Peter Bogdanovichs Karriere als Regisseur war seit dem Flop mit „Daisy Miller“ mit Sicherheit eine einzige Abwärtsspirale, aber er hat trotzdem einige ausgezeichnete Filme gedreht und deswegen verdient auch der für Roger Corman produzierte und gedrehte „Targets“, sein erster abendfüllender Film einiges an Beachtung, auch wenn das mangelnde Budget alle Schwächen nicht ausbügeln kann.
Gedreht im Jahr 1967 machte sich Bogdanovich in Cormans Penny-Schmiede die Tatsache zunutze, daß Alt-Horror-Vater Boris Karloff ein Jahr vor seinem tatsächlichen Ableben noch ein paar Drehtage vertraglich abzuliefern hatte. Corman empfahl dem Jungregisseur, doch einfach 20 Minuten Material aus „The Terror“ (ebenfalls schon eine kaum nachvollziehbare Resteverwertung mit Jack Nicholson) zu nehmen, zwei Tage mit Karloff frisch zu drehen und sich noch eine Parallelhandlung auszudenken.
Am Ende drehte Karloff fünf Tage und es wurden fünf Minuten aus „The Terror“ und das Ergebnis eine der vergnüglichsten Begegnung von altem und neuem, klassischem und modernen Horror und das sogar thematisch innerhalb des Films.
Karloff spielt hier den alternden Horrorstar Byron Orlok, der sich auf seine alten Tage mal so richtig quer stellt und seinen Ruhesitz fordert. Den Autoren seines nächsten Films (Bogdanovich selbst) stößt er mit einer generellen Weigerung vor den Kopf, sein altes Hollywood gäbe es nicht mehr, er sei ein Relikt, es wäre an der Zeit aufzuhören. Schließlich erklärt er sich jedoch bereit, seiner letzten Premiere (im Autokino!!!) beizuwohnen.
Gleichzeitig dreht ein junger Mann aus gutem Vorstadthause plötzlich durch, knallt ohne Warnung seine Familie als gängiger Waffennarr nieder und macht dann auf Heckenschütze, bis ihn seine Flucht eben in das betreffende Autokino führt.
Selten lagen Parallelhandlungen so deutlich nebeneinander.
Karloff spielt den Altstar mit sichtlichem Vergnügen und gneistert sich mit ätzenden Kommentaren durch seine Rolle, während um ihn herum die Filmleute die Wände hochgehen, einfach köstlich. Er besäuft sich mit dem Autor, bis beide volltrunken in einem Bett landen (angezogen). Die Seitenhiebe auf das Filmbiz sind für einen Debutanten erstaunlich treffend gestaltet.
Gleichzeitig erscheint der reale Horror um so schrecklicher. Praktisch ohne Vorwarnung (er sagt nur einmal, er hätte so komische Ideen), knallt der angesehene junge Mann durch und eröffnet kommentarlos das Feuer, hier holt der reale Schrecken jeden filmischen ein, denn so ist es auch in unserer Wirklichkeit schon öfters geschehen.
Leider geht dem Film ausgerechnet dort, wo sich die Linien kreuzen müßten, die Luft aus, das große Zusammentreffen gestaltet sich außerordentlich zäh, nämlich das Attentat auf die Leute im Autokino. Hier stimmt weder Aufbau noch Schnitt, zwar sind die Ideen vorhanden, aber Tempo und Spannung laufen immer wieder ins Leere, es mangelt einfach an Druck, so daß man sich tatsächlich eine Verkürzung der Szenen wünscht, da auf die Untiefen des Amokläufers eh nicht mehr weiter eingegangen werden kann.
Die Auflösung des Konflikts ist natürlich ein kleines Juwel, aber auch hier wirkt der Film leider viel zu gedrängt, vermutlich weil sich Karloff zu dieser Zeit nur noch mit Mühe, per Stock, Sauerstoffzufuhr und Stützkorsett auf den Beinen halten konnte und die Szene schnell in den Kasten mußte.
Insgesamt ist „Targets“ jedoch ein Dokument für die ersten Bewegungen des New Hollywoods, welches im selben Jahr mit „Bonnie und Clyde“ seinen Anfang nahm und hat in der Performance Karloffs seine schönsten und besten Szenen, die der tatsächliche Altstar in seiner Arbeitswut in den letzten Jahren noch zustande bekam.
(7/10)