Review

Amerika ist böse und großen internationalen Konzernen ist Geld wichtiger als Moral.

So kann man den leider ziemlich misslungenen „Syriana“ zusammenfassen. Linke Gernegroßdenker werden den Film lieben, den er greift so ziemlich alle Klischees auf, die sie sich am heimischen Küchentisch zurechtreimen: Es gibt skrupellose Konzernchefs, böse Geheimdienstler, saudumme aber ausgebeutete Moslems und arabische Scheichs, die so reich sind, dass sie schon lange den Überblick verloren haben.

Am meisten dürfte die Gernegroßdenker aber die deutliche anti-amerikanische Haltung freuen. Genau da setzt aber die inhaltliche Kritik an, denn Konzerne sind überall auf der Welt in erster Linie an Profit interessiert – das einzige was sie bremst sind Gesetze (das gilt sowohl in Amerika, als auch in China, der Schweiz, usw.).

Und wer glaubt, das die Amis an den Problemen im Nahen Osten eine Hauptschuld tragen, verkennt die vielen hausgemachten Konflikte der Region. Tatsächlich hauen sich die Menschen dort seit 6000 Jahre die Köpfe ein, obwohl Amerika erst vor 500 Jahren entdeckt wurde.

Aber solche Ungenauigkeiten treffen nicht den Kern der Kritik. Denn am schlimmsten ist, dass Syriana ein total ungenießbarer Film geworden ist. Visuell stören die sinnlos verwackelten Bilder und inhaltlich wurden viel zu viele Handlungsstränge eingebunden. Viel mehr, als der Film ernsthaft erklären kann.
Dann ärgert man sich auch noch über die schlechten Darsteller. Bis auf Matt Damon und Clooney sind sie so farblos, dass sie keinen Wiedererkennungswert besitzen und man ständig Gefahr läuft, sie zu verwechseln.

Und verwechseln oder durcheinander bringen kann man bei Syriana eine ganze Menge, weil das Werk inhaltlich vollkommen unnötig aufgebläht ist – nicht nur die Konzerne und die Wichtigkeit der Energiepolitik sollen Thema sein, sondern auch die Arbeitsweise des Kartellamts (hui, wie spannend). Aber irgendwie hat man ohnehin den Eindruck, dass die vielen überflüssigen Teilaspekte nur die Funktion von Rauchbomben haben. Der Zuschauer wird regelrecht bombardiert mit Informationen, die den Film stichhaltig wirken lassen sollen. Damit der Zuschauer schließlich der Hauptvermutung zustimmt, die besagt, dass es Staatsterrorismus gibt – eine in dem Umfang wirklich ungeheuerliche Unterstellung.

Aber sei es drum wer all diese Kröten bereitwillig schluckt, bekommt schließlich noch als letzte Hürde Sprachschwierigkeiten mit auf den Weg: Denn viele Akteure sprechen konsequent nur Arabisch oder Urdu (Pakistanis). Um sie zu verstehen, muss man die Untertitel lesen – und man fragt sich, was mit dieser Distanz bezweckt werden soll.

Zwei Geschichten fallen allerdings aus dem Brei heraus. In positiver Hinsicht ist das die Familiengeschichte von Matt Damon, der als Finanzberater mit den Scheichs Geschäfte macht und dem es als einzigem gelingt einem Aspekt (Finanzen für die Scheichs) im Film ein menschliches Gesicht (Motiv) zu geben.

In negativer Hinsicht ist das ein sehr bärtiger Geheimagent George Clooney, dessen Einsatz oscarprämiert wurde, obwohl seine Figur echte B-Movie-Qualitäten besitzt: Ohne Sinn und Verstand rennt er im Nahen Osten von Staat zu Staat, ist plötzlich wieder in den Staaten und dann wieder zurück. Blickt dabei ausschließlich grimmig in die Kamera und ist vorrangig überall da, wo es knallt (in inhaltlicher Hinsicht ist er also auch plötzlich neben dem Sack Reis, der gerade in China umfällt ...) – eine wichtige Rolle oder eine persönliche Beziehung spielt er aber nicht (die Szene mit seinem Sohn im Café ist so ziemlich das Albernste, was man sich unter einem Vater-Sohn-Gespräch vorstellen kann).
Im Prinzip hat man bei Clooney den Eindruck, dass er bei jeder bildstarken Einstellung mit dabei sein wollte und als er dann da war, hat er vergessen warum – getreu dem olympischen Motto: Dabeisein ist alles.

Ein zusätzliches Ärgernis von Syriana ist die bereits erwähnte Kameraführung. Ständig wackelt eine billige, grobkörnige Actionkamera herum. Angesichts der teuren Ausstattung und Schauspielstars eine ziemlich verlogene Idee. Aber wahrscheinlich soll das dem Ganzen einen pseudodokumentarischen Touch geben ... wer’s glaubt.

Gut ist an dem Film lediglich, dass er einige Aussagen über die Zukunft Saudi-Arabiens macht, aber das kann man anderswo genauer nachlesen, dann erfährt man auch, wer dem Land beim Aufstieg geholfen hat und warum ausgerechnet die Briten heute dort keine Rolle spielen – aber egal. Insgesamt ist bei Syriana viel zu viel für einen Kinofilm miteinander verwoben. Da werden Kasachstan, Libyen, Saudi-Arabien, der Iran, der Irak und die USA in einen Topf geworfen– das sind einfach ein paar Zutaten zu viel.
Aber selbst wenn man sich die Mühe macht und die einzelnen Handlungsstränge entflechtet, kann man nicht akzeptieren, wie platt hier einem Land Staatsterrorismus vorgeworfen wird.
Bei allem Verständnis für linke Gernegroßdenker – letzten Endes ist das doch ein bisschen sehr weit hergeholt. Syriana macht jedenfalls weder Spaß noch Sinn und schön anzusehen ist der Film auch nicht. Kurz zusammengefasst: Man muss dieses verkopfte bösartige Werk wirklich nicht gesehen haben.

Aber über eines sollten die Amerika-Kritiker dennoch nachdenken: Denn auch wenn es platt klingen mag, ist Syriana tatsächlich der beste Beweis dafür, dass die USA ein wirklich liberales Land sind.
Statt Gefängnis gab es sogar einen Oscar für das Werk - das wäre in 95 Prozent aller anderen Länder anders ausgegangen. Also entgegen aller Zensur und Unterdrückungsgerüchten beweist Syriana, dass es echte künstlerische und polititische Meinungsfreiheit in den USA gibt.
Insofern ist der Film (bzw. die Tatsache, dass er erscheinen durfte) doch für etwas gut.

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