Nun bekommt auch der Urvater aller Ego-Shooter endlich seine verdiente (oder nicht verdiente, das kann man halten wie ein Dachdecker...) auf Zelluloid gebannte Adaption. Kaum ein passionierter Zocker, der das Kult-Game Doom nicht kennt, seinerzeit (1993) die Revolution schlechthin. Monstermetzeln aus der Ego-Perspektive - aus dieser simplen Idee wurde im Verlauf der Jahre ein eigener, milliardenschwerer Wirtschaftszweig.
IDKFA und IDDQD dürften sich bei jedem Zocker auf Ewigkeit ins Landzeitgedächtnis gebrannt haben. Um Aggressionen abzubauen gab es nichts Besseres. Kettensäge gezückt und ab ging die wilde Lutzi – auf Monster komm’ raus. Ich habe das Game seinerzeit, freilich auch ohne Cheats, nächtelang gezockt. Meine Güte, war das ein Feeling...
Ein Feeling, das man in den Film mit hinüber retten konnte?
Nicht ganz. Aber immerhin war mit Ex-Kameramann Andrzej Bartkowiak („Exit Wounds“, „Cradle 2 the Grave“), dem ich eigentlich skeptisch gegenüberstand, ein Regisseur zur Stelle, der aus dem schlaffen Drehbuch das Optimum extrahiert. Den Hiphop - MTV-Style hat er nach drei Filmen endlich hinter sich gelassen. „Doom“ ist düster, dreckig und verdammt blutig – also kein Film für Schwiegermütter oder Warmduscher. Auch wenn die R-Rated-Version schon einige explizite Momente beinhaltet, soll die spätere Unrated-DVD erst dem Film in voller Pracht zeigen. Ich bin gespannt. Endlich weg von der aktuell in Hollywood angesagten soften und zurechtgebügelten PG-13-Action. In solchen Filmen muss Blut gerotzt werden und Körperteile fliegen. Ich, ein Gorehound? Mit Sicherheit nicht, aber die drei Spiele lebten unter anderem von dieser Gewaltdarstellung. Deswegen gehört sie auch so in den Film.
Und es geht flott los. Bartkowiak fackelt nicht lang, zeigt warum er und nicht Dilettanten wie Uwe Boll („House of the Dead“, „Alone in the Dark“) oder Paul W. S. Anderson („Resident Evil“, „AVP: Alien Vs. Predator“) ihre Griffel an die Franchise legen durften. Ab der ersten Minute drückt er, ganz ohne verwackelte Kamerafahrten oder Schnittstakkatos (!!), auf die Tube, damit es nicht langweilig wird, denn das Skript ist das größte Steckenpferd des Films. Die beiden Autoren Dave Callaham und Wesley Strick („The Saint“, „The Glass House“) haben sich offensichtlich von „Resident Evil“ inspirieren lassen. Deswegen ist von Ausgeburten der Hölle auch kaum noch etwas übrig. Das stört uns, die Fans, ein wenig. Irgendwie war Doom doch immer ein höllischer Spaß?
Der Film geht davon aus, dass in Nevada, Amerika die Union Aerospace Corporation (UAC) eine Art Stargate, ARC genannt, entdeckte, das es uns Menschen ermöglicht blitzschnell zum Mars zu reisen, wo ebenfalls eine archäologische Forschungseinrichtung aufgebaut wurde. Als dort in einem Laborkomplex ein Zwischenfall geschieht und Menschen sterben, schickt die UAC das Rapid Response Technical Squad (RRTS) und der Führung ihres bulligen Leaders, von allen nur Sarge (The Rock, „The Rundown“, „Walking Tall“) genannt, dorthin, um nach dem Rechten zu schauen. Was zunächst nach einer simplen Seek & Destroy – Mission aussieht, entpuppt sich als mehr, viel mehr...
Nur mit der Hölle hat der Film leider nichts zu tun. Es sind Genexperimente, extrahiert aus auf dem Mars gefundenen, humanoiden Erbgut, die einen Vorfall auslösten, so dass nun mordsmäßig saure Monster ihr Unwesen dort treiben.
Wer also Imps, Lost Souls, Demons, Cacodemons, Hell Knights, Arachnotrons, Revenant und Mancubus in rauen Mengen erwartet oder darauf hofft einen Cyberdemon oder den Spider Mastermind zu erblicken, der wird enttäuscht. Hier gibt es nur Zombies und Kreaturen, die den Hell Knights zumindest ähnlich sehen.
