Selbst 1964 konnte Altmeister John Frankenheimer sich als einer der ersten Actionregisseure zeigen, wie „Der Zug“ beweist.
2. August 1944: Die Alliierten stoßen in Frankreich vor und nähern sich Paris. Dort lagern noch wertvolle Bilder, die für den deutschen Oberst von Waldheim (Paul Scofield) das Wertvollste auf der Welt sind. Deshalb will er sie auch nach Deutschland schaffen lassen, was die Museumskuratorin jedoch entsetzt, da ihr ebensoviel an den Werken liegt. Damit zeigt „Der Zug“ dann kurz das Objekt der Begierde, um welches sich der Rest der Films dreht.
Von Waldheim setzt den Transport der Bilder trotz großer Schwierigkeiten durch, doch die Kuratorin wendet sich an den französischen Widerstandskämpfer Paul Labiche (Burt Lancaster), der offiziell als Stationsvorsteher arbeitet. Labiche ist von dieser Aufgabe jedoch alles andere als begeistert, denn schließlich Labiche ja ein harter Hund, wie man ihn in Hollywood immer gerne sieht und so jemand braucht ein höheres Ziel als Kunst zu retten.
Doch weil Labiche so pflichtbewusst wie die meisten Helden Hollywoods ist, beschließt er den Transport trotzdem zu stoppen. Zusammen mit anderen Widerstandskämpfern ersinnt er komplexe Pläne, doch er hat nicht damit gerechnet, wie verbissen von Waldheim die Gemälde behalten will…
Einen Actionoverkill darf man bei „Der Zug“ sicher nicht erwarten, aber wenn es dann mal rundgeht, dann zeigt sich, dass Frankenheimer sein Handwerk versteht. Klettereien auf dem Zug, Bombardements mit viel Pyrotechnik oder sogar Zugcrashs – all das sieht ziemlich spektakulär für einen Schwarzweißfilm von 1964 aus. Geballert wird nur etwas, denn „Der Zug“ versucht seine Helden als nicht übermenschlich darzustellen und da wäre es unpassend, würde Lancaster im Alleingang ganze Nazihorden niederballern.
So zeigt die Geschichte auch realistisch wie Widerstandskämpfer und Oberst einander immer wieder austricksen wollen und immer wieder neue Finten erfinden, um den anderen an seinem Ziel zu hindern. Durch dieses Hin und Her bleibt „Der Zug“ über die ganze Länge spannend, da auch nicht abzusehen ist, wer wohl bei diesem Tauziehen am längeren Hebel sitzt. Zudem kennt „Der Zug“ auch keine Schonung für seine Charaktere, weshalb auch Sympathieträger nie vor Versagen oder Tod sicher sind. Zudem erreicht „Der Zug“ auch dadurch eine gewisse Tiefe, dass öfter die Frage thematisiert wird, ob die Gemälde den ganzen Aufwand und das Opfer von Menschenleben wirklich wert sind, wobei der Schluss unter diesem Gesichtspunkt sehr zynisch daherkommt.
Schwächen hat Frankenheimers Kriegsfilm jedoch auch. Zum einen braucht „Der Zug“ etwas, um richtig Fahrt zu kommen, denn die Einführung hätte man kürzer gestalten können. Zum anderen ist der Film extrem klischeehaft, auch wenn mal die französischen Widerstandskämpfer und nicht die Amis die Helden sind. Doch die Deutschen werden meist ohne menschliche Züge und total grausam dargestellt: Bei nahezu jeder Gelegenheit exekutieren sie irgendwen, egal ob nötig oder nicht, der Oberst opfert kalt Menschenleben usw. Da hilft es wenig, dass ein paar seiner Untergebenen gegen Ende etwas gesunder Menschenverstand zugesprochen wird.
Burt Lancaster ist der harte, entschlossene Held und spielt diese Rolle auch recht überzeugend. Allerdings ist er wie alle Darsteller noch etwas einseitig und zeigt, dass man die Schauspielkünste von damals nicht mit dem komplexen Mimenspiel heutiger Topdarsteller gleichsetzen kann. Gleiches gilt auch für den Rest der ordentlichen, aber nicht überragenden Darstellerriege.
Unterm Strich bleibt ein spannender Kriegsfilm mit wenigen, aber überraschend aufwendigen Actionszenen. Trotz arger Klischees und einer etwas lahmen Einführung gute Unterhaltung.