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Mit der zeitnahen Verfilmung der "Day Without End {Combat}" Novelle von Van Van Praag ging Regisseur Anthony Mann bewusst ein Risiko ein; das aktuelle Geschehen lag kaum zurück und Mann hatte auch nicht vor, Melodramatik oder Heldenmut in seine Inszenierung einfliessen zu lassen. Von Beginn weg vom Pentagon abgelehnt und von der Zensur stark überwacht - die letzten Endes auch einschritt und dabei einen sichtlich absurden Schluss verantwortete - gelang dem radikal individualistischen Filmemacher ein nüchternes, aber umso wirkungsvolleres Bild über das unrühmliche Kapitel des Koreakrieges.

Die Handlung spielt an nur einem Tag und einer Nacht und hat auch keine Materialschlachten oder andere Auflockerungen zu bieten, sondern erzählt eine parabelhafte Anthologie von Standardsituationen; wobei erstaunlich ist, was für eine Fülle von Inhalt und Aussage man während der kurzen Zeit erhält. Man konzentriert sich auf eine vom Bataillon abgesprengte Einheit, die nunmehr aus noch 17 Leuten bestehen und sich im Feindesland festgefressen sehen. Kein Wort über die Ursachen, sondern nur über die Bedingungen. "Das Bataillon existiert nicht mehr. Und das Regiment existiert auch nicht mehr. Das Hauptquartier, Korea, die UNO, die USA, sie sind alle erledigt. Wir werden sie nie wiedersehen."
Die Belagerung setzt sofort ein, man schreibt den 6ten September 1950. Der Krieg dauert noch lang genug, aber dass weiss der Zug unter Lt. Benson [ Robert Ryan ] jetzt noch nicht. Trotzdem haben sie keine Eile. Sie kennen sich kaum aus, viele von Ihnen sind auch neu an der Front und haben kaum Erfahrung. Ausserdem müssen sie auf Scharfschützen und den Feind generell achten. Funkverkehr ist abgebrochen, man hört nur koreanisch auf allen Frequenzen. Als Ihnen mitten in der Gruppe und während der Wache noch Einer ausfällt, weil er von hinten erstochen wird, entscheiden sie sich dazu, die Höhe 46 zu erreichen. Dort könnte man auf die Eigenen treffen. Man tritt die 20km Marsch an.

Zeit und Raum sind stark eingeschränkt und gleichzeitig unendlich. Die Zeit steht nicht still, sondern dehnt sich ewig, so dass man diesen Eindruck bekommen könnte. Die Gegend ist ein Irgendwo und könnte auch woanders sein, an jedem anderen Ort - Die literarische Vorlage spielt in der Normandie. Die Unterschiede sind nebensächlich, zumal es um die Menschen darin geht, die desorientiert in der Weite der Natur gefangen sind und sich etwas Unsichtbarem stellen müssen. Die Mär vom Eroberung des Raumes entpuppt sich als Trugschluss. Das im Vorspann vorangestellte Präfix "Tell me the story of the foot soldier and I will tell you the story of all wars" verweist auf die Allseitigkeit von Ort, Kontrahenten und Kriegsgrund; deswegen ist auch die Landschaft im besten Sinne gebräuchlich, ihre Charakteristika belanglos, auch wenn sie sich stetig ändert.
Wiesenfläche, lichter Wald, zerkrusteter Hügel. Keine wirklichen Markierungen, nichts am Horizont, das als Hinweis gelten könnte. Nur Feuerschwaden überall, die vom letzten Gefecht übergeblieben sind und aus den getroffenen und zerbombten Jeeps entweichen. Die Gruppe bewegt sich langsam, man braucht schon eine Ewigkeit, um aufzustehen und sich für den Marsch vorzubereiten, dennoch ist nicht nur die geographische Lage von Beginn weg angespannt und bedrohlich bis ins Mark. Zwischen den Horizonten, im offenen Raum selber ist die Gefahr; wie so oft bei Mann als Ausdruck des elementaren Konfliktes [ Über den Todespaß, Meuterei am Schlangenfluss, Nackte Gewalt ]. Die militärischen und persönlichen Konfrontationen finden im Kleinen statt, aber verlangen durch ihre versteckte Gefahr und der Ungewissheit des nächsten Schritts erhöhte Aufmerksamkeit.

