„It was Beauty killed the Beast"
Der Regisseur Carl Denham schnappt sich seine Neuentdeckung Ann Darrow und schippert mit ihr und der Crew des Schiffes „Venture“ in Richtung einer geheimnisvollen Insel. Dort, so hat er gehört, lebt eine unglaubliche Kreatur, die er für seinen nächsten Film vor die Linse bekommen möchte.
Die Exposition nach der Ouvertüre nimmt sich Zeit, die Figuren vorzustellen. Man nutzt diesen langsamen Aufbau zwar zur Etablierung der Charaktere und deren Motivation, betreibt dies aber eher pflichtschuldig wie bei einem Brettspiel, um dann nach der Ankunft auf der Insel die Figuren über's Feld zu jagen. Hier kommt dann Schwung in die Bude und man wähnt sich in einem Abenteuer à la Doyle oder Verne.
Denn außer Kong weilt noch allerlei anderes prähistorisches Getier auf dem Eiland und so wurde der Trickabteilung sicherlich nicht langweilig. Denn nicht nur mit dem Riesenaffen schlagen sich die menschlichen Protagonisten ab dem Mittelteil des Films herum, auch Dinosaurier machen ihnen und auch Kong selbst das Leben schwer. Die Mischung auf Stop-Motion und in Echtzeit gefilmten Modellen ist für die Entstehungszeit stimmig. Nur manchmal, wenn etwa die Crewmitglieder in die Schlucht stürzen, wirkt das auch unfreiwillig komisch. Auffällig, aber beabsichtigt, ist die variierende Größe des Riesenaffen, was laut den Machern rein für den jeweiligen Szeneneffekt so umgesetzt wurde.
Insgesamt sind die Effekte aber sehr gelungen. Erstmals kam hier das Verfahren der „Miniaturprojektion“ zum Einsatz, um real gefilmte Szenen in Effektsequenzen einzufügen. Viele Kulissen sind ebenfalls toll gestaltet und sehr ansehnlich.
Ansehnlich ist auch Fay Wray, wobei das bisweilen halb durchsichtige Oberteil schon recht gewagt ist (der „Hays Code“ wurde erst 1934 Pflicht). Allerdings hat sie außer viel Geschrei in der zweiten Filmhälfte nicht mehr viel zu tun und auf die Dauer ist diese Ausdrucksform auch recht ermüdend. Vorher beginnt sie allerdings noch eine zeitgenössisch völlig unglaubwürdige Liebelei mit Jack Driscoll, nachdem er ihr mehrmals seine Meinung über Frauen auf einem Schiff mitgeteilt hat. So funktionierte das damals wohl.
Driscoll wird gespielt von Bruce Cabot, daneben gehört noch Robert Armstrong als Filmemacher Carl Denham zum Haupttrio. Letzterer drehte schon mit Wray „The Most Dangerous Game“ (1932), mit dem sich „King Kong“ einige Kulissen teilt.
Die Filmmusik von Max Steiner ist für mein Empfinden eher anstrengend, insbesondere in den vielen Actionszenen. Ihr Einsatz stellte aber insofern ein Novum dar, als dass sie auch über Szenen mit Dialog gelegt wurde. Dies war bis dato noch nicht realisiert wurde, aus heutiger Sicht natürlich etwas völlig Normales.
Normal war es hingegen leider auch, Filme nach Gutdünken vor dem Kinostart zu schneiden. So erschien in Deutschland eine Kinofassung mit einer Laufzeit von ca. 76 Minuten, es wurde immerhin fast eine halbe Stunde Material entfernt.
„Ein amerikanischer Trick- und Sensationsfilm“ prangte bei der deutschen Erstaufführung auf den Plakaten. Und das kann man so unterschrieben. Mit einem beachtlichen Aufwand und sehenswerten Effekten stellt der Ur-Kong auch heute noch einen Meilenstein des frühen Effektfilms dar. Dramaturgisch nicht ganz rund und mit etwas viel Geschrei. Trotzdem aber unstrittig ein einflussreiches Werk und auch auch heute noch ein sehenswerter Klassiker.