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Der Film beginnt völlig unvermittelt, ganz im Stile der alten Serials, aus dem Zusammenhang gerissen mit einer Verfolgungsjagd per Auto. Die obligatorisch dazugehörige wilde Schießerei darf natürlich nicht fehlen. Ein Gangsterpärchen entledigt sich seinen Häschern und flüchtet zu Fuß zunächst auf einen Friedhof um kurz darauf in einem nahegelegenen Chateau blutrünstigen Vampiren gegenüber zu stehen. 25 Jahre vor From Dusk Till Dawn lieferte Jean Rollin einen Film ab, der ambivalenter nicht sein könnte. Action in einem Rollin Film? Die Action mag für heutige Sehgewohnheiten behäbig sein, aber mir hat dieser Einstieg extrem gut gefallen.

Er wirft Fragen auf und gibt einem Film eine gewisse Tiefe, der sich ansonsten einen Dreck um eine kohärente Erzählstruktur schert. Wie kam es zu der Verfolgungsjagd, wer sind die gesichtslosen Verfolger und warum tragen die beiden Mädchen verdammte Clownskostüme?

Während Tarantino in seinem Film diese Fragen beantwortet, schmeißt Rollin den Zuschauer ins kalte Wasser. Er verzichtet weitestgehend auf Erklärungen und gibt sich vollends der Bildsprache hin. Der Film kommt in der ersten knappen Stunde ohne Dialoge aus. Die Flucht vor der Realität, namentlich der unbekannten Häscher, ist hier in reinem Wortsinn zu verstehen. Sobald es zu Fuß weitergeht, verlieren die beiden Protagonistinnen buchstäblich den Boden unter den Füßen und dringen in eine surreale, unwirkliche Welt ein, in der das Unbekannte gleichermaßen bedrohlich und anziehend ist.

Soviel zur Theorie. Handwerklich ist REQUIEM ein Film mit Ecken und Kanten. Vielleicht sogar ein Film der verschenkten Möglichkeiten. Die Friedhofssequenz war mir gute 10 Minuten zu kurz. ( Jean hat das mit "La Rose de Fer" wieder wett gemacht) und die exploitativen Sex und Gewalt Einlagen haben auf mich wie Fremdkörper gewirkt und den Film definitiv ein wenig ausgebremst. Diese Szenen waren ohnehin den profitorientierten Produzenten geschuldet und entsprechen nicht der Intention des Regisseurs. Seis drum. Summa Summarum gehört Rollins poetischer  Vampirstreifen zum besten, was das avantgardistische Genrekino der 70er zu bieten hat. Wertung 7/10

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