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ORGASMO NERO ist ein italienischer Schmuddelstreifen aus einer Zeit, in der es typisch war, Exploitationsfilme möglichst schnell und kostengünstig auf die Leinwand zu klatschen.
Joe D'Amato, der sicherlich kein Alfred Hitchcock war, bewies im vorliegenden Film allerdings, dass schöne Optik und sleazige Handlungsstränge sich nicht zwangsläufig ausschließen müssen. Zugegeben, der italienische Regisseur hat hier den Gewaltpegel deutlich in Richtung SOFT geschoben. Auch sind die gefühlten 100 000 Sexszenen in ORAGASMO NERO eher ästhetisch als schmierig in Szene gesetzt worden. Es nervt auch nur die Häufigkeit dieser expliziteren Erotik-Sequenzen ein wenig. Doch ansonsten kriegt ein Fan solcher Filme, alles geboten, was er sehen möchte. Selbst die Synthie-Mucke passt zum Gesamtkonzept.
So wie der italienische Giallo fest definierte Merkmale hat (schwarze Handschuhe, Suspense, detaillierte Morde, Frauen als Opfer eines mysteriösen Psycho-Killers) so hat auch der Italo-Exploitationsfilm feste Säulen (fast alle Charaktere sind nur an Sex interessiert, eine einprägsame und oft fast meditative Synthie-Musik, eine schöne Natur-Optik, reizend nackte Darstellerinnen und macho-like Darsteller, eine extrem schlichte Storyline mit Gaffer-Gewalt gepaart). Sind diese Fakten erfüllt, kann man von einem Exploiter reden - ob er jedem gefällt, steht auf einem anderen Blatt. Um es knapp zu sagen, Joe D'Amato inszenierte 1980 dieses Erotik-Drama innerhalb der Genre-Grenzen fast fehlerfrei. Nur den Gewaltpegel hat er für diese Art des Filmes zu sehr gedrosselt. Dies ist jedoch bei ORGASMO NERO positiv zu vermerken. Selbst die "hineingeschusterte" Blowjob-Szene aus einem anderen Film passt in D'Amatos Inszenierungsstruktur und zum Schmuddel-Exploiter von damals.
Wem kann man ORGASMO NERO empfehlen?
Hmm … schwierig! Für den Gore-Fan aus der Exploitationsfraktion passiert eindeutig zu wenig. Empfehlen kann ich ORGASMO NERO jedem, der kein Problem mit körperbehaarten Akteuren beiderlei Geschlechts hat, die sich minutenlang zu Elektromusik befummeln und in der traumhaften Naturkulisse der Dominikanischen Republik im Sand oder sonst wo wälzen.
Ach ja, KEINER … und das meine ich wirklich so.
KEINER sieht zufällig diese Art Film und weiß nicht, worauf er sich einlässt.
6 von 10 Schamhaaren!

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