Review

Die Ärzte,
ist und war eine Band, die Anfang der 80er ähnlich wie viele andere Punkbands wie Toxoplasma, Slime, Razzia etc. eine ganze Szene gründeten, voranbrachten und prägten. Doch einzig und allein die Ärzte zeichnete etwas eigenes aus. Sie distanzierten sich schon von Anfang an von dem strikt radikalen, rohen Deutschpunk, der sich auf Parolengedresche und destruktiver Wut reduzierte. Das dieses Konzept, das Konzept einer Band, die sich irgendwo zwischen Punk, Pop und Funtexten ansiedelte, bald mehr Beachtung bekam als bloss eine szeneinterne Grösse zu sein, wurde schnell klar, als nach dem Erscheinen in der BRAVO, der Ausverkauf angepriesen war. Die Ärzte waren in der Punkszene als Verräter verrufen, nicht zuletzt sorgt dieser Filmbeitrag von 1985 noch mehr dazu. Was aus den Ärzten geworden ist, weiss so ziemlich jeder. Nahezu jeder kennt sie, sie füllen Stadien und laufen mit ihren massentauglichen, leicht infantilen Songs im Radio rauf und runter. Nichtdestotrotz gilt dieses deutsche Werk als Pflichtstoff, sei man nun ein Vertreter der ernsteren und politischen Punkszene oder einfach bloss Fan der "besten Band der Welt".

Richy Guitar ist ein Film, den man stellenweise als Rückblick auf die Gründerzeit der Ärzte beschreiben könnte, da er mit Sicherheit irgendwo Parallelen aufweist. Richy, ein junger Anfang 20 jähriger musikinteressierter Junge, wohnt zuhause, hat allerlei Probleme mit der authoritären Art seiner Eltern und soll sich schleunigst einen Job suchen.Außerdem besteht sein grösster Traum darin, eine Band zu gründen und erfolgreich zu werden. Doch ihm offenbaren sich schwerwiegende Probleme, überhaupt Mitglieder zu finden, die engagiert und ehrgeizig der Sache nachgehen und überhaupt fehlt das nötige Geld für ordentliches Equipment. So sucht sich Richy einen körperlich belastenden Job als Zementsackschlepper, von dem er sich bald eine eigene Mietswohnung, die eigentlich ein besetztes Haus ist, leisten kann. Nebenbei lernt er ein Mädchen kennen, besorgt sich auf unorthodoxeweise, das Equipment, verliert seinen Job und auch bald seine Freundin.

Richy Guitar beschreibt ein Leben, von einem kleinrebellischen Jugendlichen (Farin Urlaub), der einfach bloss Träume hat und ein selbstverwaltendes Leben führen will, fernab von Anstand und erdrückender Authorität. Klar ist, der Film ist zeitdokumentatischer Film, aus heutiger Sicht, einfach Kult, wenn auch die darstellerischen Fähigkeiten milde ausgedrückt auf einem Niveau liegen, dass es fast schon ermüdend wird. Richy Guitar, legt sofort mit der Story los, ohne wirklich einen Anfang, Mittelteil und Ende zu besitzen. Die Spannungskurve ist indes wenig vorhanden, Szene an Szene wird hier mit trägem Erzählfluss ausgeführt, ohne wirkliches zu wissen, was man mit diesem Film bezwecken will. Klar, einige Szenen haben gewissen Charakter, zeugen von Symphatie gegenüber Farin und Bela und sorgen vereinzelt für gewisses Schmunzeln, wenn man irgendwie krampfhaft versucht eine amüsante Musikkömodie aufzubauen. Hervorzuheben ist hier aber deutlich, auch wenn alles nicht wirklich überzeugend klingt, dass der Film Spass macht, unterhält und irgendwo extrem symphatisch rüberkommt.

Fazit:
Ein extrem zäher, aber charmanter Zeitdokumentarischer Film, der viel Spass macht obwohl er nie irgendwo einen roten Faden besitzt. Ärztefans haben diesen Film eh schon im Schrank stehen, allein die Tatsache, das man hier zwei Charaktere sieht, die Mitglieder einer Band sind, die jeder irgendwie und wann mal toll fand, macht die Sache interessant.

7/10

Details
Ähnliche Filme