Andrzej Bartkowiak versucht sich ganz ohne Joel Silver an einem Film – mit durchaus passablen Ergebnissen, aber zu echtem Jubel vermag „Doom“ nicht so ganz hinzureißen.
Immerhin ist der Einstieg in die Geschichte flott: Kurz wird der Zuschauer darüber aufgeklärt, dass auf dem Mars ein Forschungslabor liegt, dass man durch ein Portal namens Ark von der Erde aus erreichen kann. In eben jener Forschungseinrichtung ist aber gewaltig die Kacke am Dampfen, denn eine kleine Horde Wissenschaftler wird von einem (genretypisch noch nicht zu sehenden) Wesen durch die Gänge gehetzt und dezimiert (wobei genretypisch der letzte Verbliebene noch einen Hilferuf absetzt).
Da holt man eine Truppe Marines von der Erde und die sind wie in den offensichtlichen Vorbildern „Predator“ und „Aliens – Die Rückkehr“ Machosoldaten sondergleichen, natürlich sexistisch, hart und abgebrüht wie sich das halt gehört. Anführer der Einheit ist Sarge (Dwayne ’The Rock’ Johnson) und auch der Rest trägt Namen wie Reaper (Karl Urban), Mac (Yao Chin) oder Destroyer (Deobia Oparei). Soviel Profil wie die artverwandten Machos aus den Vorbildern erlangt die Truppe nicht, aber über den Status von gesichtsloser Metzelmasse kommen sie jedoch wenigsten einigermaßen hinaus.
Droben auf dem Mars hat sich das meiste Personal bereits in Nähe des Ark zurückgezogen, während die Marines nun die Laborräume durchsuchen sollen, in denen die Wissenschaftler verschwanden. Dabei begleitet sie noch die Forscherin Samantha Grimm (Rosamund Pike), welche Daten sicherstellen soll – und zudem noch Reapers Schwester ist…
„Doom“ ist ganz unterhaltsam, doch zeugt mal wieder von verschwendetem Potential. Gerade auf der handwerklichen Seite weiß Bartkowiaks neuer Film jedoch zu gefallen, da er hier nicht den Stil seiner drei vorhergehenden Filme weiterführt, sondern zu einer dem Szenario angemessenen Düsteroptik wechselt. Wenig Licht, verwüstete Labore und schummerige Abwässerkanäle zeichnen das Bild seiner Raumstation und da kommt schon Stimmung auf. Gerade in der ersten Hälfte kann er auch einige recht ordentlich platzierte Schockeffekte bieten, die für noch etwas mehr Flair sorgen. Auch die Goreeffekte sind angenehm explizit und sehen wirklich gut aus.
Leider ist das Script weniger fehlerfrei als die Regie. Ich muss mich zwar mal wieder als Nichtkenner der Spiele outen, doch aus dem Freundeskreis weiß ich, dass die zwar kaum Story hatten, aber es darum ging Monster aus der Hölle, welche via Dimensionsportal auf die Station kamen, umzunieten. Das hätte auch als Geschichte gereicht, doch „Doom“ versucht sich an einer Gen-Geschichte wie man sie schon zigmal gesehen hat. Da weiß der Zuschauer von Anfang an, dass es sich bei den Monstern bloß um die mutierten Wissenschaftler handelt, was der Film dann im letzten Drittel als große Überraschung präsentieren will. Doch wirklich unvorhergesehen sind an sich keine Wendungen, mit einer ganz dicken Ausnahme. *SPOILER* Sarge ist gar nicht der Held, sondern Reaper und dementsprechend ist man dann überraschend, wenn sich Sarge als Endgegner für Reaper erweist. *SPOILER ENDE*
An sich ergibt sich so ein handelsübliches Szenario, das vor allem von „Aliens – Die Rückkehr“ inspiriert ist. Anfangs minimaler Kontakt mit den Biestern, die man zunächst natürlich kaum sieht, ehe dann zum Schluss recht offen gekämpft wird. Leider hat „Doom“ im Gegensatz zum großen Vorbild einige Temposchwierigkeiten, denn selbst im letzten Drittel, wenn an sich alle Unklarheiten beseitigt sind, bremst sich der Film öfter mal selbst aus, wenn zwischen den Scharmützeln zuviel unnötiges Gelaber eingeschoben wird und daher nie der rechte Drive aufkommt. Dabei ist immerhinder Soundtrack mit seinen mitreißenden Rockklängen sehr dynamisch und gelungen.
Die Action ist recht gut, aber nichts Herausragendes. Anfangs liefert „Doom“ das übliche Geballer auf Kreaturen im Dunkel – natürlich alles recht kurz und mäßig übersichtlich, um sich dann nach und nach zu steigern (u.a. ein derber Überlebenskampf zwischen Destroyer und einem Biest). Doch in der Schlussphase fehlt es dann an einem würdigen Showdown: Zuerst scheint sich eine Massenballerei zu ergeben, die dann aber doch recht schnell abgewürgt wird, daraufhin folgt eine Actionsequenz aus der Egoperspektive. Aufgrund dieses Blickwinkels ist diese nicht ganz so spektakulär, aber hat jedoch einen eigenen Stil, bietet etwas Neues und dürfte auch die Fans der Spielvorlage ansprechen. Doch auch dieser Sequenz fehlt noch der letzte Kick – dem darauf folgenden Schlussfight jedoch noch mehr. Der ist eine Prügelei, die zwar ein paar nette Martial Arts Moves enthält, vor allem unrealistisches Rumgewerfe des Gegners, was nicht zum Ernst des Films passt.
The Rock passt wunderbar in die Rolle des Teamleaders und gibt den harten Hund mit den halbwegs markigen Oneliner und der großen Wumme. Der Schauspieler im Team ist jedoch Karl Urban, dessen Figur man dann auch den meisten persönlichen Background zugesteht, und das macht er auch sehr überzeugend. Rosamund Pike bietet auch keinen Anlass zur Klage, während der Rest vom Fest die Soldatenrollen ganz ordentlich, aber nicht herausragend ausfüllt.
Die Atmosphäre stimmt und die Action zeigt wirklich gute Ansätze, doch im Drehbuchbereich hakt „Doom“ dann doch etwas arg. Dass das Gen-Szenario so nach Schema F verlaufen muss und in der zweiten Hälfte zu wenig Drive aufkommt, trüben das Vergnügend dann. Passabel, aber es wäre mehr drin gewesen.