Nach der allgemeinen Begeisterung angesichts vom dritten Potter-Film hatte es Mike Newells „Harry Potter und der Feuerkelch“ schwer; dabei ist das Ergebnis doch ziemlich gelungen.
Immerhin stand man hier vor der Aufgabe eines der umfangreichsten Bücher verfilmen zu müssen, wo selbst die kürzesten Potter-Romane für die Verfilmungen zusammengedampft wurden. Dementsprechend geht es in der Exposition hier holter-die-polter, bei der Quidditch-Meisterschaft tauchen Death Eater auf und beschwören das Mal des dunklen Lords, Harry Potter (Daniel Radcliffe) hat Alpträume von ihm und nachdem man diese dunklen Omen durchgehauen hat, geht es schon im Zug nach Hogwarts, wobei Vorgeplänkel wie die Zugfahrt selbst und das Wiedersehen der Klassenkameraden fast komplett wegfallen.
Auch die Vorstellung des neusten Lehrers, Mad-Eye Moody (Brendan Gleeson) fällt kurz aus, stattdessen kommt „Harry Potter 4“ zum wesentlichen Handlungsstrang, dem trigmagischen Turnier, an dem neben Hogwarts noch eine französische und eine rumänische Schule teilnehmen. Aus jeder Schule gibt es einen Teilnehmer, doch der entscheidende Feuerkelch wählt Harry als vierten Mitstreiter aus. Die Französinnen sind alle kleine Beautys, die Ostblockteilnehmer Schränke mit wahlweise rasiertem Kopp oder dem Rasputin-Look, da ist nicht viel mit Subtilität.
Gezwungenermaßen nimmt Harry also am Magierwettstreit teil, allen dunklen Omen zum Trotz. Jedoch kommt bald mehreren Leuten der Verdacht, dass irgendjemand in Hogwarts möchte, dass er bei dem gefährlichen Turnier zu Tode kommt...
Den Buchpuristen wird „Harry Potter 4“ es nicht recht machen können, aber für eine adäquate Verfilmung wäre ein TV-Vierteiler nötig gewesen und tatsächlich streicht das Team um Regisseur Mike Newell ausgesprochen sinnvoll weg, wenngleich man ohne Kenntnis der Buchvorlage vieles zu verpassen droht. Rita Skeeter dient nur als comic relief ohne tieferen Sinn, Nevilles Furcht vor dem Cruciatus-Fluch wird nur angerissen und man muss schon genau darauf achten, damit man in einer Rückblende mitbekommt, dass der Fluch auf Nevilles Eltern angewendet wurde. Derlei Details gibt es ein paar, doch insgesamt machen die Straffungen fast durchweg Sinn, wenngleich Vorlagenkenntnis von Vorteil ist.
Problematisch wird das Herumgestreiche allerdings an einer Stelle, nämlich dem Beziehungsgeflecht innerhalb der Figurenkonstellation. In diesem Potter-Film wird heftigst pubertiert, was Liebeleien wie Eifersüchteleien zufolge hat, die hier allerdings Knall auf Fall kommen. Gerade die angespannte Situation zwischen Ron (Rupert Grint) und Hermione (Emma Watson) ist schwer nachzuvollziehen, so sehr der Film sich auch müht die aufblühenden Gefühle der beiden füreinander deutlich zu machen und potentielle Rival(inn)en zu etablieren. Besser kommt da der Streit zwischen Harry und Ron rüber, da Ron eifersüchtig auf die Erfolge seines Freundes ist.
Doch trotz dieser Meckereien ist die Weiterentwicklung der Figuren in diesem Teil begrüßenswert, da „Harry Potter 4“ klar den Übergang zu den erwachseneren Stellen der Saga markiert. Direkter als zuvor werden die Hauptfiguren mit Tod, Eifersucht und enttäuschter Liebe konfrontiert, das finale Auftauchen von Lord Voldemort (Ralph Fiennes) ist da fast schon die logische Konsequenz als Abschied von der kindlichen Unschuld. Da kann „Harry Potter 4“ leider nicht jedem Charakter gerecht werden, doch die wichtigsten Sachen sind drin und man kann sich freuen, dass Neville (Matthew Lewis), einer der heimlichen Helden der Romane, endlich mal stärker gewürdigt wird als in den Vorgängerfilmen.
Hauptaugenmerk liegt auf dem Turnier und damit fährt „Harry Potter 4“ ziemlich gut, gibt es doch der Melange aus Handlungssträngen aus dem Buch einen filmreifen Mainplot, eine klare Handlungslinie, welcher der Zuschauer folgen kann, da Filme nun mal anders funktionieren als Bücher. Mit dem Turnier verwebt Mike Newell dann auch die Backgroundstory um den erstarkenden Voldemort, macht klar, dass es im Turnier an sich noch um mehr geht, und lässt den Zuschauer auf Spurensuche gehen, um den Übeltäter zu finden – sofern der Zuschauer die Romanvorlage nicht kennt.
Das Turnier ist dann auch eye candy pur, denn Film Nummer vier ist der erste Potter-Teil, der quasi durch die Bank weg überzeugende FX besitzt, sieht man ein, zwei kleinen Ausnahmen wie der Haitransformation mal ab. Gerade die Unterwasserszenen sind phantastisch, echter Kinozauber auf Bildebene, ebenso die Animation der Drachen. Leider sind einige Szenen der arg lang geraten, gerade der Drachenkampf könnte problemlos kürzer sein (gerade im Angesicht der Storystraffungen), denn wer Action sucht, der wird wohl kaum zu einem Teil der Potter-Saga greifen.
Daniel Radcliffe entwickelt sich in der Hauptrolle weiter, kann langsam zum Niveau von Emma Watson und Rupert Grint aufschließen. Blass hingegen bleibt Robert Pattison in der Schönlingsrolle, viele Regulars kommen arg kurz. Gary Oldmans Auftritt als Gesicht im Feuer ist kaum der Rede wert, Alan Rickman hat nur drei, vier Szenen, stiehlt aber jede einzelne davon. Dafür darf Brendan Gleeson mit Spielfreude glänzen und wesentlich mehr Screentime erhalten und im Finale taucht dann ein überragender Ralph Fiennes auf, der mit seiner dämonischen Präsenz die erste Leinwand-Inkarnation Voldemorts mit Charisma darstellt.
Alles in allem ist Mike Newell also die Umsetzung der ausgesprochen langen Vorlage erfreulich gut gelungen, trotz derber Zusammenstreichungen. Zwischendrin verknappt „Harry Potter 4“ einiges zu sehr, etwas weniger Budenzauber und mehr Subplots wären nett gewesen und trotzdem ist der vierte Film ein kurzweiliges Fantasyabenteuer, das klar zu den besseren Verfilmungen der Romane gehört – allen Straffungen zum Trotze.