Johnny Boy (Robert De Niro) gehört zu der Sorte Mensch, die sich ständig Geld pumpt und dann Probleme hat, dieses zurück zu zahlen. Soll es ja geben. Sein bester Kumpel Charlie (Harvey Keitel) versucht nun den Film über Johnny Boy zum Zahlen zu bewegen und bittet gleichzeitig Michael Longo (Richard Romanus), dem Johnny Boy das Geld schuldet, um Geduld. Am Ende verliert Johnny Boy dann sein (Spoiler!) Leben. Ansonsten gibt es im Film noch andere Dreh- und Angelpunkte: Charlie, der eigentliche Protagonist, ist nämlich Neffe eines etablierten Mafioso und steht deshalb ständig unter Druck; darüber hinaus hegt er Interessen an einer schwarzen Tänzerin (und schwarz/weiß war damals nicht besonders in; jedenfalls nicht in Charlies Kreisen), er will ein Restaurant aufbauen und flirtet mit Johnny Boys Cousine, die bisweilen Epilepsieanfälle bekommt.
Hauptproblem des Films ist die Nichtintegrierung einer stringenten Story. Im Film passiert einfach sporadisch immer mal was; dass Johnny Boy am Ende ein tragisches Ableben findet, ist bald absehbar, aber nicht unbedingt als Filmfinale auszumachen. Es handelt sich hier viel mehr um einen Klumpen Storyfetzen, chronologisch wenigsten korrekt aneinander gereiht, aber plump dem Zuschauer aufgetischt. Die vielen Ansätze haben aber durchaus das Potential, Dramatik einzubringen. Gerade Charlies Beziehung zu Teresa (Amy Robinson) hätte man besser nutzen können. Nach dem Film fragt man sich dann aber, womit Scorsese eigentlich so viel Zeit totgeschlagen hat. Ein nachträglicher Lauf durch die Kapitel verrät es dann aber recht schnell: Kamerafahrten mit Musik unterlegt und viele Dialoge.
Trotzdem ist der Streifen alles andere als ein Totalausfall. Auch wenn die (kaum auszumachende) Spannungskurve zu einer argen Limitation führt, gibt es etliche unterhaltsame Szenen. Die Dialoge sind dann auch schon einer der Pluspunkte: Durch und durch improvisiert, kristallisiert sich so schnell ein gut aufgelegter Robert De Niro heraus, der die Essenz seiner Meinung im tiefsten Slang verklausuliert. In die deutsche Sprachfassung wird dank vieler Schimpfwörter noch ausreichend viel herübergerettet, auch wenn De Niros Synchro ungewohnt klingt. Keitel hinkt De Niro ganz schön hinterher, vielleicht wird er auch von seiner Hauptrolle überfordert, im Endeffekt gefällt aber auch er. Andere Darsteller sind nicht erwähnenswert; erzeugen aber durch ihre solide Leistung eine schöne Atmosphäre und stellen Dialogspartner für De Niro und Keitel.
Die musikuntermalten Kamerafahrten sind dann auch ziemlich stylish und ihrer Zeit ein gutes Stück voraus. Teilweise wirkt der Film wie Scorseses Ventil, um seinen Musikgeschmack abzulassen. Wenn man mit Stones und Co. klar kommt, ist man schon auf dem halben Wege, über die planlose Story hinwegzusehen.
Dr. Tills Diagnose lautet: Im Ansatz durchaus typisch Scorsese, aber mit starken Abzügen im Bereich Storyentwicklung. Somit etwas kleinkariert, zumindest aber reich an Stil. Und mit einem gut aufgelegten De Niro sowie einem Tier im Käfig.