Nicolas Cage spielt einen Waffenhändler, der nach dem Ende des Kalten Krieges zu der Nr. 1 in seinem Geschäft aufsteigt und fast alle Krisengebiete der Erde mit Waffen beliefert, die er aus der ehemaligen UdSSR bezieht. Während ihm ein überaus engagierter Interpol-Agent, gespielt von Ethan Hawke, im Nacken sitzt, versucht er seine illegalen Geschäfte vor seiner Frau, gespielt von Bridget Moynahan, zu verheimlichen.
"Gattaca" war durchaus ein gelungenes Sci-fi-Drama, bei dem Andrew Niccol, der sowohl als Autor, als auch als Regisseur sein Debüt feierte, erstmals positiv in Erscheinung trat. Es folgte das grandiose Drehbuch zu "Die Truman Show", sowie das zu "Terminal". Bei "Lord of War" fungierte Niccol sogar als Autor, Regisseur und Produzent und liefert eine hervorragende Satire ab, die nach "Die Truman Show" erneut von einem gewissen Zynismus und einigen kritischen Ansichten geprägt ist.
Obwohl Niccol in seiner Satire sehr kritisch mit den Kriegen, Bürgerkriegen und Konflikten, die er thematisiert, umgeht und dabei weder die USA, noch seine Hauptfigur in einem guten Licht erscheinen lässt, ist der Waffenhändler Yuri Orlov doch relativ sympathisch gestrickt. Die Beziehung zu seiner Frau, die zwar ahnt, dass ihr Mann keinen legalen Geschäften nachgeht, aber dies weitestgehend ignoriert, die zu seinem kleinen Sohn, zu seinem Bruder, der schnell aus dem Waffengeschäft ausgestiegen ist und lange Zeit mit seinem Drogenproblem zu kämpfen hat, werden relativ ausführlich konstruiert und so wird Yuri nicht wie das reine Böse dargestellt, sondern wie ein relativ fürsorglicher Vater und liebender Ehemann, der es selbst kaum übers Herz bringt seinen eigenen Konkurrenten, den Mörder seines Onkels zu erschießen.
Selbst stellt sich Yuri ebenfalls nicht als das reine Böse vor, wie ihn der Interpol-Agent beispielsweise betrachtet, sondern als notwendiges Übel in einer Welt voller Regierungen, die aus verschiedenen Kriegen profitieren und selbst Staaten mit Waffen beliefern, deren Diktatoren sie zu Völkermorden und Ähnlichem verwenden, um wiederum andere Staaten so zu schwächen. Dabei zeichnet er zwar ein überspitztes Bild der globalen Politik und bringt durchaus realistisch geschilderte Ansätze in etwas schleierhafte kausale Zusammenhänge, aber die Kritik, die immer wieder aufkommt ist auf jeden Fall berechtigt und realistisch genug, dass die politischen und militärischen Zusammenhänge, die vom "notwendigen Übel" selbst zusammengefasst und wiedergegeben werden, einen bleibenden, nachdenklich machenden Eindruck hinterlassen. Und da es Niccol um diese Eindrücke geht, die vermittelt werden sollen, ist es auch ein geschickter Zug, Yuri trotz seiner Tätigkeit sympathisch zu konstruieren, um den Zuschauer nicht an Oberflächlichkeiten aufzuhalten und auf die eigentlichen Hintergründe zu stoßen, auch wenn Niccol in den letzten Szenen die Menschlichkeit seiner Hauptfigur ziemlich geschickt in Frage stellt.
Inszenatorisch leistet Niccol ebenfalls gute Arbeit, so ist der Film narrativ mit dem Erzähler Yuri, der sein Leben wiedergibt sehr gut gestaltet und auch das Erzähltempo ist stimmig gewählt, sodass keinerlei Längen entstehen. Auch der Soundtrack ist treffend gewählt und unterlegt den Film jederzeit passend und auch die verschiedenen Kulissen wissen allein schon aufgrund der hervorragenden Kamera-Arbeit zu gefallen, wobei vor allem die Armutsländer, in denen sowohl die Slums, als auch die doch recht ansehnlichen Villen und Regierungsgebäude der Diktatoren gezeigt werden, sehr gut portraitiert werden.
Über weite Strecken ist der Film dabei von seinem beißenden Zynismus geprägt, der so rabenschwarz, scharf und ätzend daherkommt, dass sich "Lord of War" allein durch diesen von den Stereotypen Hollywoods überdeutlich abhebt. Darüber hinaus sind viele der zynischen Stellen enorm amüsant und so ist durchaus ein gelungener Unterhaltungswert gegeben und, da Niccol darüber hinaus auf die Verwendung von sanfterem Humor gänzlich verzichtet, bleibt der Film dennoch ernsthaft genug, um permanent Spannung und Dramatik zu erzeugen, sodass der Unterhaltungswert kaum höher sein könnte. Darüber hinaus ist der Zynismus dermaßen eindringlich, dass es Niccol hier durchaus gelingt, seine Zuschauer wach zu rütteln und seine Botschaften zu vermitteln. Störend sind im Grund einzig und allein die Action-Szenen, die zwar nicht schlecht gemacht sind, aber einfach nicht so recht in die Satire passen wollen, zumal sie meist relativ schlecht getimt sind, wenn sie auf zynische oder emotionale Passagen folgen.
Nicolas Cage, der zuletzt mit "Windtalkers", "Tricks" und "Das Vermächtnis der Tempelritter" drei ordentliche Leistungen abliefern konnte, zeigt sich in "Lord of War" enorm stark und serviert den beißenden Zynismus trocken und beiläufig genug, dass er zu keinem Zeitpunkt aufgesetzt wirkt, ist sympathisch genug, dass seine Geschichte auf emotionaler Ebene zu fesseln vermag und lässt es dabei aber nicht aus, auch die inhumanen Facetten seiner Figur darzustellen. Nach "Lord of War" folgte für den Oscar-Preisträger schließlich eine Dürreperiode, in der Flops wie "Wicker Man", "Weather Man" und "World Trade Center" entstanden sowie seine miserablen Leistungen in "Ghost Rider" und "Next". Aber auch die Nebendarsteller wissen auf ganzer Linie zu überzeugen, so ist Ethan Hawke als rastloser Interpol-Agent hervorragend besetzt, genauso, wie Ian Holm, dem die Rolle des eiskalten Waffenhändlers mit seinem kalten, britischen Charisma förmlich auf den Leib geschrieben ist. Jared Leto spielt die Rolle des drogensüchtigen Bruders ordentlich, genauso, wie Bridget Monynahan, die in der Rolle der Ehefrau zu sehen ist, während der enorm präsente Eamonn Walker als unberechenbarer, leicht psychopathischer Diktator fast schon beängstigend gut spielt.
Fazit:
Mit "Lord of War" ist Andrew Niccol eine der besten Satiren aller Zeiten gelungen, die mit ihrem beißenden Zynismus und dem mitreißenden dramaturgischen Aufbau hervorragend unterhält und neben der gelungenen Konstruktion der Hauptfigur auch politisch Stellung bezieht und einige Vorgänge in der internationalen Politik dabei sehr kritisch aufarbeitet, auch wenn manche Zusammenhänge nicht ganz einwandfrei hergestellt sein mögen. Zuletzt sind es die gelungenen darstellerischen und inszenatorischen Handfertigkeiten, die "Lord of War" abrunden. Absolut empfehlenswert.
91%