Ein Fest für Spiele-Nostalgiker: Das wohl erfolgreichste Game aller Zeiten, schafft den Sprung auf die Kinoleinwand: DOOM! DOOM kennen wir PC-Spieler doch alle noch zu gut. Das genauso berühmte wie berüchtigte Ballergame, dass einfach irgendwie jeder haben musste, egal wie. DOOM, trotz Billig-Story und eigentlich recht einseitigem Ballerszenario ein Riesenhit, der sich über 10 Millionen mal verkauft hat und mindestens noch 10 Mal so viel, illegal, auf Disketten, und später auch auf CD-Rohlingen, auf jedem gut besuchten Schulhof, den Besitzer wechselte. Nun, zu Zeiten wo wirklich jedes der beliebtesten PC-Games aller Zeiten seinen eigenen Film kriegen sollte, musste nun, im Jahre 2005, auch DOOM dran glauben. Und die Angst war groß, dass, nach all den mauen Videospiel-Verfilmungen der letzten Zeit, allen voran Uwe Bolls grottigem "Alone in the Dark"-Verschnitt, auch DOOM nur mäßig auf die Leinwand adoptiert wurde und der Film-Trailer konnte einen schon fast die schlimmsten Erwartungen bestätigen. Doch man soll ja eigentlich nie einem Trailer trauen. Und nun, nach Ansicht des Streifens, entpuppt sich "Doom - Der Film" vielleicht als eine der positivsten Überraschungen im Filmjahr 2005, zumindest für mich. Denn "Doom" ist vor allem eins: schwer unterhaltsam, vor allem wegen einer grandiosen Idee, kurz vor Schluss!
Aber alles schön der Reihe nach: Was die Story angeht, so wurden eigentlich alle Erwartungen erfüllt. Im Gegensatz zum Rest ist das allerdings kein positives Zeichen. Denn schon die (etwas andere) Spielgeschichte war billig und eigentlich völlig Innovationslos. Und so entpuppt sich auch die Geschichte zum Film als ein recht einfallsloses und im Grunde vollkommen blödsinniges Irgendwas, dass eine Mischung aus Baller-Action und Monster-Horror bietet. Im Grunde wird eine Truppe starker Marines auf den Planeten Mars gerufen, um dort eine Forschungsstation zu überprüfen, auf der sich merkwürdige Vorkommnisse ereignen. Schnell findet man heraus, dass sich irgendwelche in Monster und Zombies mutierte Menschen dort breit gemacht haben und eine nimmermüde Hetzjagd, auf die grauenhaften Gestalten, nimmt seinen Gang. Alles in allem ist die Filmstory somit wieder einmal nicht mehr, als der Aufhänger für all die Action- und Horrorelemente, die da folgen sollen. Die Figuren bleiben blass, um Tiefgang und Logik wird sich erst recht nicht geschert. Kurzum, all diejenigen, die bei jedem Film unbedingt eine fette Story brauchen, sind (auch) bei "Doom" völlig fehl am Platz!
Gut, vergessen wir also die Story und hoffen, dass wenigstens der Rest stimmt. Und im Gegensatz zu den meisten Actionern und Game-Verfilmungen der letzten Zeit kann man hier sagen: Jawohl, er stimmt. Denn "Doom" bietet Action-Horror satt. Nach dem (zugegeben) etwas drögen Einstand geht es nach gut einer halben Stunde richtig ordentlich zur Sache. Die Waffen der Figuren sind "fett" und die Action noch viel "fetter"! Es kracht und knallt, dass einem fast der Hut vom Kopf fliegt, sofern man einen im Kino auf hat. Die Actionszenen sind allesamt aufs beste durchchoreographiert worden und bieten, aufgrund des überirdischen und reichhaltigen Waffen-Arsenals, auch durchaus Abwechslung. Zwar wird unterm Strich nicht viel mehr als pur geballert, doch das ist dieses mal wirklich extrem unterhaltsam ausgefallen und lädt den Kenner des Games regelrecht zum Jubeln ein. Und alle anderen werden sich den Streifen ja sicher eh nicht antun.
