Review

Das Harry Potter – Filmabenteuer geht nun in Runde vier und langsam wird’s finster in Hogwarts. Nicht, dass es in den vorangegangenen drei Filmen an düsteren Bildern gefehlt hätte, doch „Harry Potter und der Feuerkelch“ ist der erste Roman der Reihe, in dem uns Mrs. Rowling einen kräftigen Schlag in die Magengrube versetzt (es sollte nicht der letzte sein).

Was die filmische Umsetzung angeht, so kann vermeldet werden, dass man auf dem gewohnten, sehr hohen Niveau gearbeitet hat. Manch einer mag beim Namen Mike Newell, dessen größter Erfolg bislang „Vier Hochzeiten und ein Todesfall“ war (was nun überhaupt nicht im fantastischen Bereich lag) skeptisch gewesen sein. Doch alle Zweifel erwiesen sich als unbegründet.

Ich denke „Harry Potter und der Feuerkelch“ ist der bislang beste Harry Potter – Streifen. Entgegen mancher Behauptungen, die in den Medien herumschwirren kann man hier auch als Buch – Purist überaus zufrieden sein. Drehbuchautor Steve Kloves hat wieder mal wunderbare Arbeit geleistet und die Handlung des dickleibigen Romans geschickt in einen zweieinhalb Stunden langen Film verpackt.

Natürlich musste hier einiges gestrafft werden. Die wesentlichsten Kürzungen sind wohl das Weglassen der Dursleys, das der Elfen Dobby und Winky (inklusive der damit verbundenen Gründung von Hermines Elfen – Hilfsorganisation) und der Bruch mit dem Zaubereiminister Cornelius Fudge (der nur zart angedeutet wird). Doch von den vielen Lieblingsstellen, die der Potter – Leser stets hat, haben es die meisten auch auf die Leinwand geschafft. Und vor allem konnte auch der typisch Rowlingsche Handlungsaufbau (zunächst episodenhaft scheinend, jedoch letztlich absolut schlüssig) herüber transportiert werden (das mag auch daran liegen, dass man bei der Fülle des Stoffes sowieso nicht alle wichtigen Details im Gedächtnis behalten konnte). In manchen Szenen gelingt es wirklich fabelhaft Rowlings Beschreibungen in Bilder umzusetzen, wie etwa als Harrys Unmut und Widerwille als sein Name aus dem Feuerkelch gezogen wird.
Die oft gescholtene Hektik des Films ist hier im Übrigen auch nicht mehr oder weniger störend spürbar als im Vorgänger (obwohl man zugeben muss, dass dieser die Jahreszeiten etwas geschickter betonte).

Die eher düster geartete Geschichte, die zum Schluss mit Tod, Trauer und Schmerz aufwartet, wurde von Regisseur Newell mit den entsprechenden Bildern versehen bzw. der ganze Film mit einem leichten Blaustrich unterlegt. In der Beziehung schwächelt er gegenüber seinem Vorgänger Alfonso Cuaron ein wenig, der zwar auch mit Farbmanipulationen arbeitete, jedoch insgesamt eine deutlich ausgefeiltere Bildsprache entwickelt hatte.
Dafür besticht Newell durch eine glänzende Schauspielführung. Die drei jungen Hauptdarsteller kommen hier facettenreicher als jemals zuvor daher und auch in den zahlreichen Massenszenen ist jedes junge und alte Gesicht zu Hundert Prozent überzeugend.

