittlerweile aber Rollin-erprobt bin, macht mir das nichts aus. Wie ich schon so oft bzgl. Rollin geschrieben habe, seine Filme wirken wie Träume.

Klar geizt der Regiesseur auch hier nicht mit nackter Haut. Es wird dem Zuschauer sogar eine richtige "Orgie" geboten. Die mag für einige etwas "obszön" oder sonst wie wirken, aber man kann Rollin nicht vorwerfen, dass er seine Frauen nicht mit dem gehörigen Respekt in Szene setzen kann. Wer es nicht mag, muss es sich ja nicht anschauen!

Interessant ist auch der Charakter des alten Vampirs, der nur seine "Art" beschützen und weiter erhalten möchte, während sich seine "halbvampirischen" Jünger teilweise wie Bestien aufführen. Das wirft mal wieder die Frage auf, wer das größere Monster ist? Der Mensch oder gar doch der Vampir? Tötet er nur zum Spaß oder möchte er, wie der Mensch, seiner Art das Überleben sichern!? Dies kann jeder für sich ausmachen.

Als Resümee bleibt mir noch zu erwähnen, dass "Requiem for a Vampire" ein sehr guter Rollin-Film ist, der "seinen Jüngern" das gibt, was sie sehen möchten und seinen Kritikern wieder mehr zum meckern. Er erreicht nicht ganz die Brillianz seines "Sexual-Terror der entfesselten Vampire", bleibt aber mit den typisch fantastischen Bildern und der schönen Musikuntermalung dennoch lange im Gedächtnis.

Details
Ähnliche Filme