Unverständlicherweise ist dies einer von Oliver Stones missachtetsten Filmen. Eric Bogosian, Autor des zugrunde liegenden Theaterstücks und des Film-Scripts, nahm sich des authentischen Falls eines Radiomoderators (im Film heißt dieser Barry Champlain) an, der ob seiner jüdischen Abstammung, seines unvergleichlich ätzenden Zynismus und seiner zahllosen Angriffe gegen die amerikanische Ultrarechte schließlich von Neonazis ermordet wird.
Bogosian lieferte jedoch nicht nur die geniale Vorlage, sondern spielt zudem die Hauptrolle, welche er meisterlich ausfüllt. Champlain, unvergleichlich wortgewandt, ist zugleich - man kann es kaum anders bezeichnen - ein Arschloch, das gegen alles und jeden wettert (mit zugegebenermaßen grandioser Rhetorik) und sich dabei wesentlich mehr Feinde als Freude macht. Zwar beschert er seinem Sender enorme Einschaltquoten, seine Beliebtheit hält sich aber vergleichsweise doch in Grenzen, nicht zuletzt deshalb, weil er jeden Anrufer, der ihm Komplimente zu machen versucht, entweder beschimpft oder gnadenlos abwürgt. Es zeigt sich jedoch, dass er unter seiner harten Fassade ein recht einsamer Mensch ist, der mit seinen Emotionen in keinster Weise haushalten kann.
Nun begehen Stone und Bogosian gottseidank aber nicht den Fehler, Champlain aufgrund seines unfassbaren Endes zu einer liberalen Ikone zu stilisieren, sondern liefern eine fesselnde Charakterstudie, die nicht nur zum Nachdenken über viele gesellschaftliche Zusammenhänge anregt, sondern auch gnadenlos gut unterhält.
10/10
P.S.: Barry Champlain hätte mich - in Bezug zu meiner Kritik - als arschkriechenden Schleimer bezeichnet und sich jedes weitere Wort verbeten.