Doch obwohl dieser Film die bislang dunkelste Story beinhaltet ist es gleichzeitig der bislang witzigste Potter – Film. Das liegt daran, dass die Geschichte insgesamt noch etwas reifer ist und die in Teil 3 bereits langsam aufkeimenden Pubertäts – bedingten Auseinandersetzungen hier noch viel zahlreicher sind. Rupert Grint alias Ron ist natürlich wieder für einige Lacher gut und das Benehmen der Jungs, vor allem wenn es z. B. um die Frage des Tanzens oder der Tanzpartnerin geht, ist für die heran- bzw. erwachsenen Zuschauer sicher besonders erheiternd.
So ist dann auch der mittig gelagerte Weihnachtsball, trotz (oder gerade aufgrund) des eher geringen Effekte - Anteils einer der Höhepunkte des Films. Es ist die bislang größte Charakterszene der Reihe, sehr emotionsgeladen (Unsicherheit, Schwärmerei, Eifersucht, Frust, was man will) mit deutlichem Profilzuwachs für die drei Hauptfiguren. Und darüber hinaus gibt’s noch Emma Watson im Ballkleid zu sehen (außerdem haben wir uns nicht alle schon mal gefragt ob Zauberer Pop – Musik hören).

Doch auch die zahlreichen optischen Schauwerte sind wieder von allererster Klasse. Hier wurde geklotzt und nicht gekleckert. Das absolute Action – Highlight ist diesmal der Kampf Harrys mit dem Drachen, der, ähnlich wie das Quidditsch – Spiel im zweiten Teil, für den Film noch etwas ausgeschmückt wurde um ihn spektakulärer zu gestalten. Absolut packend inszeniert, geschnitten und mit hervorragenden visuellen Effekten. Ähnliches gilt auch für die beiden anderen trimagischen Wettkämpfe, der Unterwasserbefreiung (hier sind nur vielleicht die Bewegungen der Seemenschen etwas zu hektisch) und dem Zauberlabyrinth. Beim Durchschreiten vom Letzteren beweist Mike Newell dann sogar echte Thriller – Qualitäten. Dank geschickter Kamerafahrten scheint Harrys Angstschweiß von der Leinwand auf den Zuschauer zu perlen.

Alles mündet, wie wir ja alle wissen, in einer Auseinandersetzung zwischen Harry Potter und dem wieder auferstandenem Lord Voldemort (Übrigens wieder in einer atmosphärischen Kulisse, die direkt dem Leserhirn abgeguckt zu sein scheint). Diese ist etwas kürzer bzw. temporeicher als man sich das vielleicht vorgestellt hätte, dennoch ist sie ein würdiges Finale.
In seinem kurzen, nicht mal zehnminütigen Auftritt, erweist sich Ralph Fiennes als ungeheuer wertvoll für den Film (oder die gesamte Reihe). Sein Voldemort weicht auf positive Art und Weise von der Buchbeschreibung ab, denn dort entspricht Voldemort dem klassischen Bild des großen, bösen Zauberers. Groß, alternd, hakennäsig und arrogant. Fiennes wirkt dagegen normal groß und fast noch jung; seine Nase ist bezeichnenderweise fast gar nicht vorhanden. Er darf seinen wirkungsvollsten, bösen Blick aufsetzen, sich agil bewegen und entwirft eher das Bild eines sadistischen Psychopathen. Dies ist ein weniger übernatürlich wirkender Bösewicht als der klassische böse Zauberer des Buches und somit auch ein passenderer Gegner für Harry Potter, der ja auch sonst mit ganz alltäglichen Problemen eines Teenagers zu tun hat.

