Gerichte scheinen es dem Regisseur Gregory Hoblit (Das Tribunal) angetan zu haben. Basierend auf einem Buch von William Diehl legt er in Zwielicht verschmitzt die falsche Fährte auf einen dem aktuellen Zeitgeist von Sieben entsprechenden Ritualmord am Erzbischofs Chicagos, der mit über 70 Messerstichen niedergestreckt und mit einer eingerizten kryptischen Botschaft versehen wurde. Der blutverschmierte Ministrant Aaron Stampler (Edward Norton) wird sich rennend vom Tatort entfernend verhaftet. Alle außer seinem Verteidiger Martin Vail (Richard Gere) sind von seiner Schuld überzeugt.
Der extrovertierte und von Titelblättern lächelnde Staranwalt fragt gar nicht erst lange nach, ist aufgrund des schüchternen und harmlos - verstörten Eindruck Stamplers jedoch gleich dem Zuschauer schnell überzeugt, dieser Mann kann einfach nicht zu einem Mord fähig sein. So erwartet man eher ein biederes, auf das Duell mit der ehemaligen Staatsanwaltskollegin und Bettgefährtin Janet Venable (Laura Linney) konzentriertes Gerichtsspektakel, welches jedoch völlig unerwartet durch einen von Edward Norton phantastisch gespielten Paradigmenwechsel an Thrill gewinnt.
Kleine Spitzfindigkeiten und Timings in den Vordergrund stellend, ist Zwielicht zwar immer noch kein hektisch geschnittenes Kreuzverhörmassaker, kann aber abgesehen von fragwürdig dreisten Recherchemethoden der Kanzlei und wenigen unnötigen Nebensächlichkeiten spannend unterhalten. Hatte Norton den Film mit seiner grandiosen Performance aus einer eher abseitigen Position schon vereinnahmt, trumpft er in einem bemerkenswerten Wortgefecht mit Richard Gere zum erneut die Kinnlade gen Boden sinken lassenden Finale auf, welches Zwielicht trotz ein wenig Luft nach Oben zu einem Must See des Genres erhebt und mit Edward Nortons Leinwanddebüt einen überdurchschnittlichen Schauspieler in die Welt des Kinos einführt.