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Regieexzentriker Ken Russell malt ein Sittengemälde Frankreichs zur Zeit von Louis XIII, in einem pestverseuchten Loudun, in dem der Priester Urbain Grandier sexuelle Beziehungen zu Frauen unterhält, von der Nonne Jeanne des Agnes angebetet und letztlich von Kardinal Richelieu verfolgt wird. Die Vorlage von Aldous Huxleys Essay "Die Teufel von Loudun" erscheint hier als ekstatisches Historiendrama, das sich nie zurückhält und bis zur Pervertierung des Begriffes Teufel in all seiner selbstgefälligen Dekadenz zu fesseln vermag. Mit Vanessa Redgrave als buckelige Schwester Jeanne und Oliver Reed als Grandier sowie Michael Gothard als Hexenjäger ist dieses wagemutige Zeitdokument grandios besetzt, mit seinem verstörenden Soundtrack verblasst selbst der hervorragende "Flavia - Leidensweg einer Nonne" ein wenig, ist es doch viel mehr noch ein vielschichtiges politisches Statement zum Konservativismus von Kirche und Staat, zu Religion und Macht , basierend auf wahren Begebenheiten. Schwester Agnes Visionen ihrer Gelüste sind bis heute trotz ihrer surrealen, übersteigerten Anmutung aufgrund der antiklerikalen, visuellen Sichtbarkeit der fleischlichen Sünde sowohl von Kritikern mit Preisen bedacht, wie dem Vatikan ein Dorn im Auge, mehr, als das ganze Nunploitationgenre zusammen. Die gezeigten Szenen kulminieren in einer Vergewaltigung Christi oder in orgiastischem Exorzismus mit seinem offensichtlichen Wahnsinn, dem die damalige Massenhysterie hinter Klostermauern bis zur Verbrennung Grandiers nur allzu grafisch, doch nicht exploitativ nachempfunden wurde. Die Geschichte ist aber auch die von verschmähter und verbotener Liebe in einer bigotten Welt zwischen Dogmen und Humanismus mit geheimen Verlangen, die als dämonisch sowie blasphemisch ihren Platz in der Filmgeschichte fanden und in ihrer anarchischen Art quasi eine manieristische Befreiung vom Katholizismus im Zeitalter der Aufklärung darstellen. Verbote in diversen Ländern sind noch heute, nach dreieinhalb Jahrzehnten, die Quittung für dieses audiovisuelle Gesamtkunstwerk, "The Devils" ist zweifellos sehr herbes, raues und zugleich historisch prächtiges Filmtheater, mit schwarz-weiss-betonten Sets von Experimentalfilmer Derek Jarman ausgestattet, kontrastreich wie der Inhalt des wohl intensivsten Films, den Ken Russelll je gedreht hat.

Fazit: Am dramatischen und inhaltlich interessanten Ende von historischer Nunploitation und Co wird die Luft neben diesem Klassiker dünn. 9/10 Punkten

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