Eine Besonderheit des Filmes gleich zu Beginn und es ist wohl nur das i-Tüpfelchen, welches "Talk Radio's" Einzigartigkeit herausschält. Man sieht die Credits mit allen Beteiligten an dieser Kinoproduktion und man hört nichts, genau keinen einzigen Ton mehr. So entsteht Platz für ein enormes Nachhallen, der soeben auf einen eingeprasselten Worte, Meinungen, Parolen, Sprüche, Polemiken und Konfrontationen. Kein Melodie versucht die Stimmung des Zuschauers in die eine oder andere Richtung zu lenken.
Ich weiß nicht ob dieser Stil ein Novum darstellte, für mich persönlich ist es eines, denn ich glaube mir ist so eine absolute Stille im Abspann noch nie begegnet. Ja und diese Stille lässt sich mit vielen Gedanken füllen, die nach diesem radikalen Geniestreich von Film in einem brodeln.
In ein Wort gefasst, könnte die Überschrift zum Film "Doppelmoral" lauten und so ist es gerade diese, welche vom Start an einen unheilvollen Schatten vorrauswirft und wie ein Damoklesschwert über dem Kopf des streitbaren Radiostars 'Barry Champlain' und dessen Moderationsinhalten schwingt. Dieser prangert mit viel Zynismus und Polemik, in einem ständigen Rundumschlag viele Zustände am System der USA(mithin der Welt) und unteren deren Bevölkerung an, benutzt dies jedoch wohl hauptsächlich als Masche, zu Profillierungszwecken und wohl auch aus Hilflosigkeit. Aus vollster Überzeugung, die sich aus seiner Wut speist, sind ihm die Reichweite und die Wirkung seiner Äußerungen, dabei nicht bewusst. Sie sind ihm letztlich Scheiß egal. So sehen wir als Zuschauer zu, wie er sich langsam aber sicher einer Grenze nähert, die sich immer wieder aufdrängt und wie ein warnendes Signal leuchtet. Schließlich zeig er auch Einsicht, dass er sich mit seiner kaltschneuzigen und größtenteils respektlosen Art und Weise es in manchen Fällen den gewissen Tick zu einfach macht. Ob manch fragwürdige Äußerung in ihrer Tragweite jedoch wieder aufzuheben ist,ist da noch nicht wirklich abzusehen. Barry könnte man auch gut als Dompteur einer RadioRealityFreakshow bezeichnen und weil er eben wirklich kein einziges Blatt vor den Mund nimmt, finden wir uns als Zuschauer in einem Potpourri an kritischen und gegenkritischen Realitätsreflektionen wieder, deren geradlinige analytische Einschätzung durchaus täuschen kann. So fallen zum Beispiel spektakuläre Äußerungen über endzeitliche Phänomenen und es ist ein leichtes diese als religiöse Spinnerei und einem Übermaß an großen Worten abzutun, aber genau in diesen Momenten, blitzt der doppelte Boden an Bedeutung durch die Dielen der Erzähung hindurch. Und genau diese Momente sind es, welche den Film immens wertvoll machen, ist man in der Lage das Dahinter zu erkennen und mit universeller Logik zu Entschlüsseln.
Wenn man denn Annähme, wir hier auf Erden wandelnde Seelen wären im Grunde von einem friedlichen ausgewogenen Ort im Universum und hier auf Erden befände sich eine subtile aber immer fortwährende Hölle, dann wäre folgende Formulierung Barrys wohl sehr unmissverstädlich zu deuten. „Worüber wollen wir denn sprechen, Baseballresultate, Haustiere, Orgasmen?....Schert euch alle zum Teufel. Ich kann auf eure Angst und Blödheit verzichten, ihr kriegt nichts ins Hirn. Es ist reine Zeitverschwendung. Perlen vor die Säue.“
Man könnte noch etliche interessante Zitate in diesem Kommentar anbringen, ich belasse es bei diesem Einziegen und empfehle allen, die ne ganze Menge ins Hirn bekommen, die Begutachtung der Talk-Radio-Perle wärmstens.