Doom ist ein Meilenstein in der Geschichte der Videospiele und bereitete den Weg für ein ganzes Genre. Kann der Film dieses schwere Erbe antreten?
Ein langer Weg
Als bekannt wurde, dass die Verfilmung von Doom in Planung sei, verbreitete sich diese Nachricht wie ein Lauffeuer unter Gamern in der gesamten Welt. Umso ernüchternder, dass Verleihfirmen immer wieder absprangen und den Stoff um eine Marsstation, die von Höllenkreaturen über ein Portal heimgesucht wird, für unverfilmbar hielten. Dann nahm sich jedoch Universal der Sache an und beauftragte mit Regisseur Andrzej Bartkowiak (Born 2 Die, Exit Wounds) und den Darstellern Dwayne „The Rock“ Johnson und Karl Urban actionerfahrene Leute, von denen man sich ein gutes Endprodukt versprach. Doch der Fanjubel wurde jäh gedämpft, als bekannt wurde, dass die Story von der Vorlage abweichen sollte. Statt Höllenkreaturen greifen im Film nämlich genveränderte Monster die Forscher einer unterirdischen Laborstation auf dem Marsmond Phobos an und verwandeln sie in seelenlose, mutierte Bestien, die alles niedermetzeln, was ihnen in die Quere kommt. Der Hilferuf von Professor Carmack (lustiger Insidergag: Carmack ist der Chefentwickler der Spielereihe) ereilt die Spezialeinheit RRT unter der Führung von Sarge (Dwayne „The Rock“ Johnson). Zusammen nimmt der Trupp der harten Männer, unter ihnen auch John „Reaper“ Grimm (Karl Urban), der nebenbei seine Schwester (Rosamund Pike) retten will, die ebenfalls dort forscht, die gefährliche Mission in Angriff. Schon kurz nach Ankunft merken die Soldaten jedoch, dass sie es hier nicht mit menschlichen Gegnern zu tun haben und werden einer nach dem anderen dezimiert. Da hilft nur noch schweres Geschütz, und davon haben sie reichlich mitgebracht…
Doom mit „Boom“
Doom ist ein sehr geradliniger Actioner geworden, der voll und ganz auf seine waffenstarrenden, kämpferischen Charaktere zugeschnitten ist, speziell auf The Rock und Urban, die beiden Hauptpersonen. Dabei ist der Film nicht oberflächlich wie das Spiel, sondern versucht, seinen Charakteren Persönlichkeit einzuhauchen, indem er jeden einzelnen mit seinen individuellen Eigenarten beschreibt. Ein Marine ist sehr gläubig und ritzt sich ein Kreuz in den Arm, als er vor Überraschung „Gott verdammt!“ schreit, ein anderer ist intrigant und ruft heimlich Verstärkung. Allein diese Tatsache ist schon positiv zu bewerten. Doch auch sonst werden die Erwartungen der Zuschauer in vielen Belangen zufrieden gestellt. Die Action kann sich wirklich sehen lassen, denn sie beinhaltet Spannung und Dynamik. Für den ein oder anderen ist es vielleicht interessant zu wissen, dass der Gewaltgrad dem Spiel in nichts nachsteht und sich die „Ab 18“-Freigabe redlich verdient hat. Die Effekte hingegen hinterlassen einen zwiespältigen Eindruck. Sie schwanken von atemberaubend und bombastisch bis schlecht und offensichtlich. Das hätte man angesichts einer Effektorgie, wie sie im PC-Spiel stattfindet, eigentlich besser erwartet. Das soll aber die kurzweilige Inszenierung nicht schmälern, denn die ist knackig und wird nicht ermüdend.
What the HELL?!
Doom ist beileibe kein Genrenovum. Es bedient viele Klischees à la „Übermächtige Monster greifen mutige Soldaten an und dienen als Kanonenfutter“ oder „Experiment geht schief und hat dramatische Folgen“. Das alles hat man schon hundertmal irgendwo gesehen, allerdings auchohne Frage schon viel schlechter als hier. Egal, wie viele Kritiken den Film im Vorfeld zerrissen haben mögen oder Fans protestiert haben, dass hier nicht die Originalstory erzählt wird. Dass hier kein zweiter Hamlet rezitiert, noch eine oscarreife Darstellung geboten wird, dürfte jedem klar sein. Es handelt sich um die Verfilmung eines der brutalsten Videospiele in deren noch junger Geschichte. Statt Worten lassen die Protagonisten hier ihre mächtigen Waffen sprechen und schießen erst und stellen dann Fragen. Apropos Waffen: Die wurden glücklicherweise aus dem Spiel übernommen. So findet man das Schrotgewehr genauso wieder wie die berühmt-berüchtigte BFG. Die Monster wurden ebenfalls aus der Vorlage entliehen und so findet sich neben Hellknight und Imp auch „Pinky“ wieder, dessen wahre Identität im Film gelüftet wird. Weitestgehend coole Sprüche, harte Musik, gute Kameraführung und solide Darstellerleistungen sorgen für ein satt machendes Gesamtbild. Und das nicht nur bei Fans des Spiels.
Dialoghighlight: „Ich wette 5 Dollar, dass da drin nur ein mies gelaunter Angestellter mit `ner Knarre wartet.“
7 von 10 Big Fucking Guns