Review

kurz angerissen*

Die Regieanweisungen sind deutlich zu erkennen, als „Requiem Pour Un Vampire“ seine Pforten völlig Rollin-untypisch mit einer Autoverfolgungsjagd eröffnet: erzeugt Tempo, vermittelt Dynamik! Von der statischen Kamera weg bewegt sich das Gefährt, dessen Insassen auf einen Verfolger schießen, der nur Augenblicke später den Aufnahmewinkel passiert. Doch die Bewegung, tatsächlich träge aus dem Stand heraus erzeugt, führt in die Irre. Nachfolgend wird der Regisseur entschlossener denn je zur Traumwandlerei zurückkehren und mit surrealer Anmut einmal mehr die Ereignislosigkeit zelebrieren, indem er Marie-Pierre Castel und Mireille Dargent in Clownskostümen auf eine quälend lang anmutende Reise durch den Wald schickt, die irgendwann im Zentrum des Rollin'schen Vampirkosmos mündet, einem mittelalterlichen Rundschloss. Karg, verwinkelt, verlassen.

Obwohl ein Manifest der Ereignislosigkeit, findet man in dieser Arbeit wohl die Essenz seines Werks besonders unverfälscht vor. Den manchmal ausgelaugt wirkenden Bildkompositionen, zusätzlich entfremdet durch behelfsmäßig arrangierte Requisiten und Gimmicks (diesmal mit einer besonderen Entartung der Klassik: einer Gummifledermaus, befestigt, an pikanter Stelle), raffen sich unverhofft zu poetischen Momenten auf.

Abgesehen von einer völlig in Rotlicht getauchten Kerker-Erotikszene spiegeln sich solche Momente diesmal allerdings nur vereinzelt in bestimmten Einstellungen, bei denen es sich auch mal um die Aufnahme einer Wasserpfütze handeln kann. Das Entjungferungs-Motiv wird durch die Vampir-Metaphorik nur teilweise verhüllt; Andeutungen vermischen sich mit Konkretheiten, ohne dass dabei so explizite Montagetechniken zum Einsatz kämen wie noch bei „Le Frisson Des Vampires“.
Wenn man also bei Rollin von „gepflegter Langeweile“ spricht, bezieht man sich dabei auf „Requiem Pour Un Vampire“ womöglich etwas mehr als auf andere seiner dichten Filmografie.

*weitere Informationen: siehe Profil

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