Review

Nachdem die beiden Actiondramen "Unleashed" und "New Police Story" für mich katastrophal ausfielen, war ich sehr skeptisch, ob es denn nun mit "The Exorcism of Emily Rose", einer gewagten Mischung aus Horrorfilm und Gerichtsdrama, wenigstens etwas besser ausgeht. Tut es, aber richtig überzeugend war auch der halbe "The Exorcist"-Verschnitt nicht. Das liegt aber wieder einmal an der Mischung, die hier nicht aufgeht und mit einer guten und einer weniger guten Seite aufwartet.

Emily Rose (Jennifer Carpenter), eine 19jährige Studentin, starb auf grauenhafte Weise und Pfarrer Moore (Tom Wilkinson, „Batman begins“) wird dafür verantwortlich gemacht. Kurze Zeit vor ihrem Tod nahm er auf ihre Bitte hin und mit Zustimmung der katholischen Kirche einen Exorzismus an ihr vor. Er war der festen Meinung, dass der Teufel Besitz von ihr ergriffen hatte. Dafür muss er sich jetzt vor Gericht verantworten und seine Überzeugung, dass sie besessen war, mit Hilfe der Anwältin Erin Bruner (Laura Linney, "Mystic River") beweisen, die aber ebenfalls nicht an die Geschichte glauben will. Sein Gegner: der Staatsanwalt Thomas (Campbell Scott), der zwar sehr gläubig ist, aber dennoch denkt, dass sie an psychotischer Epilepsie litt und das Absetzen ihrer Medikamente für ihren Tod verantwortlich war...

Während der gesamten Verhandlung, der Beweisvorlage und den Zeugenaussagen wird immer mehr von der Geschichte von Emily Rose bekannt, die Moore, ihre Freunde und Familie nach und nach erzählen und die der Zuschauer in Rückblicken ebenfalls erfährt. Allerdings liegt der Hauptfokus auf dem Prozess und viel weniger auf der mit Horrorelementen bestückten Vergangenheit. Das macht die wie gesagt recht ungewöhnliche Mischung und die Horrorseite kann auch überzeugen. Dahingegen fehlt es dem Gerichtsteil einfach an Spannung, Überraschungen und Wagnissen, sodass es in der Belanglosig- und Vorhersagbarkeit untergeht und man schon früh erahnen kann, wie das ganze denn ausgeht. Einzige Überraschung ist höchstens die Urteilsverkündung, da man den Ausgang von Emily von vornherein kennt.

Aber von vorne:
Nachdem das Ende von Emily also als erstes erzählt wird, beginnt der Prozess und man merkt schnell, dass die Lage, in der sich Moore befindet, nicht die Beste ist. Wie beweist man, dass der Teufel von einer Schülerin Besitz ergriffen hat? Dieser Frage geht auch Erin nach, nachdem sie anfangs noch versuchte, die Krankheitsargumentation des Staatsanwalts zu widerlegen. Aber diese Frage zu beweisen ist alles andere als leicht, doch es werden tatsächlich einige Zeugen aufgetrieben. Wie glaubwürdig diese sind, zeigt sich dann erst am Ende der Verhandlung, aber der klischeevolle Ablauf lässt schon früh erkennen, was wir hier vor uns haben. Der Prozess verläuft gelinde gesagt scheiße für die Verteidigung, Zeugen gibt es kaum und wenn doch, sind die der Anklage deutlich glaubwürdiger und wissenschaftlich fundierten. Aber wie immer zählt bei solchen Filmen sowieso nur das Abschlussplädoyer. Da der Gerichtsteil auch noch überwiegt ist das ganze eindeutig zwar nicht besonders langweilig (da man schon gerne wissen will, wie man sich denn nun versucht, zu retten), aber bisweilen langatmig, da doch einiges an "Blabla" angetauscht wird.

Aber da ist ja noch der Flashback-Teil. Der fällt zwar ebenfalls nicht durch große Überraschungen auf, doch die Szenen sind immerhin gut inszeniert und können ab und an auch mal den Pulsschlag erhöhen. Die Intensität der Szenen von vor 32 Jahren aus "The Exorcist" haben sie zwar bei weitem nicht, doch sind sie mit ein paar Schocks versehen (die man fatalerweise zum Großteil aus dem Trailer kennt) und die Exorzismusszene ist dann ein kleiner Höhepunkt. In diesen Szenen fällt dann auch die großartige schauspielerische Leistung von Jennifer Carpenter auf, die die Besessene grandios verkörpert.
Die Schauspieler sind dann sowieso das Glanzlicht des Films. Laura Linney, die anfangs auch nicht an den Hokuspokus glaubt, doch dann immer öfter (neue Geisterstunde: 3 Uhr nachts) von "Dämonen" heimgesucht wird, beginnt daraufhin, um das Recht Moores zu kämpfen. Dabei werden ihr jedoch einige Steine in den Weg gelegt.
Campbell Scott ist als schmieriger, sarkastischer Staatsanwalt ebenfalls überzeugend und bleibt da auch weiterhin auf der wissenschaftlichen Ebene, indem er versucht, die gesamten Vorkommnisse rational zu erklären und tut die Gegenmeinung, trotz seines Glaubens, als Blödsinn ab.

Wie weit das jetzt auf einer wahren Begebenheit beruht, sollte man schon gar nicht mehr nachfragen, da sich immer mehr Filme mit diesem Prädikat schmücken. Das Grundgerüst mag noch realitätsnah sein (im Fahrwasser des Films erfuhr ich erstmals von einem Fall in Deutschland, bei dem anscheinend auch eine Schülerin auf Grund eines Exorzismus starb), aber im Grunde dürfte es sich hier um die Fantasien des Drehbuchautors handeln. Bei dem Titel fällt einem natürlich unweigerlich der Kultfilm "The Exorcist" ein, der auch nach diesem Film unerreichter Genreprimus bleibt. Auch trotz der Verlagerung von Horror- auf Gerichtsfilm gibt es einige Parallelen. Dennoch ist es genau diese Verlagerung, die diesem Film die hohen Punkte verwehrt. Der Prozess ufert zu sehr aus, ist vorhersehbar und viel zu konventionell (besonders das Strafmaß). Das Strafmaß lässt natürlich noch eine kleine moralische Botschaft vom Stapel, wirkt aber zu aufgesetzt. Der Horrorteil hingegen ist immerhin spannend und mit einigen Schocks versehen, wenngleich auch nicht weniger vorhersehbar. Die Schauspieler sind hervorragend und retten den Film dann noch in den Durchschnitt.
Die Wirkung des Klassikers wird nicht erreicht und somit bleibt der Film sehr geschmacks- und sicherlich glaubensabhängig. Je nachdem wie religiös man ist, entfaltet er auch unter Umständen eine tiefer gehende Wirkung...

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