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Wow! Bereits die ersten Minuten von "Lord of War" lassen das Herz eines jeden Filmfreundes vor Freude springen und erahnen, welch grandioses Werk sich hier anschickt, sich seinen Weg in die Köpfe seiner Zuschauer zu bahnen. Regisseur Andrew Niccol schafft es tatsächlich, eine Melange aus satirischem Blick auf die Männer hinter den heutigen Kriegen und optischem Hochgenuss zu erschaffen, der unterhaltsam ist und zugleich nachdenklich macht. Eine Mischung, die nicht alltäglich ist und "Lord of War" noch sehenswerter macht, als er ohnehin schon ist!

Wir lernen ein Waffenhändler (Nicolas Cage) und seine einzigartige Karriere kennen. Einen Waffenhändler, der urplötzlich dem wohl mächtigsten Gegner gegenüber steht, den sich ein Waffenhändler nur vorstellen kann: seinem Gewissen!

Wir lernen also einen jener verachtenswerten Menschen kennen, die ihr Geld mit dem Tod anderer Menschen machen. Doch ist Orlov wirklich so verachtenswert wie man es zu Beginn vielleicht denken, hoffen könnte? Auf der einen Seite ja, auf der anderen Seite wiederum nein. Ein zweischneidiges Schwert, das sich da dem Zuschauer darlegt; Orlov hat ab einem bestimmten Zeitpunkt Gewissensbisse ob der Arbeit, die ihm und seiner Familie das tägliche Brot bringt; Orlov scheut jedoch auch nicht davor zurück, diese Gewissensbisse (meist) erfolgreich wieder zu verdrängen, um – getreu dem Motto "The show must go on" - weiterhin Waffen an die Krieg Treibenden dieser Welt zu liefern; Orlov ist Familienmensch, setzt zu Beginn alles daran, seine Traumfrau für sich zu gewinnen... das macht ihn menschlich, denn wer würde das nicht machen; Orlov gewinnt seine Traumfrau letzten Endes jedoch einzig und allein durch eine Lüge für sich... würde das auch jeder von uns machen? Gewissensfrage! Der skrupellose Orlov kann's und liefert auch direkt eine Erklärung für sein Handeln, die eigentlich jeden versöhnlich stimmen sollte, da sie logischer nicht sein könnte:

Die meisten Beziehungen werden durch eine Lüge beendet. Wieso sollte man da nicht auch eine Beziehung durch eine Lüge beginnen können?

Dieser und viele andere markige Sprüche Orlovs sind symptomatisch für die Erzählstruktur, die Andrew Niccol für "Lord of War" gewählt hat: Orlov selbst kommentiert seine Karriere aus dem Off, und streut dabei Statements ein, denen man bereits heute so etwas wie den allseits beliebten und oft herangezogenen "Kult-Status" attestieren könnte. Ja, das macht Spaß, das lässt dieses doch sehr ernste und jederzeit aktuelle Thema locker erscheinen und erzeugt doch irgendwie eine Art der Bedrücktheit, die nur schwer zu beschreiben ist; denn im gleichen Moment, in dem man wieder einmal über eine Begebenheit aus dem Leben Orlovs lacht, merkt man, welch ernster Hintergrund sich eigentlich dahinter verbirgt.

Visuell bietet "Lord of War" ebenfalls alles, was einen richtig guten Film ausmacht. Entsprechend dem eher düsteren Thema haben wir es überwiegend mit dunklen Kulissen zu tun, und selbst die wenigen "hellen" Momente des Films bergen düstere Flecken, die den Kontrast zwischen satirischem Unterton und Ernsthaftigkeit erst so Recht unterstreichen. Die ersten Minuten des Films, die den "Werdegang" einer Gewehrkugel vom Fabrikband bis in den Kopf seines Opfers schildert, haben wahrlich nicht zuviel versprochen! Der Anspruch des Zuschauers "Optischer Leckerbissen", der sich bei Betrachtung des Intros gebildet hat, wird auf ganzer Linie erfüllt!

Das musikalische Outfit, das "Lord of War" gegeben wurde, sitzt ebenso gut wie die visuelle Erscheinungform. Die Szenen, die förmlich nach musikalischer Untermalung schreien, wurden mit absolut passenden Klängen belegt, die die jeweiligen Stimmungslagen des Publikums hervorragend untermauern können.

Und wenn der Focus so stark auf die Hauptfigur eines Filmes gelegt wird wie es bei "Lord of War" der Fall ist, ist es zwingend notwendig, dass diese erstklassig interpretiert wird; denn sonst nützen die Lorbeeren, die durch Plot, Optik und Musik eingeheimst wurden, nur wenig. Aber keine Angst: Mit einem Nicolas Cage, der so stark agiert wie schon lange nicht mehr, wurde für die Rolle des Yuri Orlov ein Glücksgriff getätigt. Er verleiht seiner Figur genau die Mischung aus familiärer, menschlicher Wärme und skrupelloser Kälte, die das Drehbuch von ihm verlangt und fügt sich so in die Genialität dieses Filmes passgenau ein. Also: eigentlich jedes noch so kleine Zahnrädchen in diesem großen Film greift einwandfrei, jede Komponente ist gelungen, was will man mehr?

"Lord of War" ist Kino, wie es sein soll! Über seine gesamte Dauer niemals langweilig, jederzeit unterhaltend, und nach dem Abklingen des letzten Akkords der Abspannmusik so nachdenklich machend, wie ich es mir öfter von zeitgenössischen Filmen wünsche. 9,5 von 10 Punkten!

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