Mmmh, Männerfilm! Ein Handvoll harter Kerle mit ordentlich Muckis, religiösem Dachschaden oder einfach nur unausgelebtem Aggressionspotential wird mit der neuesten Generation von Engelmachern zukünftiger amerikanischer Kolonialisierungsträume ausstaffiert und darf auf 'nem anderen Planeten reihenweise Monster im heißen Bleireigen in deren molekulare Einzelteile zermähen. Das Konzept hat schon auf der Daddelbox unschlagbaren Erfolg gefeiert und spätestens mir "Aliens" im Sturm die große Leinwand erobert. Damit war es auch nur noch eine Frage der Zeit bis nach "Resident Evil" oder "House of the Dead" auch endlich "Doom" zu den langverdienten Ehren cineastischer Würdigungen gelangen durfte! So weit, so gut...
In bester Tradition geht die ganze Geschichte dann auch los. Ohne langes Geplänkel wird dem Zuschauer kurz vermittelt, wo es rund gehen soll, wer es dabei richtig krachen lassen soll und worum es in groben Zügen geht. Bis dahin verläuft somit alles zu meiner vollsten Zufriedenheit – Männerkino eben, auf großer Leinwand mit viel Lärm und wenig Story.
Warum also in aller Welt eine Frau mit in die Story reinpacken, unverkraftete Kindheitstraumata und das ganze in ein Handlungskorsett zwängen, das schon vor 20 Jahren nichts mehr hergegeben hat? Was nämlich jetzt schön im abgesiegelten Bereich unterirdischer Laboratorien in einem Gewirr dunkler Gänge zwischen einem Trupp Marines und einer Übermacht zunächst nur schemenhaft erkennbarer, aber eindeutig blutrünstiger Gestalten unbekannter Provinienz im erfolgsverwöhnt-storyfreien 10-kleine-Negerleinprinzip abgehen könnte, nimmt sich leider immer wieder gekonnt selber den Schwung. Keine klare Linie in den Vorgehensweisen, viel zu viele Szenenwechsel, Ortswechsel und Hin- und Herschnitte zwischen den einzelnen Soldaten, die sich mittlerweile in Zweiergrüppchen aufgeteilt haben, sowie gekünstelt eingestreute zwischenmenschliche Belanglosigkeiten bremsen die Geschichte und zerstören die Spannung. Irgendwie ist alles zudem ein bisschen sehr vorhersehbar.
Aber wenn sich Gut und Böse schon mal über den Weg laufen, geht es zumindest weitaus weniger halbherzig zur Sache als bei manch anderer aktuelleren Kinoproduktion. Die Effekte sind gut, die Schnitte nicht zu abgehackt und das visuelle Erlebnis der Dezimierungen unserer Klischeetruppe von Marines ist durchaus auf lobenswertem Niveau. Dazu kommt ein Soundtrack, der erwartungsgemäß auf dröhnenden Bass und harte Riffs baut, es knallt und scheppert – ist dann aber wieder nach zu kurzer Zeit vorbei. Auf etwas gehaltvolle Action folgt immer wieder relativ gehaltloses Gequassel über den Sinn des Lebens, das Recht des Menschen, selber Gott zu spielen oder zwischenmenschliche Problemkisten. Dabei bleibt alles oberflächlich und wirkt zu willkürlich eingebaut, als dass es dem Film einen wohl ursprünglich intendierten Anspruch verleihen könnte – im Ergebnis zunächst leider nur Durchschnitt.
Doch die letzte halbe Stunde entschädigt endlich für so einige verpatzte Regiekniffe. Endlich kommt die langersehnte Hommage an die Computerspielvorlage, endlich verzichten wir auf sinnfreies Gerede und können uns ganz und gar der waffendominierten Reinigung der Forschungsinstitution hingeben. Warum nicht gleich so? Dass die für einen Film durchaus originelle Kameraführung und Perspektivenwahl vielleicht nicht jedermanns Sache ist, mag durchaus sein. Aber endlich tritt der Anspruch einer Spieleverfilmung in den Vordergrund. Vielleicht muss man "Doom" selber mal gezockt haben, um wahre Begeisterung für den präsentierten Showdown entwickeln zu können (manch spielunerfahrener Kinobesucher war schon bei "Tomb Raider" überfordert). Jedoch kann man nicht in Abrede stellen, dass endlich mal wieder ein Stückchen Originalität seinen Weg auf die Leinwand geschafft hat! Dabei wird das ganze noch als Zugabe mit so manchem Ausrutscher gespickt, den sich wohl jeder Zocker schon geleistet hat (oder wer hat noch nie im Eifer des Gefechts auf sein Spiegelbild geballert?).
Schließlich kommt noch der Endgegner – das war's. Für meinen Geschmack ist der Film dann vielleicht etwas zu schnell am Ende und irgendwie wünscht man sich doch, es würde noch was passieren... tut es aber nicht.
Ergo: Die gestellten Erwartungen an eine Doomverfilmung werden leider nur zum Teil voll erfüllt. Etwas zu lange dümpelt der Film mehr vor sich hin, als dass er den Zuschauer wahrlich zu fesseln vermag. Die pseudo-anspruchsvollen Gespräche und einige ein wenig zu vorhersehbare Handlungsfolgen bremsen den Spaß unnötig herunter. Die eingestreuten Actionszenen sind zwar nett gemeint und von guter Qualität, nur leider etwas zu kurz geraten. Man merkt dem Film zu sehr an, dass er sich auf halbwegs 'realitätsnahem', wissenschaftlichen Niveau bewegen will: Für alles müssen Erklärungen herhalten. Vielleicht hätten Monster, die einfach mal aus Versehen vorbeischauen, um ordentlich einen loszumachen, der ganzen Sache mehr Fahrt verliehen; keine großartig konstruierten Hintergründe, keine zwischenmenschlichen Problembewältigungen – einfach "Doom". Am Ende entschädigt das Halli-Galli zwar für so manch lahme Phase, ein neuer Klassiker wird es dadurch aber leider nicht mehr. Am Ende nur 6 Punkte, weil bei Gefahr nie einer den Lichtschalter findet!