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Lord of War

Yuri Orlov (Nicolas Cage) ist Sohn einen ukrainischen Einwanderers und wächst mit seinen jüngeren Bruder im New Yorker Stadtteil Little Odessa auf. Während sein Vater sich als streng gläubiger Jude durchs Leben mogelt steht Yuri vor der Entscheidung seinen weiteren Lebensweg zu bestreiten. Ein kurzes aber sehr einprägsames Erlebnis wirkt wie der Wink mit dem Zaunspfahl und er hat die IDEE. So macht er sich kundig und beginnt den Markt als Waffenhändler zu erobern. Von der Konkurrenz belächelt oder gar abgewiesen kann er mit seiner charmanten, gewitzten und schlicht genialen Art sehr schnell zu einer Größe aufsteigen, die bald nicht mehr aus dem Geschäft wegzudenken ist. Quasi den Durchbruch zum Superstar, zum Lord of War erreicht er mit dem Verkauf zurückgelassener Waffen der US-Armee im Libanon, welche er zum Kilopreis verscherbelt. Mit dem Fall des Eisernen Vorhangs eröffnet sich ihm ein schier endloser Nachschub an Munition, Waffen und sonstiger Kriegmaschinerie, welche er Weltweit, insbesondere aber nach Afrika, verkauft. Irgendwann wird natürlich die Justiz auf ihn aufmerksam und soll ihm und seiner Familie das Leben mehr als einmal schwer machen…

Bowling for Columbine II ?!

Natürlich nicht! Doch im Prinzip konnte der Titel nicht besser gewählt worden sein. Lord of War ist ein Faustschlag in die amerikanische Innen-, und Außenpolitik und versteht sich nicht nur als Satire sondern auch als Faktenreiche Abrechnung mit jeder Institution, welche sich auf Kosten anderer -und sei der Preis auch noch zu hoch- bereichert. Tja und leider können solche Länder an einen Krieg verdienen.

Es scheint ein kleiner Wandel stattzufinden, Hollywood verfilmt schwer verdauliche Themen und zu aller Überraschung erblickten bisher einige Perlen das Licht der Welt. Jarhead, Syriana und nun der wirklich brillante Lord of War. Nicolas Cage gelingt es seinem Charakter trotz der negativen Absichten glaubhaft eine Seele zu verpassen. Er ist ein Kumpeltyp, hat aber natürlich immer den/seinen Profit im Hinterkopf. Er manipuliert alles und jeden, selbst seine Frau erkauft er sich, bevor es zu einer wahren Liebe zwischen den beiden wird. Ehe er sich versieht steckt er in einem Netz aus Lügen, Lügen und nochmals Lügen aus denen es auch kein entrinnen mehr gibt. Sogar sich selber belügt er. Ein Gewissen hat er nicht oder es wird durch verquere Ausreden besänftigt. „Wenn er diesen Job nicht macht, dann macht ihn ein anderer“, oder „Es ist nicht das Geld das mich antreibt, ich bin einfach nur der Beste in diesem Job“. Dies spricht er und muss gleichzeitig für den hohen Lebensstandart seiner Familie sorgen! Selbst der zwischenmenschliche Aspekt wird beleuchtet, weshalb der Zuschauer ansehen muss wie seine Familie daran zerbricht, meiner Meinung nach würde ich dies nun auch nicht negativ bewerten, da es den Erzählfluss nicht im geringsten stört und außerdem für noch mehr Authenzität sorgt.


Als der Interpol-Agent Jack (Ethan Hawk) ihn endlich dingfest machen könnte, wird dieser genau wie der Zuschauer einmal mehr darauf hingewiesen das solche Leute nicht einfach verschwinden können. Yuri, mittlerweile selbst zu einer Marionette von viel mächtigeren Drahtziehern geworden, kommt wieder auf freien Fuß um sein schmutziges und blutiges Geschäft weiterhin fortzusetzen. Unterstützt wird dies durch die abschließende Erklärung dass der Film auf wahren Begebenheiten beruht und einmal mehr die Weltmächte, vor allem die USA, in ein schlechtes Licht rückt. Dieses deutlich machen war wohl auch einer der Gründe warum der Film nicht so ohne weiteres finanziell unterstützt wurde.

Die wirklich brillante Regie, des Dialogreichen Drehbuchs, kann auf ganzer Linie überzeugen. Regisseur Andrew Niccol bleibt dem Eingangs gewählten Stil (man erlebt die Herstellung einer Patrone, ihre Reise zum neuen Besitzer, bis hin zum Abschuss und Einschlag in ihr Ziel, aus der Ich-Perspektive) über die gesamte Länge treu und konfrontiert den Zuschauer immer wieder mit derben Humor, ohne die Situationen lächerlich zu machen. Auf die Spitze getrieben wird dieser durch sich teilweise krasseste Entladungen von Extremsituationen, was mehr als einmal an THREE KINGS erinnert und bleibende Eindrücke hinterlässt. Nicht minder eindrucksvoll sind die von Kameramann Amir Mokri (Bad Boys II) fotografierten Bilder (z.B. die Patrone, ein Dorf in Afrika, überhaupt die Landschaften usw.), unterstreichen diese doch immer wieder den ernst der Lage. Angst und bange kann einem bei der Performance von Nicolas Cage werden, der den Charakter um Yuri so dermaßen cool und charismatisch spielt, dass man diesen Typen einfach lieben muss (aber eigentlich gar nicht darf). Auch der restliche Stab fügt sich nahtlos in dies überaus anspruchsvolle Produktion ein. Die musikalische Untermalung bleibt steht’s im Hintergrund und kann, situationsbedingt, auch mal melancholisch oder gar lauter werden.

Ansehen sollte Pflicht sein!

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