Review
von Leimbacher-Mario
Ein Urvater der schwarzen Komödie
Ein berühmter Buchautor und ewiger Bachelor heiratet an Halloween endlich seine blonde Liebe des Lebens. Doch kurz bevor die beiden attraktiven Turteltäubchen in ihre Flitterwochen zu den Niagarafällen aufbrechen können, stattet er seinen zwei Tanten und dem Haus, wo er aufgewachsen ist, noch einen Besuch ab. Und dabei entdeckt er eine Leiche in einer Kiste unter'm Fenster - was aber nur die Spitze des mörderischen Eisbergs und der Beginn eines Oktoberabends ist, der ihn und seine Leben dank charmant-buckeliger Verwandtschaft aus den Fugen heben könnte…
Zu gerne hätte ich „Arsenic and Old Lace“ seinen perfekten Reviewwertungsschnitt hier auf Ofdb belassen - und der schwarzhumorigen, mit Horrorversatzstücken garnierten Frank Capra-Komödie kann man definitiv die volle Punktzahl geben und das Prädikat Meisterwerk ausstellen. Grant war nie quirliger und lustiger (auch wenn er später seine Art und Rolle hier selbst gar nicht mehr mochte), die herbstliche Halloweenatmosphäre liegt quer über den Tisch, für seine Zeit ist das Thema unheimlich mutig und gewagt, erst recht für die prüderen Amis, fast skandalös. Und das Grundgerüst der Dialoge und turbulenten Entwicklungen basierend auf dem Erfolgstheaterstück ist schlicht erstklassig und nicht klein zu kriegen. Witzig. Leicht gruselig. Bizarr. Süß. Romantisch. Eigentlich hat „Arsen und die Spitzenhäubchen“ alles, was man sich in einer tollen filmischen Überraschungstorte wünschen kann. Ach, streicht das eigentlich. Denn auch wenn meine folgenden, minimal kritischen Punkte vielleicht die „perfekte Zehn“ verhindern - an der Klasse dieses Vorreiters in Sachen Genremix ändert das nullkommanix. Was mich lächerlich korinthenkackerähnlich eigentlich nur stört, sind im Grunde vier flüchtige Sachen. Einmal das natürlich eingeschränkte Setting durch seine Theaterwurzeln bzw. allgemein die recht simple Übernahme aller Qualitäten aus dem Stück. Dann noch dass Boris Karloff trotz Namedropping und gut angepasstem Witz fehlt. Und dass sich manche Szenen und Pointen leicht überschlagen und abnutzen mit der Zeit, ich eher durchgängig ein Schmunzeln auf den Lippen hatte als ein echtes Lachen. Aber auch das muss man natürlich erstmal schaffen. Ganz knapp an der Höchstnote vorbei. Und in jedem Fall eine volle Klassikerempfehlung!
Fazit: ein humorvoller und schwindelerregend schneller Halloweenklassiker mit dunklem Humor, gefeilten Dialogen, düsteren Doppeldeutigkeiten und dem gestresstesten Cary Grant aller Zeiten. Nonstop Nonchalance. Halsbrecherisch. Köstlich. Manchmal sich überschlagend vor Freude und seine Theaterwurzeln nie verleugnend. Selbst die meist viel trockeneren Briten konnten da nur staunen. Einfach spitzenklasse!