Denn „Doom” funktioniert anders und wandelt am ehesten noch auf den Spuren des dritten Teils der Spiel-Reihe. Den Großteil des Films verbringt das RRTS damit durch herrlich düstere Gänge zu streunen und die Anlage zu sichern. Alles Personal, was noch lebte, hat man zum ARC gebracht und danach die Schotten dich gemacht. Korridor um Korridor wird ausgeleuchtet und Raum für Raum abgesucht. Alles schön eng und unübersichtlich, gebannt in monochrom bläuliche Optik. Hinter jeder Ecke, hinter jedem Tisch, hinter jedem Gegenstand könnte etwas lauern - wie eben im Spiel.
Ich war ehrlich gesagt schon etwas verwundert, wie gut das doch sehr lange Vorspiel unterhält und nebenbei noch spannend sein kann. Die Laboratorien fördern ein paar fiese, ekelige, organische Experimente zu Tage, bald trifft man auf Leichen, dann huscht auch mal ein Schatten im Hintergrund, Fehlalarm, Kontakt, dann die ersten Toten, plötzlich ein zum gefräßigen Zombie mutierter Wissenschaftler, in den auch erst mal das erste Magazin gehalten wird. Rätsel und Fragen. Was geschah hier eigentlich?
Da ich ohnehin ein Faible für diese simplen „Spezialeinheit vs. Monster in engem Gebäudekomplexen“ - Streifen bis in die niveaulosesten B-Movie-Niederungen hege, hatte sich der Film ab Betreten der Quarantäne-Zone ohnehin meines Verstandes bemächtigt.
Die Gruppenmitglieder sind durchweg cool, der Coolste ist The Rock. Ich bin ein Riesenfan von ihm. Find’ den Muskelprotz einfach sympathisch. Wenn es einen legitimen Nachfolger von Arnold Schwarzenegger und Sylvester Stallone gibt, dann ihn. Kernig, ernst, entschlossen und überzeugt gibt er den Leader mit den nötigen Onelinern („Game time“, „If it breathes, kill it“, „Oh fuck“ usw.) und kurzfristig aufblitzender Selbstironie, wobei die in dosierten Portionen auch dem Film gut getan hätte.
Um ihn herum verblasst der Rest eigentlich, ist aber ohnehin nur Monsterfutter und von weniger bekannten Gesichtern verkörpert. Alle mit ihren Eigenheiten und großkalibrigen Ballermännern, aber bis auf John Grimm (Karl Urban, „The Lord of the Rings: The Return of the King“, „The Chronicles of Riddick“), der eigentlichen Hauptfigur, die mit Sarge in Sachen Screentime in etwa gleichzieht, total eindimensional, sexistisch, durchtrainiert, machohaft und mit ihren eigenen Riten. Eben wie man sich solche Marines vorstellt und wie es Genrekönig „Aliens“ einst vormachte: Abgebrühte Motherfucker, die schon viel gesehen haben, sich nach der interplanetaren Reise erst mal auskotzen und gamelike ihre Pseudonyme haben. Nur The Kid passt da nicht ganz herein, weil mit der Situation eigentlich völlig überfordert.
Rosamund Pike („Die Another Day“, „Promised Land“) schlägt sich inmitten der Männerdomäne als renitente Wissenschaftlerin solide, hat allerdings auch nur die Aufgabe ein paar plausible Erklärungen für die Vorkommnisse wie in einem Briefing, also schon fix und kompakt, zu platzieren und in John Grimm, als seine Halbschwester, ein paar Gefühle zu regen. Das wird aber alles dankbar kurz gehalten.
Gerade deswegen ist „Doom“ auch weitestgehend gelungen. Es tritt einfach kein großartiger Leerlauf auf. Der Feinschliff fehlt dem Film zwar eindeutig, um ihn zu einem wahren Genrehighlight zu machen, aber gemessen an der jüngsten Flut diverser Spieleadaptionen macht der Film schlicht und einfach Laune, wozu auch die basslastige Soundkulisse beiträgt.
