Review

„Wieso hast du mir das angetan…?“

Na schön, von einem Bekannten hab ich’s nicht erfahren, sondern noch mal alte Gedächtnislücken aufgefrischt, indem ich mir „Richy Guitar“ noch einmal eingepfiffen haben, den Film, der immer als erster Ärzte-Film gehandelt wird, dies aber gar nicht so richtig ist, sondern die drei nur in ihren relativen Urzeiten kurz vor dem Durchbruch mal als (Beinahe-)Schauspieler zeigt.

Jan Fedder aka Farin Urlaub übernimmt in Michael Lauxs Musikerdrama die Titelrolle als Richard Schrader, der so gerne eine erfolgreich Band gründen würde, aber an Geldsorgen, Bandkollegen, musikalischer Entwicklung, Material und der Öffentlichkeit scheitert.
Oder eben nicht.

Wie jetzt?
Naja, die Story vom steinigen Aufstieg eines musikbegeisterten Jungmannes ist zwar schon tausendmal erzählt worden, aber selten so fahrig, wirr, inkoheränt und ohne eine einzige logische Form der Steigerung oder des Spannungsaufbaus.
Nie weiß man, ob man sich in einem schlechten Amateurfilm oder einer Art Satire befindet, die ständig leer läuft. Dramatische und komische Abschnitte stehen total neben sich und gleichzeitig nebeneinander, manche erzählerische Stränge (wie der mit der Freundin) laufen einfach aus und werden irgendwann mal halbherzig wieder aufgenommen, der Film hat keine Höhepunkte und keine richtige Musik, obwohl man einen Auftritt von Nena mitgefilmt hat und die Kleine auch mal zwei Sätze sagen darf.

Meistens herrscht Lethargie vor oder das Geschehen wirkt komplett improvisiert, die meistens Darsteller sprechen unmotiviert (oder talentlos), wohingegen Profis wie Ingrid von Bergen total hervor stechen. Auch entwickeln sich weder Plot noch Figuren. Die Band organisiert sich zwar Instrumente und Material und bastelt sich einen Auftritt, der dann aber doch abgesagt wird und in einer Art bizarren Fete im Wald endet, die vermutlich das Team sowieso zum Abschluß der Dreharbeiten geschmissen hat.

Das Einzige, was man Michael Laux zugute halten kann, ist, dass er das Lokalkolorit West-Berlins der frühen 80er, irgendwo zwischen Punk und NDW, zwischen Popper- und Yuppietum halbwegs ordentlich eingefangen hat. Ansonsten hatte aber jede Moskito-Folge mehr Identität als dieses Kunstprodukt.

Man sollte also auch keine großen Ärzte-Songs erwarten, hier und da wird mal einer angespielt, im Abspann läuft „Teenagerliebe“, sonst ist nichts.
Die größte Enttäuschung ist dann (für alle, die die frechen Ärzte heute kennen) sicherlich auch Jan Fedder, der zwar optisch hinreichend „true“ daherkommt, aber damals schlicht und ergreifend mit Schauspielerei überfordert war. Wohl depressiv gefärbt soll seine Figur rüberkommen, aber es gerät alles monoton, mit den Dialogen strampelt er sich ab. Nur in einigen albernen Sequenzen kommt das Talent zum Tragen. Urlaub hat sich später für seine Leistung entschuldigt, das macht den Film natürlich nicht wirklich erträglicher. They were in it for the money.
Permanent neben der Spur auch Schlagzeuger Bela B. Felsenheimer, dem man immerhin ansieht, dass er diese ganze Gurkerei einfach nicht ernst nehmen will und für die meisten lichten Momente sorgt. Ein paar Szenen mehr und ein Hauch mehr Pfiffigkeit im Drehbuch hätten dem Film gut getan.
Das Trio wird durch Original-Bassist „Sahnie“ aka Hans Runge komplettiert, der jedoch ein erwiesenes Arschloch spielen muß – die Konfrontationen im Film erwiesen sich als prophetisch für die Realität der Band, ein gutes Jahr später musste Sahnie gehen, bzw. ging freiwillig.

Einige wenige One-Liner können natürlich genossen werden, aber die scheinen auch kaum beabsichtigt gewesen sein. Trashfans können das Ergebnis natürlich trotzdem genießen und für wahre Ärzte-Fans wohl kaum diskutabel, man besitzt den Film einfach.
Aber so richtig konnte es das nicht gewesen sein – und das war es dann auch nicht.
Die Ärzte wurden Stars, aus Bela wurde sogar ein guter Schauspieler und von „Richy Guitar“ bleiben nur zwei gute Dinge zu berichten: er versucht nie verzweifelt eine Musikkomödie zu sein und Michael Laux hat nie wieder bei einem Film Regie geführt.

Und ick hol mia jetz ne Currywurst… (2/10)

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