Von den restlichen Neuzugängen ist vor allem Brendon Gleeson als Mad Eye Moody erwähnenswert, der einem durch seine energische Darstellung endlich begreiflich macht, wie ein so alter heruntergekommener Zauberer noch so flink und gefährlich sein kann. Miranda Richardson als Rita Kimmkorn passt ziemlich gut, erfüllt hier im Gegensatz zum Roman aber kaum einen dramaturgischen Zweck, sie ist allerdings sicher eines der Lieblingshassobjekte eines jeden Potter – Fans und gehört daher in den Film. Madame Maxime (Francis de la Tour) hilft vor allem die spärlich gesäten Szenen mit Robbie Coltrane etwas prägnanter zu gestalten. Sie bringt im Übrigen eine Schar französischer Grazien mit und durch Fleur Delacour (Clemence Poesy) gibt’s neben Hermine mal auch was anderes fürs männliche Auge.
Sogar Robert Pattinson alias Cedric Diggory (eigentlich der Typ glatt gebügelter Schönling) kam durchaus sympathisch rüber. Besonders erfreulich ist, dass auch Jason Isaacs, trotz gerade zweier recht kurzer Auftritte, wieder mit dabei ist, denn sein Fehlen wäre wirklich negativ aufgefallen.
Von den Stamm – Lehrern darf hier Michael Gambon, nach seinem eher unauffälligen Potter – Debüt Professor Dumbledore mit angemessener Screentime spielen und auch Maggie Smith kommt hier etwas besser weg, als mit ihren zwei Auftritten im Vorgänger. Der stets brillante Alan Rickman scheint als einziger eine Stammnebenrolle von fester Größe zu haben.

Als sich zum Schluss die Zaubererschaft des Verlustes eines Menschenlebens (Cedric Diggory) bewusst wird, liefert uns der Film dann noch mal die volle Packung emotionaler Härte und Dramatik ohne dabei irgendwie kitschig oder albern zu wirken, stattdessen wirkt das allgemeine Entsetzen wirklich intensiv (hier ist das beste Beispiel für die geschickt gemeisterten Massenszenen). Harrys Nervenzusammenbruch hat man (genauso wie die Auseinandersetzung mit Fudge) ausgespart. Ob der auf der Leinwand gut hätte wirken können weiß ich nicht, das Gefühl, dass man sich drum gedrückt hat, bleibt aber dennoch.

Der Film endet übrigens mit einem etwas optimistischeren Ton als der Roman, was ich auch durchaus begrüßt habe (wer war denn bitte nicht am Schluss dieser Lektüre leicht angepisst).

Gleichwohl möchte ich anmerken, dass diesem Film der naive Charme eines Kinderfilmes, den der erste, der zweite (dort schon etwas weniger) und in Ansätzen noch der dritte Film hatten, völlig fehlt. Das ist nicht unbedingt eine negative Entwicklung und sie entspricht ja auch durchaus den Büchern, aber man blickt schon jetzt fast mit Wehmut auf die kleinen Knirpse aus Teil 1 zurück.
Wieso der Film jedoch im Gegensatz zu den beiden Vorgängern ein PG - 13 in Amerika und ein 12er-Rating in Großbritannien bekommen hat ist mir schleierhaft, denn er ist auch nicht schlimmer als diese. Von 10 an aufwärts absolut bedenkenlos konsumierbar (Vielleicht lags am Regisseur selbst, denn der freute sich ja nun so auch die selbsternannten "coolen" Kids als Zuschauer gewinnen zu können)

Einen echten Schwachpunkt hat der Film aber doch und das ist die Filmmusik. Ein Mann namens Patrick Doyle kann sich nun einmal kaum mit John Williams messen, zumal dieser für den Vorgänger „Harry Potter und der Gefangene von Askaban“ seine beste Score seit Jahren komponiert hatte. Das Harry Potter – Thema erklingt nur an 2 oder drei Stellen (in variierter Form), ansonsten dominieren eher durchschnittliche Kompositionen, die aber zumindest in den Action – und Spannungsszenen ihren Zweck erfüllen und die Stimmung der Szenen unterstützen.
Johnny Williams komm bitte wieder !! Ein „Star Wars“ – Film ohne dich wäre doch auch undenkbar.

Die Musik ist aber wahrlich nicht so schlecht, dass sie den Gesamteindruck trüben könnte, denn ansonsten stimmt eigentlich so ziemlich alles. Handlungsaufbau, Darsteller, Spezialeffekte, Atmosphäre. Er ist nicht zu lang und auch nicht zu kurz und man kann heulen, lachen und sich gruseln. So hat es auch dieser Harry Potter geschafft zu einem der Kino – Highlights seines Jahres zu werden.

10 / 10

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