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Die 422. Quidditch-Weltmeisterschaft ist der visuelle Paukenschlag, mit dem uns „Vier Hochzeiten und ein Todesfall“-Regisseur Mike Newell in die Verfilmung von J.K. Rowlings viertem Roman „Harry Potter und der Feuerkelch“ einführt. Und dieser optische Leckerbissen lässt den Zuschauer bereits in den ersten Minuten voll Vorfreude darauf hoffen, dass das, was wir hier zu sehen bekommen, der – zumindest visuell – gelungenste „Potter“ ist. Und es sei vorweg genommen: Der Zuschauer wird in seiner Erwartungshaltung nicht enttäuscht.

Für die drei Freunde Harry (Daniel Radcliffe), Hermine (Emma Watson) und Ron (Rupert Grint) hat das vierte Jahr auf Hogwarts begonnen. Und dieses Schuljahr steht unter dem Zeichen eines ganz besonderen Ereignisses: Hogwarts ist Ausrichter des „Trimagischen Turniers“, in dem „Champions“ der drei größten Zauberschulen in gefährlichen Aufgaben gegeneinander antreten. Auch Harry wird vom Feuerkelch auserwählt, an diesem Turnier auf Leben und Tod mitzukämpfen. Doch nicht nur dieser Kampf rückt in den Mittelpunkt des Lebens der drei Zauberschüler. So langsam aber sicher entwickelt man Interesse für das andere Geschlecht… Und wäre das alles noch nicht genug, so steht die Rückkehr von Harrys Erzfeind Lord Voldemort (Ralph Fiennes) kurz bevor.

Wo fangen wir denn da am besten an? Wie bereits erwähnt, stellt die (meiner Meinung nach leider etwas zu kurz geratene) Darstellung der „Quidditch-Weltmeisterschaft“ ein gelungenes Horsd’oeuvre dar. Die optische Komponente des Films verliert mit zunehmendem Verlauf der Geschichte keineswegs an Qualität, sondern hält sich auch während der Aufgaben des „Trimagischen Turniers“ und in den Voldemort-Szenen auf gleich bleibendem Niveau. Sei es nun Harrys Kampf gegen den Drachen, die Bewältigung seiner Aufgabe unter Wasser (mit zeitweise wirklich erstklassigen Unterwasserbildern) oder das erste Aufeinandertreffen mit Voldemort: zu keinem Zeitpunkt verliert Newell das aus den Augen, was bei einem solchen Fantasy-Film am wichtigsten erscheint (und wohl auch ist): Stelle selbst die unrealistischsten Szenen so realistisch wie möglich dar! Ja, das ist ihm (zumindest beim Großteil der Effekte) hervorragend gelungen.

Ist der neue Potter der bisher düsterste Film der Reihe? Diese oft gestellte und im Vorfeld oft mit „Ja“ beantwortete Frage kann ich ganz eindeutig mit „Jein“ beantworten! Zwar legt Mike Newell großen Wert darauf, auf fröhlich-bunte Szenen, wie sie in den ersten beiden Teilen „Harry Potter und der Stein der Weisen“ und „Harry Potter und die Kammer des Schreckens“ noch ab und an Verwendung fanden, nahezu vollkommen zu verzichten, ja diese auf ein Minimalmaß zu reduzieren und dahingegen eher Wert auf dunkel gehaltene Szenenbilder und düstere Effekte zu legen; aber dass dieser Film düsterer ist als „Harry Potter und der Gefangene von Askaban“ bezweifle ich. Sicherlich gibt es etliche Szenen, die atmosphärisch eine vollkommen neue Komponente in das Potter-Universum bringen (wie zum Beispiel sämtliche Auftritte des dunklen Lords); der Aspekt, der den Film im Gesamten nicht so düster erscheinen lässt, wie es die Trailer in den Monaten vor der Premiere vermuten ließen, liegt in der Story und Newells gelungener Umsetzung ebendieser begraben.

Der Plot begeht irgendwie eine – im Vergleich zu den ersten drei Potter-Filmen – recht ungewöhnliche schlangenlinienförmige Wanderung zwischen Teenie-Komödie und düsterem Fantasy-Thriller, die zu Beginn etwas befremdlich wirkt, an die man sich jedoch recht schnell gewöhnt hat. Ja, irgendwie fängt man an, das zu mögen, was da als Drehbuch aus Rowlings „Potter IV“ herausgekitzelt wurde. Da krümmt sich der Zuschauer im einen Moment noch vor Lachen im Kinosessel ob der aberwitzigen Episoden aus dem Erwachsenwerden der drei Hauptdarsteller, um sich im nächsten Moment in der Sessellehne festzukrallen und mit dem 14jährigen Zauberschüler Harry Potter mitzufiebern, wenn er gegen die dunklen Mächte kämpft. Bei dieser Mixtur aus Comedy, Fantasy und Thriller ist es kein Wunder, dass in den 157 Minuten wirklich keine Minute Langeweile aufkommt; eine solche Spannungsdichte wie Teil 4 konnten die ersten drei Verfilmungen wahrlich nicht für sich verbuchen. Und dabei sollte man niemals aus den Augen verlieren, dass die literarische Vorlage noch so einiges mehr auf Lager hatte, was in diesem Film ebenfalls eine Daseinsberechtigung gehabt hätte und somit den Film locker über die 200-Minuten-Grenze hätte katapultieren können. Da ist – zumindest der hier rezensierende – Zuschauer froh, dass doch die eine oder andere Szene den Weg aus dem Schneideraum heraus in die Kinosäle nicht geschafft hat (ja, da können mich die Hardcore-Potter-Fans ruhig lynchen). Die Einführung neuer Charaktere – bisher in jedem Potter erfolgt – birgt letztlich auch hier wieder einen ganz besonderen Publikumsliebling: Mad Eye Moody. Der neue Professor für die „Abwehr der dunklen Mächte“ ist auf seine verschrobene, grobe Art so sympathisch wie schon lange kein Zauberlehrer in dieser Reihe zuvor.

„Harry Potter und der Feuerkelch“ ist – nachdem Chris Columbus in den ersten beiden Teilen und Alfonso Cuarón in Teil 3 bereits auf Grundlage der Vorlage von Joanne K. Rowling ein einzigartiges magisches Universum geschaffen haben – ein gelungenes Debüt von Mike Newell in dieser Reihe, das darauf hoffen lässt, dass ihm die Chance gegeben wird, bei einem weiteren Teil der Potter-Filme federführend zu sein. Mir hat der „Feuerkelch“ jedenfalls sehr viel Spaß bereitet und stachelt die Vorfreude auf einen fünften Teil bereits jetzt an… doch bis dahin heißt es warten, warten, warten… 9 von 10 Punkten!

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