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Harold & Maude ist einer der interessantesten und schönsten Liebesfilme aller Zeiten und gleichzeitig rabenschwarze Komödie. Seine Protagonisten sind zwei äußerst exzentrische Gestalten, zum einen Harold, etwa zwanzig Jahre alt, der seine Zeit hauptsächlich damit verbringt, seinen eigenen Selbstmord zu inszenieren oder auf fremde Beerdigungen zu gehen. Zum anderen die 79-Jährige Maude, selbsternannte Naturschützerin mit einigen ausgefallenen Ideen, die ebenfalls gerne Beerdigungen besucht. Harold sieht in ihr eine Seelenverwandte, ganz im Gegensatz zu den uninteressanten Frauen, die seine Mutter ihm über eine Partnervermittlung andrehen will und die er ebenfalls mit seinen Suiziden in die Flucht schlägt.
Für viel gute Laune sorgt auch Cat Stevens wunderbare Filmmusik, vor allem aber natürlich die über den ganzen Film verstreuten Selbsttötungsszenen, die von Erhängen über Verbrennen und Harakiri bis hin zum Sturz von der Klippe das ganze Spektrum abarbeiten.
Der Film macht es durch seine lockere Art möglich, nämlich die in den Augen der Gesellschaft kranke und undenkbare Liebe Harolds zu einer sechzig Jahre älteren Frau plausibel. Ruth Gordon versprüht in der Rolle der Maude sowieso eher den Charme einer 20-Jährigen, Bud Cort als Harold ist zugleich lakonisch und furchtbar sensibel. Ein weiteres Highlight ist Vivian Pickles als seine entnervte und snobbishe Mutter und eigentlich alle anderen Nebenfiguren: Harolds Dates, oberflächlich und nervenschwach. Bis auf die eine, die Harolds Begeisterung für das Dramatische auf fatale Weise teilt. Sein Onkel, trotz fehlendem rechten Arm begeisterter Kriegsveteran. Der Psychiater, der eigentlich selbst immer mehr an Harold verzweifelt. Und der Pastor. Großartig auch die Collage der Reaktionen letzterer drei auf den Heiratswunsch Harolds.
Ein herzerwärmender und witziger Film über eine skurrile Liebe und all die Grenzen und Zwänge, über die sie sich hinweg zu setzen vermag.

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