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Über 60 Jahre ist es nun her, dass Frank Capra sich einer Verfilmung von Joseph Kesselrings Theaterstück „Arsenic and old lace“ annahm und seit genau diesen 60 Jahren steht Capras „Arsen und Spitzenhäubchen“ als Inbegriff der schwarzen Komödie in den Ranglisten von Filmkritikern ganz weit oben. Und auch ich komme, wenn ich meine Lieblingsfilme benennen soll, nicht an diesem alten Schinken mit Cary Grant vorbei.

Eigentlich hätte es der schönste Tag seines Lebens werden sollen, doch sein Hochzeitstag artet für Mortimer Brewster (Cary Grant) zu einem einzigen Schrecken aus, denn er kommt hinter das dunkle Geheimnis seiner beiden Tanten Abby (Josephine Hull) und Martha (Jean Adair). Die beiden liebenswerten alten Damen haben es sich zum Hobby gemacht, ältere Herren mit Hilfe von Arsen von ihrem leidvollen, einsamen Leben zu "erlösen". Die Leichen werden nach erfolgreicher Vergiftung von Mortimers Bruder Teddy (John Alexander), der sich für den Präsidenten Theodore Roosevelt hält, im Keller verscharrt. Denn dort hebt Teddy gerade den Panama-Kanal aus. Doch wäre das nicht schon genug, taucht urplötzlich Mortimers Bruder Jonathan (Raymond Massey), der gerade aus dem Gefängnis ausgebrochen ist, gemeinsam mit einem mysteriösen Zeitgenossen namens Dr. Einstein (Peter Lorre) auf und das Unheil nimmt seinen Lauf…

„Auf zwei Liter Holunderbeerwein nehme ich einen Teelöffel voll Arsen und einen halben Teelöffel voll Strychnin, und dann eine klitzekleine Prise Zyankali dazu...“
„Hmmm… das haut einen ganz schön hin…“


Ja, da hat der gute Mortimer Recht. “Arsen und Spitzenhäubchen“ haut einen wirklich ganz schön hin. Von der ersten Szene an haut ein Lacher nach dem anderen den geneigten Zuschauer schon fast aus dem Sessel. „Schuld“ daran ist in erster Linie der Grundstoff, auf dem diese giftige Komödie - Joseph Kesselrings Bühnenstück - basiert, die am Broadway sogar einen so großen Erfolg darstellte, dass sich Capra damit begnügte, seine Verfilmung erst drei Jahre nach Fertigstellung in die Kinos zu bringen. Von der ersten Minute an bietet der Film genügend vergnüglichen Stoff, um niemals langweilig zu werden, und das über eine beachtliche Lauflänge von 113 Minuten. Wo heutige Komödien bereits Probleme damit haben, überhaupt einmal 90 Minuten lang mit großartigem Humor zu unterhalten, scheint “Arsen und Spitzenhäubchen“ niemals in die Verlegenheit zu kommen, keine witzigen Einfälle mehr zu haben.

Dass Capra mit Grant die Idealbesetzung für den jederzeit nach Fassung ringenden Mortimer gelungen ist, kommt dem Film zusätzlich zugute. Neben den beiden alten Damen Josephine Hull und Jean Adair ist es vor allen Dingen Cary Grant, der die Sympathien seines Publikums uneingeschränkt für sich gewinnen kann. So souverän unbeholfen wie Cary Grant kann kein anderer Schauspieler agieren. Einfach unvergleichlich! Aber auch wenn Grant die zentrale Rolle dieses Stücks spielt, überzeugt “Arsen und Spitzenhäubchen“ durch seine Ausgewogenheit bei der Durchleuchtung der verschiedenen Charaktere, die hier auftreten. Selbst die eher „unwichtigen“ Nebenrollen von John Alexander (, der hier für regelrechte Lachkrämpfe sorgt,) und Peter Lorre erhalten genügend Leinwandpräsenz, um nachhaltig im Gedächtnis des Publikums zu bleiben. Generell kann das Urteil gefällt werden, dass selten ein Film durch eine so hochkarätige und zugleich ausgewogene Rollenbesetzung überzeugen konnte wie Capras “Arsenic and old lace“.

Hier haben wir es mit einem wahren Meisterwerk des schwarzen Humors zu tun! Eine temporeiche Komödie, basierend auf einer starken Story, mit unvergesslichen Darstellern und zeitlosen Gags. Anschauen, anschauen, anschauen! 10 Punkte und beide Daumen nach oben!

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