Nach den eher bunten, ersten beiden Verfilmungen der beliebtesten Kinderbuchreihe, "Harry Potter and the Philosopher's Stone" und "Harry Potter and the Chamber of Secrets", von Christopher Columbus wurden die Verfilmungen meiner Meinung nach erst ab dem dritten Teil, "Harry Potter and the Prisoner of Azkaban", damals unter einem neuen Regisseur, Cuarón, der nur für diesen einen Teil verantwortlich ist, den Büchern gerecht. Also habe ich mich erstmals in den Kinosaal begeben, um mir den neusten "Potter"-Film, diesmal von Mike Newell ("Four Weddings and a Funeral"), anzusehen und muss leider gestehen, dass ich eine klitzekleine Enttäuschung auf Grund der ersten halben Stunde nicht verbergen kann. Insgesamt bleibt "Harry Potter and the Goblet of Fire" ein kleines Stück hinter seinem Vorgänger, unterhält aber dennoch fast die ganze Laufzeit über.
Harry Potter (Daniel Radcliffe) ist nach den Sommerferien, in denen er und ein Großteil der Zaubererwelt das "dunkle Mal" sahen, das für den Dunklen Lord, Lord Voldemort (Ralph Fiennes; „Spider“), steht, zurück auf der Zaubererschule Hogwarts. Das vierte Jahr steht an und mit ihm das Trimagische Turnier. Ein Teilnehmer wird von jeder der drei Zaubererschulen auserwählt, kämpft gegen die anderen beiden in drei Wettbewerben und hofft am Ende auf den Endsieg. Auch Harry wird unverständlicherweise ausgewählt, vom namensgebenden Feuerkelch, obwohl er noch zu jung ist und mit Cedric (Robert Pattinson) theoretisch schon ein Schüler aus Hogwarts mit dabei ist. Doch Regel ist Regel und somit muss er auch teilnehmen...
Wie immer wird der Story des Buches gefolgt, wenngleich man einige Subplots weglässt und alles auf das Nötigste strafft. Im vierten Teil wird besonders anfangs ziemlich viel weggelassen und alles aneinander gepappt, sodass Nichtkenner des Buches ziemlich alleine gelassen werden. Allerdings muss man sich erstmal durch eben diesen, trotz Straffungen, etwas langweilig geratenen, mit einigen Längen versehenen Anfangsteil durchhangeln, bevor es richtig losgeht. Sobald aber der Feuerkelch die Namen der Teilnehmer ausspuckt, ist beste Fantasyunterhaltung garantiert.
Mit den Charakteren reift auch der Film immer mehr und ist jetzt kaum noch für jüngere Zuschauer geeignet. War es im letzten Film schon deutlich düsterer und spannender, sodass es erstmals nur eine FSK 12 gab, welche sich der zweite Teil noch dank einiger Schnitte erkaufte und die Fans verärgerte, ist es hier noch mal eine ganze Ecke dunkler und zum Schluss auch wieder einmal recht blutig. Wenn Wurmschwanz (Timothy Spall) sich die Hand abschneidet, sollte man sich zweimal überlegen, seine siebenjährige Tochter (die in Begleitung der Eltern hineinkommen würde) mitzunehmen. Denn es wird von Teil zu Teil erwachsener und allzu junge Fans sollten vielleicht noch ein bisschen mit der Betrachtung des neuen Abenteuers warten.
Aber wie schon erwähnt, entwickeln sich nun auch langsam die Charaktere von Harry, Ron (Rupert Grint) und Hermine (Emma Watson). Größte und offensichtlichste Veränderung: Die ersten Liebesgefühle funkeln hier und da durch und finden gleich auch schon Beachtung beim Weihnachtsball (vielleicht DIE Szene im Film mit einer wunderbar eisigen Ausschmückung der "Großen Halle"): Hermine und, notgedrungen, Viktor, Harry hätte gerne Cho und Ron ist das alles noch total egal und übersieht Hermine dabei völlig. Kenner des Buches wissen, dass es in den nächsten Teilen gefühlsmäßig noch weiter ausufert, hier bleibt es erstmal im Rahmen, doch es ist schön zu sehen, dass die Figuren sich in den sieben Jahren Hogwarts von, praktisch, Kleinkindern zu, halbwegs, Erwachsenen mausern.
Diese Szenen unterbrechen allerdings nur die Action- und Spannungsszenen, die hier am laufenden Band vom Stapel gelassen werden. Die drei Aufgaben des Trimagischen Turniers sind alleine schon Gold wert, wobei die dritte Aufgabe noch die bedrohlichste und gefährlichste ist. Angefangen beim Kampf gegen einen Drachen, der wieder durch schlechte Flugeffekte versaut wird, ebenso wie die Einleitungsszene bei der Quidditch-WM, die genauso mies aussieht, solange die Zauberer auf den Besen durch die Lüfte fliegen, über die Seeaufgabe hin zum finalen Showdown im Labyrinth und später auf dem Friedhof. Nachdem die Schüler erstmal in Hogwarts sind, wird es auch schon düsterer. Die erste Spannungsszene auf dem Zeltplatz der WM, die dazu nicht gezählt werden kann, ist dafür viel zu kurz ausgefallen und schon als langsam Stimmung aufkommt wieder zu Ende – wieder ein Indiz dafür, dass anfangs einfach zu viel fehlt. Entschädigung gibt es dann ab der zweiten halben Stunde, mit von da an stetig steigender Spannungskurve; die Aufgaben werden gefährlicher und die Umgebung dunkler. Die erste Aufgabe findet noch unter freiem, strahlend blauem Himmel statt, während die zweite unter Wasser schon um einiges schwärzer erscheint und die dritte, die dann in einem Labyrinth zwischen zehn Meter hohen Hecken, die jedes bisschen Licht rauben, stattfindet, ist dann komplett in Dunkelheit gehüllt. Die Friedhofsszene ist dann noch um einiges brutaler, obwohl es schon in manch anderer vorausgegangenen Szene recht hart zur Sache geht, und ein genialer Ralph Fiennes als Lord Voldemort ist praktisch nicht zu erkennen, dürfte aber dem Publikum mit seiner Maske den einen oder anderen Schrecken einjagen.
