*** Der Text enthält Spoiler ***
Das Trimagische Turnier steht an, bei dem die Zauberschulen Hogwarts, Durmstrang und Beauxbaton in verschiedenen Wettkämpfen gegeneinander antreten, um den Trimagischen Pokal zu erringen. Große Verwunderung herrscht, als der Feuerkelch, der einen Champion pro Schule zur Teilnahme benannt hat, einen weiteren Namen ausspuckt – den von Harry Potter. Nicht nur machen nun Manipulationsvorwürfe die Runde, auch der Angriff von Todessern, Voldemorts Gefolgsleuten, bei der Quidditch-Weltmeisterschaft und dem weiter um sich greifenden Gerücht, der dunkle Lord stünde kurz vor seiner Wiederkehr, machen das vierte Schuljahr zu einer gefährlichen Angelegenheit...
Dritter Regisseur im vierten Film. Nachdem Alfonso Cuarón in „Der Gefangene von Askaban“ einen düstereren Ton anschlug und der Reihe somit eine neue Ausrichtung gab, setzt Mike Newell diese fort. Dabei ist der „Feuerkelch“ deutlich actionorientierter ausgefallen, was letztlich auch daran liegt, dass man sich aus der Vorlage einfach an den größten Schauwerten abarbeitet. Dadurch geht der Film ziemlich geradeaus, stößt Buchliebhaber mit dem Fehlen oder auch Abändern von Handlungssträngen und Figuren aber vor den Kopf. Der Film für sich funktioniert jedoch als Mischung aus Fantasy, ein bisschen coming of age und kleinen romantischen Anwandlungen, die sich aufgrund des fortschreitenden Alters der Figuren unvermeidlich ergeben. Auch Spannungen innerhalb des Heldentrios werden angerissen – aber wirklich mehr ist es eben nicht. Es fehlt einfach schlicht die Zeit für mehr Tiefe. Das ist schade und weckt spätestens hier erstmals den Wunsch nach einer werkgetreuen Adaption im Serienformat. Dass zum Beispiel die Quidditch-Weltmeisterschaft so schnell abgehakt wurde, ist doch etwas enttäuschend, Rita Kimmkorns Figur wird auf die sensationsgeile Schreiberei reduziert und die Hauselfen Dobby & Co. gleich ganz gestrichen. Warum Harry auch unbedingt auf Cho abfährt muss man sich wohl mit „ist halt jetzt so“ erklären. Hormone. Andererseits ist es nun einmal unabdingbar, dass was auf der Strecke bleibt, wenn man ein 750+ Seiten langes Werk in knapp 2,5 Stunden pressen will.
Es bleibt allerdings Meckern auf hohem Niveau, denn insgesamt macht der vierte Teil vieles richtig. Er verfügt, wie seine Vorgänger, über eine hervorragende Ausstattung und ein stimmiges Design, bietet keinen Leerlauf und vereint wieder ein Ensemble, dem man einfach gerne zusieht. Selbst die drei Hauptdarsteller sind nun merklich „angekommen“. Die prominentesten Neuzugänge Brendan Gleeson (Alastor Moody), Robert Pattinson (Cedric Diggory) und Ralph Fiennes als Lord Voldemort fügen sich in die inzwischen etablierte Welt bestens ein. Mit der Rückkehr es letztgenannten Charakters nimmt hier nun auch letztlich der dauernd über allem schwebende Schatten Gestalt an und bietet ein spannendes und nach der Rückkehr aus dem Labyrinth auch emotionales Finale, welches bis zum Abspann seine bedrückende Stimmung aufrecht erhält. Trotzdem kommt auch der Humor nicht zu kurz, wird in passenden Dosen eingestreut und wirkt weder aufgesetzt noch übertrieben. Obendrauf gibt es sogar noch Professor Flitwick beim Crowdsurfing.
Hinter der Kamera stand wie bei der Kammer des Schreckens Roger Pratt und bebildert den Feuerkelch ansprechend, ohne sich jedoch an den (positiv empfundenen) Spielereien seines Vorgängers Michael Seresin zu versuchen. Patrick Doyle, der hier als John Williams' Nachfolger für die musikalische Untermalung zuständig ist, orientiert sich an den vorhandenen Themen, setzt diese aber seltener ein und liefert genug Eigenständiges ab, womit auch dieser Soundtrack wieder ein hörenswerter Beitrag ist.
Man kommt nicht umhin zu bemerken, dass hier ein wenig Hektik herrscht und man die Vorlage doch arg eindampfen musste. Eine Vorgehensweise, die in manch kommendem Film noch schwerwiegender ausfallen wird.
Trotzdem ist „Harry Potter und der Feuerkelch“ ein weiterer sehr unterhaltsamer Beitrag zur Serie. Quasi als best of des Buchs kann er als für sich stehender Film mit Witz, Tempo, sympathischen Charakteren und durch die Bank guten Darstellern punkten. Da sind einige Kritikpunkte durchaus zu verschmerzen, schafft der Film doch das, was er letztlich soll: Den Zuschauer über zwei Stunden aus der Realität zu entführen und in seiner Welt versinken zu lassen.