Nur gekämpft wird eben leider relativ wenig. Das RRTC läuft durch Schächte und Abwasserkanäle, erleuchtet das Szenario nur mit ihren Taschenlampen und verhält sich trotz einzelner Ausrutscher diszipliniert. Die Monster greifen aus dem Dunklen an und befördern meist einen Marine auf durchaus brutale Weise in die ewigen Jagdgründe. Offene Wunden und abgerissene Köpfe gibt es genauso zu bewundern wie zerfetze Körper. Die BFG (Big Fucking Gun), sehnsüchtig erwartet, hat auch ihren Auftritt und der ist dann auch sehr beeindruckend.
Stan Winston und seine Jungs erledigen dabei einen hervorragenden Job. Die Obduktionen der Monstren sehen lecker aus, im lebendigen Zustand (Gummianzüge mit späterem CGI-Tuning) machen sie auch ordentlich was her, sehen old school und phantasievoll aus. Die Kreaturen gefallen wesentlich besser als reine CGI-Monstrositäten.
Die mehrminütige Ego-Shooter-Sequenz, die im Vorfeld ja auch diskutiert wurde, mutet etwas befremdlich an, macht allerdings Laune. Grimm rauscht im Berserker-Modus dabei durch die Gänge, killt und zersplattert, was ihm über den Weg läuft und nicht bei Drei flieht (Ehrlich... da nehmen auch Monster Reißaus *gg*) , schnappt sich zum Schluss die Kettensäge und hantiert mit ihr auch noch ausführlich herum. Der Blutzoll ist in diesen Szenen schon recht heftig. Was nebenbei aber auch auffällt, ist der schwache Score. Die markigen, rockigen Klänge von Clint Mansell („Suspect Zero“, „Sahara“) prägen den Film nur zu Beginn und werden bis zum Finale immer schwächer und teilnahmsloser. Ein fetziger, treibender Score hätte hier, vor allem in der Ego-Perspektive, sicher noch etwas bewegen können. Da kommt sich übrigens echt so vor, als würde man das Spiel selbst zocken. Die Waffe frei vorm Körper oder im Anschlag, mal frei Hand, dann durch das Zielfernrohr... *jauchz*.
Letztlich hätten vielleicht ein paar Insider-Gags dem Film nicht geschadet. Die Namen der Charaktere (Carmack, Willits) lassen so etwas aufblitzen und wenn versehentlich in den Spiegel geschossen wird, nickt der ein oder andere Spieler auch mal grinsend wie wissend in Richtung Leinwand, insgesamt fiel den Machern aber so schrecklich viel wohl leider nicht ein. Deswegen auch das letztlich nicht ganz zufrieden stellende Ende auf der Erde, das auf einen Zweikampf hinauslaufen soll. Warum da nicht noch mal einen gewaltigen Endgegner aus dem Hut zaubern?
Fazit:
Der letzte Kick fehlt einfach, daran ist nicht zu rütteln, trotzdem macht „Doom“ Laune. Eine Horde Marines, angeführt von The Rock, mit großkalibrigen Waffen (von der Schrotflinte bis zur Gatling haben die alles am Start), coolen Onelinern und Bad Ass-Mentalität üben, jedenfalls auf mich, nun mal ungemein Faszination aus. Trotz der verhältnismäßig langen Laufzeit von 105 Minuten behält Andrzej Bartkowiak das Tempo bei, serviert regelmäßig die Opfer, geizt nicht mit Gewalt oder Blut und holt dabei aus der schwachen Drehbuchvorlage heraus, was herauszuholen geht. Den Plot kann man ohnehin getrost beiseite wischen, denn der ist erstens unwichtig und zweitens alles andere als interessant. So war das bei Ego-Shootern allerdings immer.
Letztlich störte es nur etwas, dass da nicht mehr Monster schwadronieren beziehungsweise die feigen Viecher erst während der Ego-Shooter-Sequenz herausgekrochen kommen und der Score die Actionszenen nicht so recht unterstützen kann (Ich verweise hier wieder auf den mustergültigen „Aliens“...)
Immerhin endlich mal wieder ein Männerfilm ohne nervende Kids im Kino.
Die mauen Einspielergebnisse am amerikanischen Boxoffice, wo dieses Jahr ohnehin nahezu jeder No-Brainer sang- und klanglos untergeht, sind dieses Mal jedenfalls kein Indikator für die Qualität des Films.