Duo-Vision - gar nicht so beschiss'n!
„Wicked Wicked“ aka „Bis die Gänsehaut erstarrt“ hat nichts mit grünen Hexen, Broadwaysensationen und unsympathischen Popstars zu tun, sondern hier handelt es sich um einen wenig bekannten Killerthriller im „geteiltem Bildschirmstil“ aka Duo-Vision - irgendwo zwischen Hitchcock, Bava und einem De Palma-Vorläufer. Die meiste Zeit mit genau in der Mitte geteilter Leinwand. „Multi-Looking“ erwünscht bis erforderlich. Über einen „Blondinenmörder“, der in einem weitläufigen Strandhotel sein Unwesen treibt und dessen messerscharfes Treiben wir wie gesagt meist gleich doppelt bzw. immer aus verschiedenen Blickwinkeln und mit optischen Kniffen beiwohnen…
Splitscreenspannungssause
Stilecht beim „42nd Street-Bahnhofskino-Weekender“ im Filmmuseum Düsseldorf gesehen, hat mich diese kleine visuelle Trickkiste positiv überrascht. Ich kann es nicht anders sagen. Nicht nur wegen Top Stimmung und passendem Ambiente dort. Augenzwinkernd, mit der Zeit mehr als nur sein Gimmick, irgendwo zwischen Dr. Phibes und den Schlitzern, die eigentlich erst so richtig in den fünfzehn Jahren darauf aufkommen sollten. Seiner Zeit also auch noch deutlich voraus, stilistisch eine lange Besonderheit, mit hübschen Frauen und schleimigen Machos, einer kranken Hintergrundgeschichte des Killers und einem morbiden Dachbodenfinale. So muss das! Da ist’s halb so schlimm, dass nicht jeder Witz sitzt und um die Identität des Mörders kaum ein Geheimnis gemacht wird. „Wicked Wicked“ wird mir im Gedächtnis bleiben. Wenn auch vielleicht nicht direkt doppelt, auf beiden Augen, schielend oder total schockierend. Aber unterhaltsam und speziell.
Das Phantom der doppelläufigen Oper
Fazit: schöne Entdeckung zwischen Slasher, technischer Spielerei und Killerkalauerkuriosum… nicht komplett ohne Längen, aber mit viel mehr Licht als Schatten, mehr Blondinen als Leichen au'm Dachboden, mehr markigen Sprüchen als Trash. Und zum Glück mehr Qualität als nur Gimmick!