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"The world belongs to the young. Make way for them. Let them have it."

Kaum hat Byron Orlok (Boris Karloff) diese Worte gesprochen, wechselt die Perspektive & man sieht seinen Kopf im Fadenkreuz durch das Zielfernrohr eines Gewehres, der Finger am Abzug krümmt sich langsam &... klick. Bobby Thompson (Tim O'Kelly), einer der jungen Generation, grinst & sagt zum Verkäufer, dass er das Gewehr nimmt. Und dass er reichlich Munition dazu packen soll. Bobby hat zwar schon einige Waffen, aber davon kann man ja nie genug haben, oder?

Peter Bogdanovichs Debütwerk ist ein Film der Gegensätze, er thematisiert das Alte & das Neue, das Antiquierte & das Moderne, er zeigt, dass die Zeit der unschuldigen, harmlos-naiven Horror-Märchen vorbei ist, dass diese (schaurig-schönen) Filme gegen die nur allzu realen Monster in den Städten & auf den Straßen nicht ankommen, dass man sich vielleicht noch über sie amüsieren kann, dass sie aber niemandem mehr Angst einjagen. Orlok, der große Horrorfilmstar von Yesteryear, ist darob desillusioniert, er wirft hin, steigt aus dem Film-Business aus, nicht ahnend, dass er just bei seiner Abschiedsveranstaltung einem dieser neuen Monster gegenüberstehen wird.

Bogdanovichs Sympathien gehören dem "Alten", allen voran natürlich Orlok, grandios gespielt (sein Samara-Monolog!) von der 80jährigen Horrorfilmikone Boris Karloff. "Marx Brothers make you laugh. Garbo makes you weep. Orlok makes you scream." So war es einmal, denn ihrer aller Zeit ist (außerhalb der treuen Fanschar) passé. Orloks Szenen sind warm(herzig), die Szenen mit Bobby hingegen, dem netten, adretten, freundlichen & schwer gestörten "Good Boy", sind kalt(blütig). Wodurch genau er zum Mörder wird, lässt Bogdanovich offen. Sein Verhalten ist jedenfalls beängstigend, lange bevor er den letzten Schritt macht & seine Frau, die sich ihm nähert, um ihm einen Guten-Morgen-Kuss zu geben, erschießt, eine schockierende Szene, obwohl man als Zuschauer weiß, was kommen wird. Die Kälte dieses Mannes lässt einen frösteln.

Die Entstehungsgeschichte des Films ist legendär. Produzent Roger Corman gab Bogdanovich freie Hand, unter der Voraussetzung, dass er Boris Karloff, der ihm noch zwei Drehtage schuldete, eine Hauptrolle gab & dass er Szenen des Streifens The Terror (1963) in den Film integrierte. Nach intensivem Nachdenken hatte der Jungregisseur die zündete Idee, sein Freund Samuel Fuller überarbeitete das Drehbuch & Karloff war vom Enthusiasmus des Filmemachers so angesteckt, dass er für wenig Geld drei Drehtage dranhängte. Karloff, O'Kelly (der nicht besonders alt wurde) & Orloks Sekretärin Jenny (Nancy Hsueh, die leider noch weniger alt wurde) haben eine tolle Leinwandpräsenz & steuern allesamt Gänsehaut-Momente bei. Und trotz der schrecklichen Thematik & der generell wehmütigen Aura ist Targets nicht gänzlich ohne Humor. Der Moment, z. B., als sich Karloff vor dem eigenen Spiegelbild erschrickt, ist zum Niederknien.

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