Mit DER EXORZISMUS VON EMILY ROSE bringt uns Hollywood die Verfilmung der einzigen bisher überlieferten Teufelsaustreibung der Neuzeit auf die Leinwand. Dass der Stempel „Basierend auf einer wahren Begebenheit" bisweilen leider in reißerischer Art als Qualitätsmerkmal missbraucht wird und damit in den seltensten Fällen eine objektive und wahrheitsgetreue filmische Umsetzung nach sich zieht ist in meistens die Regel, zumal Amerikas Blockbuster-Garanten gerne einmal ein paar Features zugunsten spektakulärer Unterhaltung einbauen und dabei vom eigentlichen Gang der Ereignisse abweichen.
Diese Tatsache ist in der aktuellen Verfilmung von Scott Derrickson ebenfalls zu beobachten, wenn die Sympathien des Betrachters eindeutig auf die Seite der Verteidigung gelenkt wird: Die apathische, von Visionen verfolgte Emily, die attraktive, dynamische Verteidigerin, den liebevollen Vater und natürlich den herzensguten Pfarrer, der bis zuletzt um das Leben der Kleinen gekämpft hat und der Medizin die Schuld von Emily's Tod in die Schuhe schiebt.
Zu wenige Gegenargumente werden von Seiten der Anklage gebracht, um auch nur ansatzweise belastendes Material gegen den Pastor zu liefern. Die gerichtliche Gegenüberstellung dieser beiden Weltanschauungen von Mystik und rationalem Menschenverstand bildet leider nur eine schwächelnde Rahmenhandlung für filmische Rückblicke über die fortschreitende Besessenheit der jungen Emily. Ihre Wahrnehmungen machen eindeutig den Schauwert der Geschichte aus und bilden das eigentliche Highlight der Geschichte. Verbunden mit Jennifer Carpenters intensiven Darstellung von Emily Rose baut der Streifen in diesen Szenen eine faszinierende Gruselstimmung auf, die durch feine Kameraführung und bedächtig eingesetzter Musik von Christopher Young positiv unterstützt wird. Diese Retrospektiven sind es, die den Film über die genreübliche Durchschnittskost heben und über die komplette Laufzeit von knapp zwei Stunden keine Langeweile aufkommen lassen. Auf schauspielerischer Seite ist ebenfalls kein Ausfall festzustellen, so dass der Film auf dieser Ebene ebenfalls punkten kann.
Somit ist die Bewertung von EMILY ROSE ein zweischneidiges Schwert.
Auf der einen Seite fasziniert die Geschichte in den Rückblenden als Mystery-Thriller vollends, besonders durch die ergreifende Darstellung der fortschreitenden dämonischen Besessenheit bis zum tragischen Tod der Hauptperson. Diese aufreibenden Szenen mit wohldosiert eingesetzten Schock-Elementen erzeugen wahrhaftig Gänsehaut-Atmosphäre.
Andererseits krankt die Inszenierung durch oben erwähnte - meiner Meinung nach - eindimensionale Darstellung des Gerichtsverfahrens, bei welchem dem eigentliche Akt der klerischen Gehirnwäsche und den hintergründigen Zusammenhänge von Exorzismus und katholischer Kirche kaum Bedeutung geschenkt wird.
Letzten Endes bleibt dennoch ein Film übrig, der aufgrund dem hervorragenden Suspense-Anteil noch eine knappe Acht rechtfertigen lässt und damit für alle Fans von Linda Blair's Teufels-Besessenheit („DER EXORZIST") eine empfehlenswerte Alternative bietet .
Jetzt bin ich nur noch gespannt auf Hans-Christian Schmid's „REQUIEM", der sich in seiner Verfilmung derselben Thematik angenommen hat... und dessen Review wohl demnächst an anderer Stelle ebenfalls nachzulesen sein wird ;-)
(7,7 / 10)