Review

Nach der Verfilmung des Egoshooter-Hits "Doom" ist eines klar: Angelina Jolie, Milla Jovovich und Kristanna Loken können sich eine Auszeit genehmigen! Denn das adrenalingetriebene Männerkino der Marke "Predator" ist wieder ansatzweise zurück. Neben "Mortal Kombat" war damals "Doom 2" mein absoluter Game-Favorit. Pädagogen mögen nun behaupten, dass das Konsumieren solcher gewaltverherrlichender Ballerspiele negative Auswirkungen auf die Psyche eines Kindes haben könnte. Also ich hab davon auch nach knapp sieben Jahren noch nichts gemerkt. Für Kinder sind die "Doom"-Spiele dennoch nichts. Negative Nachwirkungen blieben mir wohl erspart, weil ich schon früh zwischen Fiktion und Realität unterscheiden konnte. Nebenbei führte das Spielen von "Doom 2" wohl auch zu meiner Vorliebe von Filmen wie "Terminator", "Aliens" oder "Predator". Sodann zurück zur Verfilmung von "Doom". Anfangs war ich ja noch etwas skeptisch, als ich erfuhr, dass Andrzei Bartkowiak (Exit Wounds) die Regie übernehmen sollte, da man von dem Mann bisher nur pseudocoole und auf Hochglanz polierte HipHop/KungFu-Mixturen serviert bekam. Doch nun erweist sich überraschend, dass der ehemalige Kameramann auch für diese Art von Film das richtige Händchen hat und damit schon jetzt besser umzugehen weiß als so Game-Vielverfilmer wie Uwe Boll (Bloodrayne) und Paul Anderson (Resident Evil). Und die Teilnahme von Dwayne "The Rock" Johnson (Walking Tall) erhöhte die Vorfreude noch.

In einer fernen Zukunft: Das Notsignal einer geheimen UAC-Forschungsstation auf dem Mars wird plötzlich unterbrochen. Eine Einheit knallharter Marines unter der Führung von Sarge (The Rock) und Reaper (Karl Urban) macht sich daraufhin auf den Weg zum roten Planeten, um dort nach dem Rechten zu sehen. Sie alle glauben, dass es sich um einen einfachen Routineeinsatz handelt. Doch das ist ein fataler Irrtum. Schon bald sehen sich die Soldaten blutrünstigen Mutanten und anderen höllischen Kreaturen gegenüber, die von den Wissenschaftlern bei ihren Experimenten entfesselt wurden. Der Mars hat sich nun in ein Schlachtfeld der Apokalypse verwandelt...

Im Gegensatz zu anfänglichen Vermutungen verkörpert Ex-Wrestler The Rock hier nicht den Helden, sondern entwickelt sich im Verlaufe des Geschehens sogar zum bösartigen Endgegner. Allerdings ist das nicht weiterhin schlimm, denn auch Schwarzenegger hatte seinen großen Durchbruch immerhin als stählerner Bösewicht. Zum einen ist es wohl auch das, was The Rock Kollege Vin Diesel voraus hat. Zwar ist dessen Riddick ein passabler Anti-Held, doch The Rock ist sich auch nicht zu schade, eine richtig fiese Dreckssau zu spielen. Somit dürfte Herr Diesel wohl einpacken können. Der Held des Streifens ist dann Karl Urban (Die Bourne Verschwörung), der ebenfalls einen fähigen Actiondarsteller abgibt. Schauspielerisch werden hier sowohl The Rock als auch Karl Urban nicht herausgefordert, doch das wird bei "Doom" auch nicht unbedingt von ihnen erwartet. Ganz ohne Frauen geht es dann natürlich auch wieder nicht, weshalb man Rosamund Pike (007 - Stirb an einem anderen Tag) als des Helden Wissenschafts-Schwester mitreingewürfelt hat.

