Review

Im Horror-Genre ist es üblich, dass - wie sonst auch üblich - kommerziell erfolgreiche Filme fortgesetzt werden. Wie anderswo auch haben die Fortsetzung dann meist immer weniger mit der Romanvorlage (sollte eine vorliegen) zu tun - hier eine Kurzgeschichte von Stephen King. Wie anderswo wird dann versucht, den offensichtlichen Mangel an Ideen mit Effekten oder ähnlichen Schauwerten auszugleichen. Doch die Parallelen zwischen x-beliebiger Hollywood-Blockbusterfortsetzung und den Sequels halbwegs erfolgreicher Small-Budget-Horrorfilme enden in einer Art von Pietät ersterer vor dem Zuschauer (oder aus moralischen Gründen) spätestens nach Teil 4, während letztere bis zum gefühlten 20. Teil immer wieder nach seeeehr ähnlichem Prinzip herunter gekurbelt werden.

Frühestens ab Teil 6, aber spätestens ab Teil 8 muss man sich etwas Neues einfallen lassen, was die drei bekanntesten Horror-Reihen, die ihre Blüte in den 80er Jahren hatten, beweisen. In Freddy's New Nightmare - Teil 7 von Nightmare on Elm Street - wird es selbstreferenziell, in Halloween: Resurrection - Teil 8 von Halloween - durch Anleihen an The Blair Witch Project irgendwie doof und in Friday the 13th Part VIII: Jason takes Manhattan geht es vom ruralen Meuchel-Schauplatz in die Großstadt. Letzteres Motiv wird nun auch beim dritten Teil der zornigen Maiskinder aufgegriffen, die es vom ländlichen Gatlin in den Großstadtdschungel von Chicago verschlägt.

Dort kommen die beiden Landeier und Stiefbrüder Eli (Daniel Cerny, der immer nur böse gucken, aber nicht schauspielern kann) und Joshua (Ron Melendez, sieht aus wie einer von den „Backstreet Boys") natürlich zunächst nicht zurecht, wobei letzterer bald ein paar Freunde findet, ersterer aber lieber weiter sein Gepredige von „Dem, der hinter den Reihen schreitet" faseln und bösen Mais anbauen darf. Die Hintergründe hier zu klären und noch mal auf Teil 1 einzugehen, den ich irgendwann mal gesehen habe und gar nicht soooo schlecht fand oder gar Paralellen zur Vorlage zu ziehen: das will ich hier nicht tun, weil es eh nicht interessiert. Den Zuschauer nicht und die Beteiligten, die dieses Machwerk verzapft haben auch nicht - aber egal. Denn worauf es ankommt, sind schließlich (ich erwähnte es eingangs schon) die Effekte, genauer: die Splatterszenen. Davon gibt's einige und mein persönliches Highlight ist das unfreiwillig komische Entfernen der Lendenwirbelsäule.

Bis zu diesem Zeitpunkt - wir reden von den ersten drei Vierteln von Children of the Corn III: Urban Harvest - fühlte ich mich weitgehend passabel unterhalten, auch wenn mir schon einige Untiefen in der Dramaturgie auffielen. Das selbstgefällige Terror-Balg darf schön garstig sein und Erwachsenen nach und nach den Gar ausmachen, sein pseudo-einfühlsamer Boygroup-Stiefbruder darf erste Erfahrungen mit dem anderen Geschlecht sammeln. Das alles ist ganz gefällig, gelegentlich langweilig und die etwas übertriebene, betont düstere Choral-Mucke erzeugt doch schon eine gewisse unheilvolle Atmosphäre. Richtig gut ist es aber bis dahin auch nicht wirklich.

Dann jedoch kommt das Finale und man fühlt sich als Zuschauer endgültig verarscht. Screaming Mad George ist nicht Tom Savini und das sieht man den Make-Up- und Special Effects leider an. Wo Savini mit seinen Arbeiten an Romeros Dawn of the Dead und Day of the Dead zum Kultstatus dieser Filme wesentlich beitrug, speist uns Screaming Mad George mit sichtbaren Miniaturen- und Puppeneffekte inklusive Tentakelviech unfassbar dilettantisch ab. Dass es während des Finales etliche Nahaufnahmen gibt, um uns nicht das ganze Ausmaß dieses Crap zu präsentieren, ist ebenso bezeichnend wie die kurzen Sequenzen, als man sieht, wie Maisranken Charlize Theron (die man in einer Handvoll Einstellungen in einer Minirolle bestaunen darf) Hentai-like fesseln und den Eindruck der Penetration erwecken. Füße hoch, das Niveau kommt!

Ja, hin und wieder hab ich gelacht und mich dann wieder gefragt, warum ich mir diesen Schmarrn eigentlich anschaue. Wegen Charlize Theron oder wegen der Thematik? Nix von beidem wahrscheinlich. Vielleicht war ich auch einfach nur darauf aus, mal wieder einen dritten Teil zu sehen, der kläglich versagt, wenn man nicht das geringste Faible für Trash mitbringt. Schade nur, dass bisher nach diesem alles in allem doch eher unterdurchschnittlichen Film noch weitere 4 Filme in der Children of the Corn-Reihe gefolgt sind (4/10).

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