Review

Je sperriger die Rolle, um so besser spielt Nicholas Cage, das ist die Regel und danach kann man sich richten.
Andrew Nicol, der schon mit „Gattaca“ eine Menge Zivilisationskritik in einem futuristischen Film verstecken konnte, präsentiert uns einen ätzenden Schlag ins Gesicht, was das bisher selten verfilmte Thema Waffen auf unserem Planten betrifft.
Wenn Cage in seinem Eingangsmonolog treffend erläutert, dass jeder zwölfte Mensch auf diesem Planeten im Besitz einer Waffe sein könnte und er nun klären müsste, wie die anderen elf bewaffnen, dann sind damit die Pferde gesattelt.

Cage steht damit im Mittelpunkt als Waffenhändler Yuri Orlow, der rund um den Planeten Waffen kauft und verkauft, verschiebt und sich unter den Nagel reißt, um damit zu beliefern, wer immer auch bezahlen kann. Dabei macht er sich frei von Moral und den Gedanken, ob es eine richtige und eine falsche Seite gibt, der er liefern sollte, denn (wie passend: seine Lieblingsfarbe ist natürlich grau) es gibt kein richtig und kein falsch. Die Interessenlage von Wirtschaft und Politik spielt immer eine Rolle und sie wechselt wie das Wetter, so dass man sich von einem Tag auf den anderen nie sicher sein kann, ob man das Richtige oder nicht.

Überhaupt darf man die Folgen seines Tuns nicht überdenken, folgert Yuri, der im Verlauf der Handlung mehrfach ausformuliert, warum er diesem Beruf nachgeht: nicht wegen Geld oder Macht, sondern weil er ihn einfach gut kann. Yuri steht jenseits der Gefühle dieser Welt und versucht nur nebenbei Kontakt zu einem normalen menschlichen Leben herzustellen, wohl eher, weil man meinen könnte, dass es so sein müsste.

Kaltschnäuzig erklärt er uns, warum er schon beim ersten Date seine Traumfrau von Kindheit an belügt – weil alle Beziehungen so enden, warum also nicht so anfangen? Kaltschnäuzigkeit und Gefühllosigkeit, das ist es was ihn ausmacht, es macht ihn weder stolz noch verzweifelt – er ist eben so, was auch wieder folgerichtig ist.
Wenn man ihm ein Gefühl im Laufe des Films nachhaltig nachweisen will und kann, dann ist das Resignation, die sich in seine Stimme schmuggelt, aber keinerlei Erkenntnis, eventuell falsch zu handeln.

Moralisch latent wird dem Zuschauer untergejubelt, wie sehr die Welt (und sei es nur die kleine eigene Welt) unter so einem Beruf und der damit verbundenen Gewissenlosigkeit leidet: seine Frau wird ihn samt Kind verlassen, obwohl sie von Anfang an Fragen vermeidet, die sie hätte stellen müssen. Seine Konkurrenz, ausgestattet mit einer Art Alibi-Gewissen stirbt, als er seine Maxime ändert, sein Bruder und früher Geschäftspartner kann den Folgen seines Tuns nicht ausweichen und endet ebenfalls tragisch – in einem ebenso heroischen wie sinnlosen Akt.

Justicia schließlich wird durch Ethan Hawke vertreten – dem treuen Gesetzeshüter, dessen moralische Integrität so sauber ist, dass sie in einem Film wie diesem schon aufgesetzt wirkt und von Cage auch so genommen wird – was den Film eine Realitätsnähe vermittelt, die in dieser Form in kein gängiges Hollywood-Gut-Böse-Schema passt.

Und doch: irgendwie erleidet auch Yuri Gefühle und der Zuschauer bleibt dicht dran, immer nah an allen begleitenden Schicksalen. Irgendwo tief in ihm gibt es auch einen Verhaltenskodex und der erleidet nachhaltig Schaden, spätestens als Yuri das erste Mal selbst töten muß. Geradezu bösartig komisch wirkt da schon seine Angst, sich in Afrika mit dem AIDS-Virus anzustecken, während er um sich herum einen Völkermord beachtlichen Ausmasses unterstützt.

Episodenhaft unterstützt orientiert sich der Film an echten Kriegen und gewinnt eine beachtliche Realitätsnähe, der am Ende, als er sich endlich den Behörden ausgeliefert sieht, die Krone aufgesetzt wird, als er wegen seiner Bekanntheit in hohen Kreisen von Politik und Militär wieder auf die Straße gesetzt wird.
So gerät seine Gabe zu Segen und Fluch zugleich für Yuri, ein Mann, der seinem Schicksal nicht entgehen kann, weil es ihn wie einen Mantel umhüllt – und Yuri wird sich fügen, denn letztendlich bleibt ihm, einem moralisch Außerirdischen nichts anderes mehr übrig.
Menschliches Leben ist in einer militarisierten Zone um ihn herum nicht mehr möglich. Aber Cage’s Figur hadert nicht, sie akzeptiert resignativ und findet in dem Nihilismus dieses Berufs einen säuerlichen Unterhaltungswert von der Art, die 1970 möglicherweise „MASH“ zu so einem großen Erfolg machte.

Eine finstere Satire, dreckig, blutig und irgendwie wahr, Rezeption funktioniert hier nur über Erfahrung, nicht über den Unterhaltungswert. Doch sogar den kann der ätzende Zynismus generieren – eine Meisterleistung! (9/10)

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