Die körperlichen Strapazen sind gegenwärtig. Die Hitze, die unaufhörlich knallende Sonne, die zu Ende gehenden Wasservorräte, die schweissgetränkte Kleidung. Ein ausgetrocknetes Flussbett wird zur tödlichen Falle; allein das Durchlaufen der von Sperrfeuer eingedeckten Strecke hüllt die Darsteller über Minuten hinweg in eine alle Poren verschliessende Staubwolke.
Ungeschönter Realismus, nachhaltige Schärfe und plötzliche Gewaltausbrüche kennzeichnen die Regie. Mann verzichtet auf erklärende Gespräche, auf Heimat- und Rückkehrszenen, auf eine Vorstellung der Männer ausserhalb dieser Art von Existenz, oft sogar auf Namen. Filmt keine Kollektive, sondern stellt einzelne Personen heraus. Benson weiss die Namen auch nicht aus dem Kopf bzw. kann sie nicht mehr alphabetisch aufzählen, da die Hälfte schon ausgefallen ist. Teilweise merkt er das erst, nachdem er sie im Schwarzen Buch durchgeht; manchmal muss er sich auch Sekunden später wieder streichen. Er sammelt ihre Erkennungsmarken, am Ende werden sie für eine Ladung Orden ausgetauscht, die dann aber keiner mehr nutzen kann.

Auffallen tun neben Benson auch nur noch Sfc. Nate Lewis [ Nehemiah Persoff ], der mit dem ständigen Tod vor Augen überfordert ist und Cpl. James Zwickley [ Vic Morrow ], der am Fieber leidet. Aber krank gibt es im Krieg nicht. Es gibt gesund oder tot. Benson muss auf die Gruppe Unerfahrener aufpassen, als Übervater agieren, sie führen und gleichzeitig die Kontrolle über sie behalten; ständig in Gewissheit, dass sein nächster Befehl auch der letzte für sie sein kann. Er weiss aber auch, dass gewisse Sachen sein müssen. Dass es besser für ihn und seine Mannen ist, wenn er einen koreanischen Überläufer als Schutzschild vorschickt und diesen damit wissentlich in den Tod rennen lässt. Er nimmt Dinge in Kauf, die ihm eigentlich stinken, aber auf die er im Moment nicht verzichten kann. Der neu hinzugekommene Sgt. Montana [ Aldo Ray ] ist auch so ein Fall.
Montana ist sehr gut im Kampf. Er spürt im voraus, wenn und wo ein Feind versteckt ist. Er scheut keinen Konflikt, setzt sich bewusst Gefahren aus, die er mit kalkuliertem Risiko angeht, zeigt oder hat keine Angst, ist treffsicher. Aber Montana ist auch skrupellos und brutal. Betrachtet es als Instinkt, einen bereits wehrlosen Koreaner zu erschiessen; schiesst sowieso immer als Erstes, wenn er sich nicht sicher ist. Entweder man schiesst zuerst oder man stirbt zuerst.
Er wäre der Schurke in der Geschichte, wenn es denn einen geben würde. So einfach macht man es sich hier nicht.
Auf dem ganzen Marsch pflegt Montana einen alten, in den Schock verfallenen Colonel wie seinen eigenen Vater.
Es ist fraglich, wer sich besser ans militärische Establishment angepasst hat. Unstrittig ist nur, dass Beide sich wie ein Puzzle ergänzen und aufeinander angewiesen sind.
"Gnade uns Gott, wenn wir mit Leuten wie Sie den Krieg gewinnen müssen."
"Glauben Sie nicht, dass mir das Spass macht. Ich finds auch zum Kotzen."

Die Unsicherheit, das Verrücktwerden während dieser Belastung und die Torheit dieses Zustandes zeichnet Mann in einer ruhigen Natürlichkeit, die Einen sofort glaubhaft in das Risiko versetzt, auf kurze Distanz hält und desöfteren wie direkt vor Ort aufgenommen wirkt. Dabei benutzt er Elemente des Horrorfilmes und des Western, allerdings still und reserviert eingegliedert und gezielt zur Darstellung einer Illusionslosigkeit nutzend. Ein Exerzitium in Minimalistik, eine Studie von Angst und nacktem Überlebenswillen. Dabei kann er auf die Darsteller bauen, die niemals wirken, als würde sie nur etwas spielen.
Das einfache, aber kompromisslose Konzept hält stellvertretend für andere kriegerische Auseinandersetzungen her und nimmt so auch feinsinnige Arbeiten über Vietnam bereits eindrucksvoll vorweg. Mann fordert dem Zuschauer eine klare Haltung ab und dass er sich realen Ereignissen stellt und bewusst wird. Nimmt sich die Freiheit zu tun, was er für richtig hält und eindeutige Position zu beziehen, ohne sich ideologisch aufzudrängen. Er legt seine Sicht dar und hält die Argumente parat.
"Mit zwölf Mann werden Sie die Höhe nicht nehmen; das gebe ich Ihnen schriftlich."
"Danke, sie kluges Kind."

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