Die Action kommt dann aber auch nicht zu kurz. Neben den vielen gruselig-spannenden Szenen finden sich auch einige Kämpfe und immer wieder bedrohen die magischen Geschöpfe die Protagonisten, greifen sie an und schlussendlich muss Harry Cedric sogar aus den Fängen alles verschlingender Wurzeln befreien, bevor er seine letzten Kräfte nach diesem anstrengenden Jahr in einem Zauberduell mit Voldemort verliert.
Der Humor wurde ebenfalls beibehalten und kommt eigentlich ausschließlich durch den mürrischen Ron und dessen Gefechte mit Hermine und anderen Schülern zustande. Somit wird der doch recht ernste Ton des restlichen Films aufgelockert und man hat einiges zu lachen.
Der oben erwähnte, perfekt besetzte Ralph Fiennes steht hier weit über anderen Schauspielern; gerade die Jungdarsteller fallen nicht besonders positiv auf. Daniel Radcliffe ist eindeutig zu emotionslos und macht hier alles, ohne groß die Mine zu verziehen, mit und landet in Situationen, in denen man in den Büchern noch merkte, was das für Anstrengungen sein müssen. Im Vergleich zu Rupert Grint, der aber wirklich kaum Talent und keinerlei Sinn für Mimik hat, zwar fast schon eine Offenbarung, aber Emma Watson sticht beide dann aus, wenngleich auch sie noch einiges vor sich hat, wenn sie mal etwas Größeres in der Filmbranche plant.
Da sind die Nebenrollen weitaus besser besetzt, was auch daran liegen mag, dass die älteren Schauspieler viel mehr Erfahrung haben. Weiterhin genial ist Alan Rickman als ätzender Lehrer Snape – diesmal muss er sich zwar mit einer sehr kleinen Rolle begnügen, doch die meistert er gewohnt souverän.
Brendan Gleeson als Mad-Eye Moody inklusive magischen Auges spielt ebenfalls hervorragend, genauso wie Michael Gambon als Dumbledore.
Ein großer Aufstand wurde auch um die Rollenbesetzung der potterschen Auserwählten, Cho (Katie Leung), gemacht, die aber hier kaum Screentime bekommt und außer nett lächeln gar nichts zu tun hat. Da bleibt abzuwarten, was sie mit einer größeren Rolle in Teil 5 machen wird.
Für die Hauptdarsteller darf man dann nur noch hoffen. Eine Auswechslung wäre nicht wünschenswert, da man sich an sie gewöhnt hat und in ihnen vielleicht auch irgendwo Talent schlummert, aber das muss erst mal wie Voldemort richtig zum Leben erweckt werden.
Die Effekte schwanken dahingegen ebenfalls leider ein wenig - von mies bis beeindruckend ist alles drin. Mies sind hierbei glücklicherweise nur die erwähnten Quidditch- und Flugszenen, die immer noch, seit Teil 1 hat sich da fast gar nichts geändert, einer Verbesserung unterzogen werden müssen. Der Rest ist über jeden Zweifel erhaben, die Fantasygestalten sind hervorragend animiert und schön schaurig und selbst die Geister auf dem Friedhof sowie das „Dunkle Mal“, denen man ihre PC-Herkunft ansieht, verrichten trotzdem ihren Zweck.
Wenn man sich mal die erste halbe Stunde wegdenkt und sich nicht erinnert, dass das alles recht langweilig und –atmig ist, dann kann man sich ausgehend von der letzten gut eindreiviertel Stunde verzaubern lassen und die Zeit vergeht wie im Flug, da der Film dort wirklich mit allem, was das Fantasygenre braucht, auftrumpft, mitreißt und nahezu perfekt ist. Die drei Hauptdarsteller sind zwar immer noch keine ganz Großen, aber sie haben ja noch drei Teile Zeit – hoffentlich, da Rollenwechsel eher die eingekehrte Harmonie zwischen den dreien zerstören würden. Der ältere Rest der Schauspieler ist gut wie immer und der düsterste „Potter“-Film kann uneingeschränkt empfohlen werden, solange man ein gewisses Alter erreicht hat. Alle Kleinen werden nächtelang nicht schlafen können, da die Action und Spannung noch mal deutlich im Gegensatz zum Vorgänger gesteigert wurden und es noch geheimnisvoller, böser und etwas blutiger zugeht. Ein Film, bei dem leider einiges fehlt und der ruhig noch eine halbe Stunde hätte länger gehen dürfen. Auf Grund des Erwachsenencharakters wäre das auch nicht weiter tragisch gewesen, da die älteren Semester damit sicherlich kein Problem gehabt hätten.
Dennoch sei an dieser Stelle eine klare Empfehlung ausgesprochen und man darf gespannt sein, wie die fünfte Verfilmung, "Harry Potter and the Order of the Phoenix", daherkommen wird (bei dem ich mir schon an dieser Stelle wünsche, dass man genauso wie in diesem Teil einiges vom Anfang des Buches weglässt, da das dort schon sehr zäh und langweilig war), wer noch alles dabei sein wird und ob die Qualität der beiden letzten Streifen gehalten werden kann. So kann es weitergehen und das Kinojahr 2005 wird auf der Schlussgeraden noch mal richtig gut.