Inhaltlich hält sich "Doom" an den dritten Teil und die Monster kommen nun nicht mehr aus der Hölle, sondern sind aufgrund DNA-Spielereien unter dem Deckmantel der Wissenschaft entstanden. Somit bleibt das Auftauchen sämtlicher Höllenkreaturen aus und man bekommt nur mutierte Monstermenschen vor die Knarre gesetzt. Wie gesagt bekommt man als Endgegner The Rock vorgesetzt, was den Spaß am Finale etwas schmälert, da man doch schon mit einem übermenschlichen Gegner der Sorte Cyberdemon (u.a. mein Favorit unter den Doom2-Gegnern) gerrechnet hatte. Dennoch macht "Doom" wirklich Spaß, sofern man sein Gehirn an der Kasse abgegeben hat. Wie in "Predator" hat auch hier jeder Marine seine individuelle Waffe dabei, weshalb das Arsenal vom Impulsgewehr über die Railgun bishin zum aus den Spielen bekannten Atomisator, auch BFG-Gun genannt, einiges vorzuzeigen hat. Als der von Karl Urban gespielte John "Reaper" Grimm eine IDDQD-Spritze (Kenner von Doom2 werden wissen, was mit diesem Code gemeint ist) verabreicht bekommt zieht er dann so richtig in einer wirklich gut inszinierten Egoshooter-Sequenz vom Leder, dass sogar beinharte Mutanten die Flucht ergreifen. Egal was ihm vors Impulsgewehr läuft, es wird weggeballert. Und das so richtig schön blutig. Neben harten Ballerszenen durften auch die Mutanten uneingeschränkt ans blutige Werk gehen. In Zeiten wo Actionfilme aufgrund niedriger und somit profitableren Altersfreigaben schon nahezu kinderfreundlich in Szene gesetzt werden, freut es einen wahrhaft mal wieder einen Film dieses brutalen Kalibers im Kino zu erleben. Somit blieben mir nervige Rotzbälger auch erspart, da diese brav in "Die Legende des Zorro" gelotst wurden. Und für debil rumquatschende Girlies gab es immerhin "Stolz und Vorurteil". Deshalb konnte man mit "Doom" wieder gutes altes Brutalokino mit harten Kerlen genießen. Storyteschnich darf man von "Doom" keine tiefgründige Handlung erwarten, zumal die beiden ersten Game-Teile lediglich nur den Hauch einer Rahmenhandlung hatten. Darum hat man sich auch eher an "Doom 3" orientiert, da dieser immerhin so was wie einen Plot hatte. Sind die dürftige Handlung und die fehlende Monstervielfalt ein paar Nachteile des Streifens, so muss man Bartkowiak zugute halten, dass er sich nicht am saubersterilen Look des ersten "Resident Evil"-Filmes orientiert hat, sondern seine Protagonisten durch schön dreckige und düstere Gänge sowie Abwasserkanäle laufen lässt, weshalb auch etwas der Gruselfaktor der Spielevorlage zur Geltung kommt. Zum Glück vermeidet Bartkowiak in seinem (aus meiner Sicht) bisher wohl bestem Film den Einsatz von ihm gerne verwendete Rapper-Mucke, da diese einfach nicht zum Szenario passen würde. So herrschen in "Doom" überwiegend gute Rockmucke vor, auch wenn diese gegen Ende des Film noch besser hätte sein können.

Bei "Doom" dürften vor allem Actionfreunde in der letzten viertel Stunde auf ihre Kosten kommen. Meinetwegen können sich nun sämtliche Niveau- und Pädagogik-Verfechter dummdreißt über "Doom" ablassen. Ich für meinen Teil hatte an dem Film trotz der genannten Nachteile meine Freude und fühlte mich in meine frühe Jugend zurückversetzt, als ich noch selber als knallharter Terminator-Exorzist sämtlichen Höllenbestien mit Schrotflinte, Raketenwerfer, Railgun, Plasmakanone und Atomisator zu Leibe gerückt bin. Immerhin ist "Doom" eine ganze Spur besser als die Verfilmungen von "Resident Evil" und "Mortal Kombat".

Details
Ähnliche Filme