Ebenfalls sehr lobenswert ist zudem die Tatsache, dass man sich dieses mal von der, leider heutzutage recht üblichen, harmlosem PG-13-Action entfernt hat und eine Ballerorgie bietet, die es in jeder Hinsicht in sich hat und das deutsche K.J.-Siegel mehr als zurecht trägt. Hier spritzt Blut, hier rollen Köpfe, hier gibt es keine Rücksicht auf Verluste. Körperteile werden vom Körper abgetrennt, Menschen verwandeln sich in blutrünstigste Kreaturen und so manch einer verstreut sich mal gleich über die ganze Kinoleinwand. Dazu muss man sagen, dass die Gore-Szenen auch allesamt recht gelungen sind und einen Mix aus Old School und Computeranimationen bieten, wobei die (wenigen) Old School-Szenen natürlich wesentlich besser aussehen, als die (vielen) Sachen aus dem Computer. Hart sind sie aber wirklich allesamt und Splatter-Freaks kommen voll auf ihre Kosten.
Aber auch was die Atmosphäre angeht, wird einem einiges geboten. Nach dem, schon angesprochenen, recht drögen Start, entwickelt sich die Jagd, durch alle möglichen unterirdischen Gänge, als recht spannend und mitunter auch ziemlich schweißtreibend. Die Schocks wurden gut gesetzt, wenn auch, für Horror-Kenner, sicher hier und da etwas vorhersehbar. Dafür sorgen nicht nur die herrlich simplen, aber wohl gerade deshalb so wirkungsvollen, Kulissen, sondern auch ein hammerharter Soundtrack, der Ohrwurm-Qualitäten hat. Der Griff zu Clint Mansell als Score-Composer und die Auswahl vieler eindringlicher, unglaublich knackiger, Songs, bieten eine Atmosphäre, die man sich für "Doom" eigentlich nur wünschen konnte.
Doch die beste Idee kommt kurz vor Schluss. Wer DOOM kennt der weiß, dass es sich bei diesem Spiel um einen astreinen Ego-Shooter handelt. Sprich um ein Spiel, bei dem man das Treiben aus den Augen der zu spielenden Figur spielt. Und, man hat sich zwar innerlich gewünscht aber nie und nimmer für möglich gehalten, dieses Fehling haben die Macher sogar für 5 Minuten komplett in den Film übertragen können. Denn eine kurze Zeitlang sieht man das Treiben aus den Augen von John Grimm (Reaper), einer der Figuren des Films. Formvollendet, nur mit schwingender Waffe vor den Augen, rennt der Zuschauer förmlich durch die Gänge und knallt alles nieder, was nicht niet und nagelfest ist. Dabei wurde die Kameraarbeit wirklich so exzellent geführt, dass man sich wirklich förmlich in die Figur des John Grimm hineinversetzen kann, als würde man selbst nur so durch die Gänge rasen. Ein 100%-DOOM-Feeling ist, zumindest in diesen kurzen Minuten, wirklich garantiert.
Was die Darsteller angeht, so wird allerdings nicht wirklich etwas Tolles geboten. Weder Karl Urban noch "The Rock" konnten mich unterm Strich wirklich überzeugen. Zwar gibt es bei den blassen Figuren des Films nicht wirklich viel was man falsch machen könnte, doch irgendwie wirkt ihr Schauspiel trotzdem nicht allzu überzeugend auf den Zuschauer. Glück haben die beiden dabei nur, dass auch ihre anderen Mitspieler allesamt austauschbar sind. Aber nun gut, dem überwältigendem Unterhaltungsgrad macht das trotzdem keinen Abbruch mehr!
Fazit: Hirn aus, Film rein! "Doom - Der Film" ist auf jeden Fall ein Streifen, der seiner spielerischen Vorlage ebenbürtig ist. Die Story ist zwar genauso zahnlos und flach und die Einführung etwas dröge, dafür ist aber die Action auch genauso knackig unterhaltsam und der Horror genauso schweißtreibend, wie beim indizierten Liebling aller Ego-Shooter-Freunde. Dazu mindestens 5 Minuten astreines DOOM-Fehling, bei der der Zuschauer wirklich mittendrin ist, anstatt nur dabei! Abgerundet durch eine gelungen düstere Atmosphäre und einem absolut ohrwurmverdächtigen Soundtrack. Wer mit DOOM noch nie etwas anfangen konnte, der wird auch hiermit nicht glücklich werden. Und Cineasten, die eine tiefgehende und logische Geschichte zur Bedingung eines guten Films machen, ebenfalls. Alle anderen dürften aber an diesem knackigen (wenn auch alles in allem eher schlecht gespielten) Action-Horror-Knaller ihre Freude haben.
Wertung: 7/10 Punkte (inkl. Bonuspunkt für eine der wohl unterhaltsamsten Ideen [Ego-Perspektive] des Filmjahres 2005!)