Review

Gibt es Pornokinos, die Bad Taste - Mottoparties veranstalten? Ich frage nicht etwa für einen Freund, sondern eher aus eigenem masochistischen Interesse. In so einem Kontext stelle ich mir ein Screening von "Woodoo Baby - Sex und schwarze Magie" (wahlweise auch mit "Insel der Leidenschaft" untertitelt) recht lustig vor: als lustloser Rausschmeißer nach durchsündigter Nacht! Um zwei Uhr morgens können sich bei dem Film die letzten Nachtschwärmer lansang wieder anziehen, Hände und andere Gliedmaßen entspannen und die Saalpforte zur längst überfälligen Lüftung aufreißen, während der unterbezahlte Putztrupp seufzend zum Sekretwischen antritt.

Aus naheliegenden Gründen - Sex und Horror in einem Film - wollte ich Joe D'amatos Softcoregrusel damals sogar relativ dringend sehen, auch, weil ich mir weitaus mehr Gewalt und weitaus ecpliziteren Sex versprach (was mann als Pubertier halt so sehen will). Was sich selbst als vielversprechende Mixtur aus Intimakrobatik und roher Gewalt anpries entpuppte sich dann aber schließlich als paternalistisch-sexueller Rassenkrieg, in dem die Hauptwaffen verschämte Homoerotik und machistische Kolonialherrenromantik sind. Nichts, wobei man sich mit der Liebsten Anregung holt, es sei denn, man hat einen Fetisch für explizit völkerkundliche Rollenspiele. Wer den nicht hat darf zumindest verschämt grinsen über so viel Ungeist. 

Szenen einer Ehe alla Italia: Anthropologe Paul stürzt sich kopfüber in seine Arbeit (die Beobachtung einer karibischen Stammesgemeinschaft uhd ihrer Riten) während Gattin Helen sich die Zeit mit Partie, Alkohol und fremdgängerischem Sex vertreibt. Dass das Trophäenfräulein von den Vermehrungsplänen des Hausherren eher wenig hält lastet zusätzlich auf ihren gelangweilt Luxusschultern.

Abwechslung zieht sie aus dem regelmäßigen Nacktbad mit Inselbewohnerin Haini, die sich bald zur besten Freundin der genervten Helen entwickelt und ihr - nach fachgerechte Verstoßung aus dem Stamm - in die "Zivilisation" folgt, wo ihr das Ehepaar die Vorzüge von Kleidung, Bildung und europäischer Kultur näherbringen. Haini revanchiert sich dafür, in dem sie Helen in die heilige Kunst der lesbisch Liebe einführt (höhö) und die Beziehung der Eheleute erotisch von innen heraus zersetzt. Paul hält von der sexueller Selbstbefreiung seiner Gattin herzlich wenig und greift zu drastischen Mitteln, um den schiefen Haussegen wieder gerade zu rücken. Und endet als Ritualopfer im Magen seiner Liebsten. 

In Zeiten von Pride und Co. ist es doch immer wieder erstaunlich, wie prüde selbst der Erotikfilm das Thema Homosexualität anfasst. Hier muss sich Haini gar dafür entschuldigen, dass eine Freundin Helens ihr genüsslich beim Sonnenbaden das Gemöse gekrault hat und erklären, dass in ihrem Stamm Lesbeleien ganz normal sind. Und bevor Helen dann auch mal experimentieren darf ist sie noch alibimasig angeekelt von der Vorstellung, sich mal am gleichen Geschlecht zu versuchen. Und Gott bewahre, dass hier mal das L-Wort fällt! Na gut, Joe D'amato war ja auch kein Pionier der sexueller Revolution, mehr ein Kriegsgewinnler der neu erwachten publiken Lust. Die Erwartungshaltung eines zartfühlenden Lustdramas ist hier ähnlich wie des Papstes Penis: vollkommen nutzlos. 

Der Horroranteil ist im Übrigen auf das Minimum eines Mordes beschränkt, nebenbei darf man in Form kannibalistischer Totenvsrehrung noch etwas Frischherz mümmeln und die Blutschnute in die Kamera halten. Schockt nicht, erst recht nicht, wenn man andere D'amatos kennt. 

Die Sexszenen dagegen sind zwar wie zu erwarten weicher als Liberace beim Rundgang in der Playboy-Mansion, aber doch relativ schön gefilmt und übersteigen das Halbmastniveau des Nachfolgers "Porno Holocaust" deutlich. Wobei: ehrlicherweise hätte es von der hübschen Luzia Ramirez gerne auch etwas mehr sein dürfen. Gut, ich schalte dann mal für heute den Drecksaumodus ab uns belasse es bei der Feststellung, dass der Soundtrack Stelvio Ciprianis zwar keine Meisterleistung, aber dem Genre angemessen stimmig ist. Vor allem das Titelthema. Schade nur, dass der Film, den D'amato als Vorlage bastelte eher mediocher ausfällt. 

Wie gesagt kann man sich hier mit seiner liebsten nichts neues mehr abgucken, aber auf Watchparties, deren Teilnehmer sich zuvor über "Malabimba" und Co. königlich beömmelt haben, ist der Film mit Sicherheit nicht fehlplatziert. Und irgendwo gehört er ja auch einfach zum Italokino dazu. Zumindest das gefühlt omnipräsente, auf Fräulein Ramirez Intimhecke zentrierte deutsche Filmplakat und der bescheidene Ruf des Streifens sind fester Bestandteil dieser Subkultur.

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